Experte plädiert für runden Tisch

Experte plädiert für runden Tisch

Bühl (red) - Bei einer gut besuchten Führung durch die derzeitige Architekturausstellung in der Mediathek beeindruckte der Referent Nobuhiro Sonoda von der Architektenkammer Baden-Baden/Rastatt mit seinen Thesen zu zeitgemäßem Bauen zwischen Tokio und Bühl. Dazu eingeladen hatte der SPD-Ortsverein.

Sonoda bezog klar Position: "In Baden-Württemberg fehlen uns pro Jahr gut 60 000 vorwiegend kleine Wohneinheiten, wir bauen aber nur circa 30 000. Das heißt, dass in nur drei Jahren eine Bedarfslücke von fast 100 000 Wohneinheiten entsteht", " wird der Architekt in einer Pressemitteilung zitiert.

Peter Hirn, SPD-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, berichtete: "Viele Ältere würden gern aus dem relativ großen Haus, in dem sie auf dem Dorf die Kinder haben aufwachsen sehen, in eine kleinere Wohnung in der Stadt ziehen. Sie finden aber keine bezahlbaren Angebote." Zwar entstehe neuer Wohnraum in der Kernstadt, doch dieser sei ausgesprochen hochpreisig und löse das Problem nicht.

"Neben altersgerechten kleinen fehlen auch bezahlbare große Wohnungen für Familien mit Kindern", betonte die Stadträtin Barbara Becker. Bezahlbarer Wohnraum sei definiert: Nicht mehr als 30 bis 40 Prozent des verfügbaren Nettoeinkommens darf eine Wohnung kosten. Angesichts Kaltmieten von 900 Euro und mehr sei die Bedürftigkeit im Mittelstand angekommen. "Wenn dann noch zur Kostenfrage der Anspruch Barrierefreiheit kommt, wird Wohnen in Bühl zum echten Problem."

Was tun? Der Architekt forderte für Bühl einen runden Tisch mit Kommune, Gemeinderat, Bauwirtschaft und Architekten, um eine Konzeptvorgabe "Bühler Wohnen 2050" zu erarbeiten. Dabei könne unter anderem mit Zielvorgaben gearbeitet werden. So machten andere Städte bereits Vorgaben für einen prozentualen Anteil von sozialem Wohnungsbau. Sonoda empfahl den Weg des Wettbewerbs, um zu innovativen und tragfähigen Ergebnissen zu kommen: "Bei 50 Architekten entstehen mindestens 40 sehr gute Lösungen - eine echte Basis für eine maßvolle und ökologisch verantwortliche Stadtplanung."

Die Entscheidung, wo in Zukunft Entwicklungsbereiche und wo zu schützende Gebiete sein sollen, müsse schnellstmöglich angegangen werden. Dabei spiele auch der ÖPNV eine entscheidende Rolle. Nur wenn der Takt kurz genug sei, verzichteten die Menschen auf das Auto - "auch wenn sie auf dem Land wohnen." Ein Gestaltungsbeirat könne auch in Bühl helfen, eine sozial und architektonisch verträgliche Nachverdichtung der Innenstadt zu ermöglichen. Zusammen mit der Bevölkerung sollten neue Varianten des urbanen Bauens diskutiert werden.

Die SPD bleibt dran und hat die Landtagsabgeordneten Jonas Weber und Daniel Born zum Thema "Wohnen als Luxus?" für Montag, 6. Mai, 19 Uhr, in den "Engel" nach Vimbuch eingeladen.

zurück
1