Angeklagter will sich Fahrrad lediglich geborgt haben

Angeklagter will sich Fahrrad lediglich geborgt haben

Bühl (bgt) - Ein Streit zwischen zwei Asylbewerbern aus Syrien um die Benutzung eines Fahrrads führte gestern zu einer Verhandlung vor dem Amtsgericht in Bühl. Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautete auf Diebstahl.

Der eine Syrer lebt seit drei Jahren, der andere seit knapp fünf Jahren in Deutschland. Dennoch war die Hilfe eines Dolmetschers unerlässlich. Der 32-jährige Angeklagte, der zur Zeit nach eigenen Angaben einen Sprachkurs belegt, soll das Fahrrad seines damals befreundeten Nachbarn entwendet haben, als sie noch in einer Unterkunft in Lichtenau wohnten. So zumindest hatte es der Nachbar bei der Polizei angezeigt. Der Angeklagte hingegen versicherte Richter Hannes Schrägle, dass er keineswegs die Absicht gehabt habe, das Fahrrad zu stehlen. Schließlich habe sein Nachbar ihm erlaubt, es zu benutzen.

Der Richter wollte wissen, ob das Rad abgeschlossen gewesen sei. "Es stand stets unabgeschlossen im Hof, dort, wo alle anderen Fahrräder standen", kam die Antwort.

Etwas anders gestaltete sich die Version des Geschädigten im Zeugenstand. Ja, meinte der, er habe seinem Nachbarn grundsätzlich erlaubt, sein Fahrrad zu benutzen. Dann erzählte er irgendetwas von Schulden, die er bei dem Angeklagten gehabt habe. Jedenfalls habe er eines Tages eine SMS bekommen, in der der Nachbar ihn unterrichtete, das Fahrrad ausgeliehen zu haben. Nach einer Weile habe er den Angeklagten angerufen, um es zurückzuverlangen. Doch dieser habe geantwortet, er werde das Rad nicht mehr zurückgeben. Und wenn ihm das nicht passe, könne er ja die Polizei verständigen. Das tat der Zeuge schließlich auch. "Allerdings habe ich nicht erwartet, dass es zu einem Gerichtsverfahren kommt, sondern ich habe geglaubt, dass die Polizei mir nur mein Fahrrad zurückbringt", sagte der Zeuge.

Da musste er sich vom Richter belehren lassen, dass die Polizei keine Institution der Wiederbeschaffung sei, sondern dass eine Anzeige nun einmal gegebenenfalls ein gerichtliches Prozedere nach sich ziehe. Auch der Angeklagte bekundete, dass er nicht erwartet habe, wegen der Benutzung dieses Fahrrades angezeigt zu werden. Im Übrigen habe er den Hinweis, das Fahrrad nicht herausgeben zu wollen, gar nicht so ernst gemeint, sondern es nur als eine Art Druckmittel verstanden, um sein Geld zurückzubekommen.

Diese Wendung genügte dem Richter, um bei der Staatsanwaltschaft nachzufragen, ob man sich denn mit einer Einstellung des Verfahrens einverstanden erklären könne. Deren Vertreter hatte nichts dagegen, sofern sich der Angeklagte zu einer Zahlung von 300 Euro bereit erkläre.

Dieser willigte ein. Er hoffe, dass ihm das bei der Beurteilung seines Aufenthaltsstatus nicht schade.

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