Hannes und der Bürgermeister lieben Kartoffelsalat

Hannes und der Bürgermeister lieben Kartoffelsalat

Bühl (red) - Wenn man den Stellenwert des Bürgerhauses, seine Vielseitigkeit und das manchmal sehr hohe Niveau des Bühnenprogramms verdeutlichen möchte, reicht es, einige der Namen zu nennen, mit denen sich das Kulturzentrum seit seiner Gründung vor 30 Jahren schmücken durfte: Beim Durchblättern der Gästebücher stößt Bürgerhaus-Chefin Corina Doba etwa auf Udo Lindenbeg, Bläck Fööss, The Dubliners, Ulrich Wickert, Maria Schell oder auch Horst Jansen.

Viele von ihnen haben sich in diesen Büchern verewigt, manche nur per Autogramm, andere mit Fotos oder Skizzen. Anekdoten über "Berühmtheiten", räumt Doba ein, könne sie kaum erzählen; nicht nur, weil sie die Leitung erst 2016 von Gisela Gaibler übernahm, sondern auch, weil es zu persönlichen Begegnungen kaum komme. "Die ergeben sich eher mit unseren Technikern", sagt sie, und ruft sowohl Thomas Huber als auch die langjährige Mitarbeiterin Monika Falk zum Interview hinzu.

Beide erinnern sich tatsächlich an so einige Episoden; die "peinlichen" möchten sie aber nicht der Öffentlichkeit preisgeben. "Wir wollen hier ja nicht lästern", sagt Huber. Über die schönen Ereignisse in seiner Laufbahn berichtet er umso lieber. An erster Stelle kommt ihm Konstantin Wecker in den Sinn: Der Liedermacher hat ihn auf ganzer Linie beeindruckt. Einen genialen "Mucker" nennt er ihn - dass Huber in der Region selbst als Musiker unterwegs ist, schlägt sich auch auf seine Wortwahl nieder -, mit einer starken Persönlichkeit, der sei "megageil" drauf. "Wenn der sich ans Klavier setzt", sagt Huber, und beendet den Satz gar nicht erst. Man meint, ein Ausrufezeichen der Bewunderung herauszuhören.

Noch immer amüsiert erinnert er sich an die Country-Band "Truck Stop" aus Norddeutschland: "Als die hier hereinmarschierten, mit Lidl-Tüten in der Hand und Schlabberlook, hab ich gedacht, die haben sich verirrt." In den Tüten seien ihre Cowboystiefel gewesen, und "nach gut zwei Stunden in der Garderobe waren das ganz andere Menschen". Überhaupt, sagt er, legten manche Künstler "einen Schalter um, wenn sie die Bühne betreten". Man erkenne sie "in zivil" sehr häufig nicht. Leuchtende Augen bekommt Huber, wenn er von diversen "Jazzlights" spricht. Ob Simon Phillips, Billy Cobham oder Flo Dauner: "Solchen Größen der Szene ist es gerade egal, wie viele Grammys sie gewonnen haben, die interessiert nur die Musik." Ab einem bestimmten Level, so Hubers Erfahrung, "sind die Leute absolut tiefenentspannt".

Die nicht ganz so berühmten, manchmal auch mittelmäßigen Künstler könnten kurioserweise schon eher arrogant auftreten. Als überaus nahbar hat Huber übrigens die Darsteller von "Hannes und der Bürgermeister" kennengelernt, Albin Braig und Karlheinz Hartmann: "Bei denen sitze ich noch in der Garderobe, wenn die Vorstellung schon zwei Stunden vorbei ist. Braig schwätzt gern." Außerdem, fügt er hinzu, "haben die immer hausgemachtes Essen dabei, von der Mutter oder was weiß ich". Einen besseren Kartoffelsalat mit Frikadellen könne man wohl weit und breit nirgends finden.

In einen fantastischen Ort verwandle sich das Bürgerhaus stets zur Zaubergala, die der Schüttekeller organisiert: "Mr. Black hat ja immer allerlei Tiere im Gepäck. Die Tauben gurren dann überall hinter der Bühne."

Falk erzählt schließlich noch, wie der Komiker "Olli" schon zwei Stunden vor dem Auftritt vor den Türen des Bürgerhauses, wo seine Fans bereits warteten, Witze erzählt habe: "Und nach der Vorstellung ging es gleich so weiter."

30 Jahre Bürgerhaus, das sind eben auch 30 Jahre Begegnungen. Mit Menschen - und manchmal auch mit Tieren.

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