Zwei Musikvereine ziehen an einem Strang

Zwei Musikvereine ziehen an einem Strang

Bühl/Seebach (wv) - Mit außergewöhnlichem Eifer üben der Musikverein Seebach und die Affentaler Musikanten. Seit Monaten tun sie es getrennt in wöchentlichen Proben. Nun haben sie vier ganze Tage gemeinsam trainiert. Ein großes Ereignis ist ihr Ziel: Johan de Meij, einer der weltweit bekanntesten Blasmusikkomponisten, dirigiert sie in ihrem Konzert am kommenden Sonntag um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Neuer Markt.



Sowohl bei den Affentalern als auch bei den Seebachern wirkt Marc Noetzel als musikalischer Leiter. Dass die wöchentlichen Proben getrennt erfolgten, stimmt in den letzten Monaten nicht ganz. Immer wieder nahmen Seebacher Musiker an den Proben der Affentaler teil und umgekehrt. Kürzlich floss an zwei Tagen der Probenschweiß des vereinigten Orchesters in der Eisentäler Schartenberghalle, und am letzten Samstag und Sonntag erfüllte beim Probenwochenende der Klang eines fast 90-köpfigen Blasorchesters die Mummelseehalle in Seebach.

Mitten hinein ins Probe-Geschehen: "Versucht locker zu bleiben, trotz der Anstrengung, alles richtig zu machen", ermuntert Marc Noetzel seine Musiker immer wieder. Er ist allerdings nur "Trainingsdirigent", denn die große Generalprobe am morgigen Donnerstag und das Konzert am Sonntag wird der aus New York angereiste Johan de Meij musikalisch leiten. Mit dem Projektorchester führt der Niederländer eigene Kompositionen und Arrangements auf.

Hört man sich unter den Probeteilnehmern um, so loben sie Marc Noetzel: Der "Trainer" beweise eine "Eselsgeduld" mit ihnen. Dieser gibt die Komplimente zurück: "Es ist toll, wie alle Musikerinnen und Musiker mitziehen - und das bei diesen schwierigen Werken."

Zur Probe eines ganz besonders schwierigen Werks ist Professor Henri-Michel Garzia nach Seebach angereist. Das Mitglied des Sinfonieorchesters Basel wird beim Bühler Konzert die Soloposaune in Johan de Meijs "T-Bone Concerto" spielen. In der Probe stellt sich Garzia so, dass er ins Orchester hinein bläst. Seine virtuosen Tonkaskaden lassen dort die Augen besonders der Posaunisten glänzen, die am besten beurteilen können, welch hohe Anforderungen das Solo stellt. Johan de Meij bezeichnet übrigens die drei Sätze witzig mit den Gar-Graden für Steaks: "Rare", "Medium" und "Well done".

"Das Projekt mit Johan de Meij ist eine Bereicherung für beide Vereine, weil es ganz neue musikalische Perspektiven eröffnet, und für unsere jungen Musiker ist es höchst motivierend", stellt Bodo Deger, Vorsitzender der Affentaler Musikanten, fest. Der Seebacher Vorsitzende Stefan Maier ergänzt: "Nicht nur für die jungen, sondern auch für unsere ganz erfahrenen Musiker bedeutet es einen Motivationsschub. Das Programm ist anspruchsvoll, man lernt viel dabei. Die Leistungen schaukeln sich innerhalb der Register regelrecht in die Höhe. Das Projekt hat sich schon jetzt für die Entwicklung unserer Vereine als enorm wichtig erwiesen."

Fürs Konzert wird das vereinigte Orchester um zusätzliche Klangfarben erweitert: Englischhorn, Oboen, Fagotte, Klavier, Streichkontrabass und Harfe - eher ungewöhnlich für Blasorchester. An der Harfe greift Doesjka van der Linden behände in die Saiten und garniert die Bläserklänge mit glitzernden Glissandi. Die aus den Niederlanden stammende Freiburger Berufsmusikerin erhält, ebenso wie Solist Henri-Michel Garzia, in der Probe Applaus der beeindruckten Orchestermusiker. Die Arrangements Johan de Meijs lassen der Harfe Raum für besondere Akzente, auch in Maurice Ravels impressionistischer "Pavane pour une infante défunte".

Karten sind bei den Musikern beider Vereine, im DORV-Laden in Eisental, in der Tourist-Information Seebach sowie an der Abendkasse im Bühler Bürgerhaus Neuer Markt erhältlich.

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