Ein Stück voller Schnapsideen

Ein Stück voller Schnapsideen

Lichtenau (ar) - Ein schöneres Geburtstagsgeschenk als ihr amüsantes Theaterspiel hätten die Lichtenberger Freunde am Samstag nicht mit nach Grauelsbaum bringen können. Die im ganzen Elsass bekannte Theatergruppe präsentierte das Stück "D'Stettler", angelehnt an "Die Schildbürger" von Erich Kästner, gleich zweimal im alten Grauelsbaumer Schulhaus. Anlass war das 20-jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen den beiden Kommunen Lichtenberg und Lichtenau.

Clément und Martine Rimmely, Guy und Doris Minnerath sowie Erzählerin Isabelle Burgun spielen nicht nur Theater. Sie sind auch künstlerisch aktiv, fotografieren verschiedene Szenen, bearbeiten sie mit Photoshop und vergrößern sie auf 42 große Bildtafeln, die während der verschiedenen gespielten Kurzgeschichten wie im japanischen Erzähltheater Kamishibai die Handlung und das Bühnenbild vereinen.

Die Schauspieler waren trotz der Hitze am Samstagnachmittag in ihre mittelalterliche Kleidung geschlüpft und sprangen im permanenten, schnellen Wechsel in verschiedene Rollen.

Die Vertreter des elsässischen Dialektes sprachen 70 Prozent der Texte auf Elsässisch, doch die Erzählerin übersetzte sehr schnell in Französisch und in Hochdeutsch, so dass jeder der Zuschauer die Schildbürgerstreiche auch gut verstand.

Die Stettler wohnen im Stettl, doch sie machen alles falsch und haben die Schnapsidee, sich dumm zu stellen und so mehr Wohlstand in die Stadt zu bringen. Wider Erwarten klappt dies, und ihr Rat ist überall gefragt - selbst bei der Großen Koalition in Berlin. Auch im Mittelaltergewand war es Zeit für ein Burnout, doch die Stettler sind selbstbewusst und sagen mutig mit einem Merkel-Herz: "Yes, we can." Doch sie müssen an ihrem dreieckig gebauten Rathaus erkennen: "Berühmtheit schließt die Dummheit nicht aus."

Mit viel Komik, einer ausgeprägten Mimik, ihren Bewegungen und Gesängen sowie den immer wieder wechselnden Bildtafeln huschten sie durch die Geschichten, trugen als "dumme Stettler" das Licht in Schubkarren in das dunkle Rathaus, nagelten die gehobelten Bodendielen nach unten und deckten das Dach ab, damit Sonne durchdringen kann. "Ja, die Stettler und ihre Dummheit haben sich in der ganzen Welt verteilt", lautete die Moral ihrer Geschichte.

zurück
1