Datenfutter für die Glaskugel

Datenfutter für die Glaskugel

Bühl (sie) - Die Frage nach der Zukunft der Mobilität treibt nicht nur die Mitarbeiter der Automobilzulieferer Schaeffler und Bosch um, sondern auch die Bühler Stadtverwaltung. Der Blick in die Glaskugel beginnt im Rathaus in der Gegenwart. Wie kommen die Bühler derzeit von A nach B? Um das herauszubekommen, findet im Juli eine Umfrage unter 2 500 Haushalten statt. Eine solche Bestandsaufnahme zum Thema Mobilität gab es noch nie.

Die Umfrage ist Teil des Prozesses "Bühl 2025". Dieser setzt sechs Schwerpunkte, darunter die Erarbeitung eines Mobilitätskonzepts. "Das ist neben der Digitalisierung unser zweites großes, zukunftsweisendes Thema", sagt Oberbürgermeister Hubert Schnurr.

Aus seiner Sicht sei es wichtig, dass die Stadt umweltfreundliche Verkehrsmittel anbietet. Auch der OB lässt in letzter Zeit den Dienstwagen öfter mal stehen und schwingt sich aufs E-Bike: "Das ist eine tolle Sache. Gerade in der Stadt ist man damit oft sogar schneller als mit dem Auto."

Möglichkeiten abseits der festgefahrenen Pfade gebe es viele - etwa einen Shuttle-Verkehr mit Elektrobussen ins Höhengebiet. Solche Konzepte könnten laut Barbara Thévenot, Abteilungsleiterin Stadtentwicklung, auch den Tourismus ankurbeln.

Damit die Stadtverwaltung nicht ins Blaue plant, braucht sie Daten. Denn es bringt wenig, beispielsweise einen großen Carsharing-Fuhrpark bereitzustellen, wenn die Autos am Ende niemand nutzt.

Die Daten liefert eine Ingenieurgesellschaft für Verkehrswesen aus Bochum, die dafür den Auftrag vom Bühler Gemeinderat erhalten hat. Per Zufallsgenerator wurden 2 500 Haushalte ausgesucht, die Post von der Stadt Bühl bekommen. Zusätzlich erhalten die Betroffenen einen Telefonanruf, um sie an die Teilnahme zu erinnern.

Dem Schreiben liegt ein Fragebogen bei. Neben allgemeinen Informationen zu den im Haushalt lebenden Personen und vorhandenen Fahrzeugen erfasst die Umfrage die Fahrten aller Hausbewohner an einem bestimmten Stichtag - egal ob mit Auto, Fahrrad oder Bus und Bahn. Die Stadtverwaltung verspricht komplette Anonymität. Auch wenn die Umfrage mit einigem Aufwand verbunden ist, erhofft sich der OB einen hohen Rücklauf: "Es ist wichtig, dass möglichst viele der angeschriebenen Bürger den Bogen ausfüllen und zurücksenden."

Ergebnisse werden im Herbst präsentiert

Um ausreichend Daten zu sammeln, ermöglicht das beauftragte Büro die Teilnahme auch für Interessierte, die nicht zufällig ausgewählt wurden. Sie können sich den Fragebogen im Juli über die Homepage der Stadt herunterladen.

Eingebunden in die Umfrage sind auch Unternehmen, die Auskunft geben sollen über das Pendelverhalten ihrer Mitarbeiter. "Wir haben dafür repräsentative Firmen aus allen Sparten ausgewählt", sagt Thévenot. Sie und der OB erwarten die ersten Ergebnisse nach der Sommerpause im September oder Oktober. Sie sollen dann im Gemeinderat vorgestellt werden.

Wie die Zukunft der Mobilität aussehen wird, darüber kann der OB nur spekulieren. Er ist sich aber sicher, dass der Individualverkehr mit eigenem Pkw nach wie vor einen Großteil der Verkehrsströme ausmachen wird: "Die meisten werden auch in Zukunft ein Auto verwenden - egal mit welchem Antrieb."

Aber auch in Sachen Bus und Bahn seien erste Weichen gestellt. So hat der Gemeinderat Anfang des Jahres die Eckpunkte für den Betrieb der City-Linie ab Dezember 2020 festgezurrt. Die Richtlinien sehen unter anderem den Einsatz von Elektrobussen vor. Beim Schienennetz hofft der OB auf zusätzliche Haltestellen in den Bußmatten und in Richtung Hatzenweier. Derzeit liege der Ball bei der Deutschen Bahn, die untersuche, ob diese Wünsche umsetzbar seien.

Überhaupt nichts abgewinnen kann Schnurr dagegen den Elektro-Tretrollern, die nach einem entsprechenden Beschluss des Bundesrats voraussichtlich ab Sommer legal im Straßenverkehr unterwegs sein dürfen. Der OB betrachtet das mit Sorgen: "Wenn so einer von hinten angerauscht kommt, hört man nichts. Das ist wirklich gefährlich."

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