Meister Adebar ist bereit für den Balzmodus

Meister Adebar ist bereit für den Balzmodus

Von Holger Siebnich

Bühl/Rheinmünster (sie) - Noch stehen die prächtigen Vögel stumm in ihrem Nest auf dem Dach der alten Schule in Oberweier. Aber schon bald werden sie in den Balzmodus wechseln und ihr typisches Geklapper erklingen lassen. Die Störche sind zurück - und sie sind früh dran. "Die meisten Nester sind schon besetzt", berichtet Josef Günther, der in der Region als Storchenvater bekannt ist. Bei der Wohnungsvergabe sei das letzte Wort allerdings noch nicht gesprochen. Es drohen Revierkämpfe, die mitunter blutig sein können.



Auch wenn das offizielle Ende des Winters noch fast einen Monat entfernt liegt, lässt das Wetter auch bei den Störchen Frühlingsgefühle aufkommen. "Sie sind in diesem Jahr besonders zeitig dran. Aber den ganzen Februar über war es ja auch nicht mehr winterlich", meint Günther. Ein weiterer Grund sei, dass die meisten Vögel nicht mehr die strapaziöse Reise nach Afrika auf sich nähmen, sondern Winterquartiere in Südfrankreich oder Spanien bevorzugten. "Von dort aus sind sie innerhalb kürzester Zeit wieder hier", sagt Günther. Bis zu 300 Kilometer pro Tag könne ein Storch zurücklegen. Darüber hinaus gebe es auch Exemplare, die den kompletten Winter im Badischen verbringen - aber das seien Einzelfälle.

Der frühe Vogel fängt nicht nur den Wurm, sondern hat auch noch freie Wohnungswahl. Störche, die erst jetzt zurückkehren, müssen schauen, wo sie bleiben. Die Nester in den Bühler Stadtteilen Weitenung, Moos, Balzhofen, Oberweier und Oberbruch sind schon bezogen.

Doch das Wohnrecht ist nicht in Stein gemeißelt. So kann es sein, dass sich im Pärchenpuzzle noch nicht die passenden Teile gefunden haben. "Wenn zum Beispiel eine Dame früher wieder hier ist als der Mann, gesellt sich vielleicht ein anderer Storch zu ihr", schildert Günther seine Erfahrungen. Stößt dann später der feste Partner des Weibchens dazu, versucht er, den Nebenbuhler zu vertreiben. Dabei kann es durchaus blutig zugehen. Manchmal finden sich aber auch neue Paarkonstellationen zusammen. Störche sind zwar treue Tiere, aber es gibt Ausnahmen: "Das ist ähnlich wie bei uns Menschen", sagt Günther und lacht.

Am morgigen Mittwoch steht für den 76-Jährigen ein Großeinsatz an. Gemeinsam mit der Bühler Feuerwehr macht er sich an den Nester-Frühjahrsputz. Dabei sind auch für die Helfer die aktuellen Temperaturen ein Segen. "Wir hatten schon Jahre, da mussten wir den Dreck mit dem Pickel rausklopfen, weil er gefroren war", erzählt Günther.

In Rheinmünster ist die Feuerwehr bereits in der vergangenen Woche zur Putzaktion ausgerückt. Mit insgesamt neun Nestern steht die Gemeinde bei Meister Adebar ebenfalls hoch im Kurs. In der Nachbarkommune Lichtenau hatten sich im vergangenen Jahr drei Paare niedergelassen. Ein Horst in Stollhofen steht unter besonderer Beobachtung. Der NABU Lichtenau/Rheinmünster hat dort eine Webcam installiert, so dass jeder die Vögel über das Internet beobachten kann. Der Ortsvereinsvorsitzende Herbert Schön geht davon aus, dass die Störche in dieser Saison schon Mitte März mit der Eiablage beginnen könnten. Nach vier Wochen Brutzeit kommen in der Regel pro Nest drei bis fünf Junge zur Welt. Noch einmal sechs bis sieben Wochen später ist Josef Günther wieder gefordert. Dann beringt er die Jungstörche. Dabei muss er sich vor deren langen Schnäbeln in Acht nehmen. Die Sicherheit hat oberste Priorität, wie er erzählt: "Ich mach das nur noch mit Schutzbrille. Einmal wäre es fast ins Auge gegangen."

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