Närrischer Markt erneut vom Winde verweht

Närrischer Markt erneut vom Winde verweht

Bühl (wv) - Wo am Rosenmontag normalerweise "gedruckt" und geschluckt wird, herrschte gestern auf dem Narrenbrunnen-Platz Katerstimmung rein alkoholfrei: Die Narrhalla 1826 sagte als Veranstalter den Närrischen Markt ab. "Bei solch einer Unwetterwarnung ist uns gar nichts anderes übrig geblieben", erläuterte Narrhalla-Sitzungspräsident Michael Vetter.

Ihm lag für die Bühler Region eine Akutwarnung vor: "Schwerer Sturm mit Spitzen größer als 100 Stundenkilometer". Es galt "Warnstufe Rot". Abgesehen von Sicherheitsaspekten für Betreiber und Besucher sei ein geordneter Betrieb an den Ständen nicht zu erwarten gewesen, meinte Vetter: "Bei solchen Windgeschwindigkeiten hätte man keinen Grill in Betrieb nehmen können." Die Verantwortlichen der übrigen Vereine, die auf dem Närrischen Markt mit Ständen vertreten sein sollten, seien der Entscheidung, den Markt abzusagen, ebenfalls gefolgt. Schon einmal, vor drei Jahren, damals am 8. Februar, war der Närrische Markt wegen Orkanwarnung ausgefallen.

Auf ihrer Facebook-Seite schrieb gestern die Narrhalla: "Liebe Freunde der Bühler Fastnacht, leider müssen wir aufgrund des Sturms unseren Närrischen Markt absagen. Eure Sicherheit geht uns vor! Lasst Euch nicht unterkriegen und feiert da weiter, wo Ihr sicher seid, das machen wir auch!" Die Narrhalla hatte wegen der Absage auch Rücksprache mit der Stadtverwaltung gehalten, die auf der Homepage der Stadt Bühl ebenfalls die kurzfristige Absage verbreitete.

Die wenigen Narren, die sich auf den Narrenbrunnen-Platz verirrten, fanden sich in der Tristesse verschlossener Zelte und Buden wieder. Sie äußerten sich zwar enttäuscht, zeigten aber Verständnis für die Sicherheitsentscheidung, zumal - gerade um 11 Uhr herum - die Böen mächtig an den Zelten zerrten. Traurig waren sie, aber nicht ratlos: Heidi, Matthias und Gisela von den Bühler Hexen, gerade mit Klaus-Dieter, Rosel und Willi von der Wassersuppengass auf dem leeren Platz zusammen getroffen, erörterten ihren Plan B:

Hexe Heidi hatte vorgeschlagen: "Wir machen statt Närrischem Markt jetzt eine R(h)eintour?" Die Ungläubigen, die ein "h" im Wort gehört hatten, klärte sie auf: "Nein, eine Reintour - wir gehen mal da rein und mal dort rein!" Vorschlag angenommen, sie zottelten zu einer "Süßversorgungsstation" in der Innenstadt ab.

Die Narrhalla und der Allda nutzten die Marktabsage zu einer Vertiefung ihrer Verbundenheit. Die Bühler und die Kappler Vereinsnarren opferten sich, um die für den Närrischen Markt nun nicht gebrauchten Vorräte sogleich intern zu dezimieren. Der Allda gewährte der kellerheimatlosen Narrhalla Unterschlupf im Eselsstall in Kappelwindeck, von wo Michael Vetter per Handy berichtete: "Die Narrhalla hilft dem Allda, dessen Würste zu vertilgen, und der Allda hilft der Narrhalla die Sektvorräte zu minimieren." Zwar ließ draußen der Sturm schon bald deutlich nach, und am frühen Nachmittag streckte die Sonne kurz den Marktabsagern hämisch die Zunge heraus. Doch es darf nicht ganz zu Unrecht spekuliert werden, dass es im Eselsstall weiter recht stürmisch zugegangen sein dürfte.

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