Mit glückseligem Lächeln

Mit glückseligem Lächeln

Von Joachim Eiermann

Bühl - "Heute ist ein Feiertag für 36 Bewohnerinnen und Bewohner dieses schönen neuen Wohnstifts", verkündete Frank Breuninger, Vorstandsvorsitzender der Lebenshilfe der Region Baden-Baden - Bühl - Achern, im kleinen Festzelt. Die Plane wurde vor dem termingerecht fertiggestellten Wohnhaus für Menschen mit geistigem und zumeist auch körperlichem Handicap in der Weststadt aufgeschlagen.

Vor zwei Wochen war Einzug, beziehungsweise Auszug aus Einrichtungen in Steinbach, Leiberstung und Sinzheim, wo die betreuten Personen zuvor gelebt hatten. Harald Unser, scheidender Geschäftsführer der Lebenshilfe und der WdL Nordschwarzwald, schilderte, wie gespannt alle Baubeteiligte auf die ersten Reaktionen waren. Nach der ersten Nacht seien ihm die Bewohner mit "glückseligem Lächeln" begegnet. Ergo: "Unsere Klientel ist stolz auf ihr neues Zuhause und fühlt sich darin sichtlich wohler." Er habe spüren können: "Wir haben unsere Hausaufgaben erledigt."

Er hätte auch von Herkulesarbeit sprechen können, beschrieb er die Entstehung des Wohnheims doch so: "Wir mussten richtig dicke Bretter bohren." Wir, das ist ein Netzwerk von Planer, Generalbauunternehmer, Ratgeber und Unterstützer, die sich mit der Lebenshilfe solidarisierten und in besonderem Maße einbrachten. Allen voran die Stiftung Franz und Margarete Striebel aus Obersasbach. Frank Breuninger dankte Gabriele Striebel mit den Worten: "Ohne Sie stünde hier gar nichts." Keine Einrichtung der Lebenshilfe.

Zuvor hatte das einst städtische Grundstück, in Nachbarschaft zur Weststadtgrundschule gelegen, dem Tennisclub Blau-Weiß als Platzanlage gedient, die nach der Fusion der beiden Kernstadtvereine aufgegeben wurde. Die Stadt kam den Bauherren beim Grundstückpreis entgegen.

Die Striebel-Stiftung griff den (Tennis-)Ball auf und vermietet als Eigentümerin das neue Gebäude langfristig an die Lebenshilfe. Die Notwendigkeit des Neubaus leitete Breuninger aus der novellierten Heimbauverordung des Landes ab, die eine Einzelzimmer-Unterbringung fordere. Zuvor hatten sich zwei Bewohner in der Regel ein Zimmer teilen müssen.

Als herausragende Förderer wurden namentlich auch Rolf Metzmaier (Baden-Baden) und dem früheren Bühler OB Hans Striebel für deren Einsatz und Engagement gedankt. Bürgermeister Wolfgang Jokerst unterstrich die Bedeutung des Teilhabe-Gedankens aus städtischer Warte. Er wies auf laufende partnerschaftliche Projekte mit der Lebenshilfe hin und kündigte an: "Wir wollen im nächsten Jahr einen Inklusionsplan ins Leben rufen."

Die Architektin Gabriele Becker schilderte: "Nicht nur fachlich, auch emotional war es uns ein Anliegen, dieses Gebäude zu realisieren." Die Einzelzimmer, in Zweiergruppen zusammengefasst, böten den Bewohnern auch individuelle Freiheiten. Die Heiztechnik entspreche den hohen energetischen Kriterien eines "kfw 40+-Hauses". Ulrich Singer von der Musikschule steuerte zwischen den Reden feine Gitarrenkunst bei.

Nette Begegnungen am Rande: Herta Merkel, eine Bewohnerin, schenkte Gabriele Striebel ein selbstgemaltes Bild. Die Firma Bold als Generalbauunternehmen bedachte die Bewohner zum Einzug mit Topfpflanzen und weiteren Präsenten. Pfarrer Wolf-Dieter Geißler, der das Gebäude segnete, hatte ein paar Bonmots bereit. Er sprach auch im Namen seines verhinderten evangelischen Kollegen Götz Häuser ("Wir sind eins") und meinte, in Anspielung auf Harald Unser: "Mit einem guten Vater Unser kann man viel erreichen."

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