Überzeugte Europäerin mit Doppelpass

Überzeugte Europäerin mit Doppelpass

Bühl (efi) - Assumpta Sánchez-Granados überwindet nicht nur Sprachbarrieren, die Katalanin mit spanischem und deutschem Pass ist auch überzeugte Europäerin. Zu ihrer Grundüberzeugung gehört es auch, auf kommunaler Ebene mitzuwirken. Zum zweiten Mal nach 2014 kandidiert die in Bühl lebende 58-Jährige aus der Bühler Partnerstadt Vilafranca del Penedès deshalb auf der Liste der Freien Wähler (FW) für den Gemeinderat.

Die parteipolitische Unabhängigkeit der Wählervereinigung und die Freiheit, ohne ideologisches und programmatisches Korsett auf die Probleme der Bürger einzugehen, bezeichnet sie als Schlüssel für ihre Bereitschaft, sich erneut auf der Liste des Stadtverbands für ein Mandat zu bewerben. "Wichtig ist, zu versuchen, etwas umzusetzen und konkrete Verbesserungen zu erreichen, statt sich auf Konflikte oder negative Erscheinungen zu konzentrieren", meint sie. Dass die FW Menschen durchaus unterschiedlicher Überzeugungen vereine, gefällt der Katalanin, die auf Vielfältigkeit und Offenheit setzt. "Nur meckern genügt nicht. Ich schaue gerne nach vorne", sagt sie.

Dass sie bereits in ihrer Jugend eine Affinität zu Deutschland entwickelt hat, ist kein Zufall. Die Begeisterung ihres Großvaters für die deutsche Kultur habe früh ihr Interesse geweckt, erzählt sie. Neben ihrer Berufstätigkeit bei der Firma Bosch in der Nähe von Vilafranca bewältigte sie ein Germanistik-Studium in Barcelona. Sechs Monate verbrachte sie 1988 bei Bosch in Bühlertal. Durch "Erasmus", ein Programm der Europäischen Union, das die Zusammenarbeit von europäischen Universitäten sowie den Austausch von Studenten fördert, lernte sie Freiburg kennen und war später als Sprachassistentin in Osnabrück tätig.

21 Jahre liegt es inzwischen zurück, dass die Mutter eines heute 19-jährigen Sohns ihren Lebensmittelpunkt in die Zwetschgenstadt verlegte - aus beruflichen Gründen. Als ihr Arbeitgeber ihr 1998 ein Angebot für Bühl machte, sagte sie zu. Vier Jahrzehnte ist sie nun in beiden Ländern mit der Firma verbunden. In der Personalabteilung ist sie heute für die Weiterbildung zuständig.

In Bühl fühlte sie sie nach relativ kurzer Zeit "angekommen". Seit zwei Jahrzehnten engagiert sich Assumpta Sánchez-Granados bereits im Bühler Partnerschaftskomitee. An die ersten Annäherungsversuche 1999 zwischen Bühl und der Stadt im Penedès, in die sie 13-jährig von Barcelona mit ihrer Familie gezogen war, kann sie sich noch gut erinnern. Als Dolmetscherin begleitete sie schon im Jahr 2000 die erste Bühler Delegation nach Vilafranca. Zwei Jahre später wurde die Partnerschaft besiegelt.

Ihr Wunsch, in dem Land, in dem sie lebt, mitzuwirken und sich an allen Wahlen beteiligen zu können, hat sie bewogen, die doppelte Staatsbürgerschaft anzustreben. "Ich identifiziere mich mit den deutschen Werten und fühle mich sehr wohl hier", bekennt sie. Dankbar sei sie auch für die Chance, "als alleinerziehende Mutter meine kleine Familie zu unterhalten", was in Spanien ungleich schwieriger sei, fügt sie hinzu.

Sehr am Herzen liegt der 58-Jährigen, die über zehn Jahre beim TV Bühl Schwimmkurse für Vier- und Fünfjährige gegeben hat, die Integration von ausländischen Familien, was am besten über die Kinder gelingen kann, ist sie überzeugt. Diese Projekte sollten so früh wie möglich starten und langfristig angelegt sein. "Die Herdprämie erschwert die Integration", kritisiert sie das Betreuungsgeld.

Das Thema Umwelt sollte fraktionsübergreifend angepackt werden, schlägt sie vor. Um eine Einstellungsänderung zu bewirken, könnten Kommunen wie Bühl Anstöße geben und die Bürger durch Information und Aufklärung stärker sensibilisieren, etwa für den Verzicht auf Plastiktüten. "Wir müssen mit den kleinen Sachen beginnen", sagt sie. "Sehr traurig" ist sie über die politische Situation in ihrem Heimatland. "Als überzeugte Katalanin leide ich darunter", sagt sie.

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