Jung: "Auf dem richtigen Weg"

Jung: 'Auf dem richtigen Weg'

Ottersweier/Bühl (gero) - Nach über zweijährigem Suchlauf nach einem Standort für ein Pflegeheim in Ottersweier ist das Klinikum Mittelbaden fündig geworden: In Kooperation mit der Gemeindeverwaltung sind beide "Suchläufer" auf die Zielgerade eingebogen und haben sich auf den Sonnenplatz in Zentrumsnähe verständigt. Der Gemeinderat gab hierfür im nichtöffentlichen Teil seiner jüngsten Sitzung sein Einvernehmen.

Der kaufmännische Geschäftsführer des Klinikums, Jürgen Jung, rekapitulierte bei einem Pressegespräch gestern Nachmittag im Kreispflegeheim Hub kurz die verschiedenen Standortalternativen. Alle scheiterten sie, weil sie entweder zu klein, ungeeignet von der Zuwegung oder hochwassergefährdet waren. Der Sonnenplatz machte schließlich seinem Namen alle Ehre. Dort stand vor vielen Jahren eine kleine Turnhalle, seither wird er als Park- und Lagerplatz wenig sinnvoll genutzt. Die Gemeinde kann sich die nun angedachte Nutzung grundsätzlich vorstellen; vorausgesetzt, das Objekt ist baurechtlich darstellbar, die Nachbarschaft eingebunden und das Gebäude wird der Umgebungsbebauung anpasst. Geplant sind zwischen 75 und 90 Pflegeplätze. Die Kosten werden auf 13 Millionen Euro geschätzt.

Bürgermeister Jürgen Pfetzer erinnerte an die Geschichte der "Pflegedorfgemeinde" Ottersweier, die immerhin bis ins Jahr 1873 zurückreiche. Er sprach von einer "idealen Innerortslage". Einzelhandelsgeschäfte, Kreditinstitute, Gastronomiebetriebe oder Kirchen seien fußläufig in wenigen Minuten erreichbar. So auch das Gemeindezentrum, für das eine Mehrgenerationennutzung angestrebt werde und sich somit Synergieeffekte ergäben. Der Sonnenplatz sei sozusagen das "Filetstück der Gemeinde" schlechthin. Eine Bebauung zu Wohnzwecken nannte er als "zu kurz gesprungen". Ihm habe stets eine "soziale Nutzung" vorgeschwebt.

Die Realisierung des Projekts verknüpfte er mit der Aufstellung eines Bebauungsplans. Darin sah er den Vorteil, die Nutzung konkret zu fixieren. Dazu könnte ein "kleines Versorgungszentrum" ebenso zählen wie die Unterbringung von Tagespflegeplätzen, Arzt- und Physiotherapiepraxen. Alles in allem sieht er einen "riesigen Gewinn für den Ort". Nicht beabsichtigt sei gleichwohl ein Verkauf des Geländes. Stattdessen wird ein Erbbaurecht wie beim Gemeindezentrum favorisiert.

Hintergrund der neuerlichen Neubautätigkeit des Klinikums ist die novellierte Heimbauverordnung, die künftig nur noch Einzelzimmer vorsieht. Dank der Stiftung Hub und der Scherer-Stiftung sind der denkmalgeschützte Weinbrennerbau und das Scherer-Haus am Park laut Jung nach ihrer Sanierung für über zehn Millionen Euro Haus zukunftssicher. Die Zimmer sind meist größer als der geforderte Standard. Nach einer Belegung beider Gebäude von ehemals 230 Bewohnern stehen heute 75 Plätze für Pflegegäste und zehn Palliativzimmer im Klinikbereich des Weinbrennerbaus zur Verfügung. Die kleineren Gebäude (Haus Fichtenmeier, Beamtenhaus und Ochsenhof) könnten nach ebenfalls erfolgter Sanierung für Wohngemeinschaften weitergeführt werden.

Das Haus Augusta Sybilla, früher von bis zu 70 Bewohnern des Behindertenheims genutzt, wird aktuell von der Gemeinde für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt.

"Vieles ist auf den Weg gebracht, aber noch nicht genug", sieht Jürgen Jung die Hub auf dem richtigen Weg. Er weiß aber auch um die schwierigen baulichen Herausforderungen im Haus Hornisgrinde und im Haus Muhrbach. Vor allem bei letzterer, ebenfalls denkmalgeschützter Immobilie, habe es noch nicht "klick" gemacht. Immerhin habe die Heimaufsicht einen Weiterbetrieb in beiden Häusern bis 2025 signalisiert. Dann aber müsse das "Haus Sonnenplatz" bezugsfertig sein.

Die Übergabe des neuen Pflegeheims bei der Bühler Klinik ist für Ende 2021 vorgesehen. Hier entstehen für ebenfalls 13 Millionen Euro 90 Betten. Der Umbau des Erich-Burger-Heims mit reinen Einzelzimmer-Wohnungen ist für den Herbst 2020 eingetaktet. An allen drei Standorten wird das Klinikum rund 30 Millionen Euro investieren.

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