Wachrüttler vorhanden, Taktgeber gesucht

Wachrüttler vorhanden, Taktgeber gesucht

Bühl/Schwarzwaldhochstraße (gero) - Der Verein "Kulturerbe Schwarzwaldhochstraße" hat nach vielen gescheiterten Versuchen auf der Ebene der Kommunal- und Regionalpolitik, für Abhilfe der untragbaren Zustände im nördlichen Bereich der Schwarzwaldhochstraße zu sorgen, Ministerpräsident Winfried Kretschmann eingeschaltet. Nachrichtliche Kenntnis davon erhielten Regierungspräsidentin Sylvia Felder, die Landtagsabgeordneten Beate Böhlen (Grüne) und Tobias Wald (CDU) sowie Landrat Toni Huber.

Konkret hat der Vereinsvorsitzende Hansjörg Willig den Ministerpräsidenten zu einer persönlichen Inaugenscheinnahme der Hotel-Leerstände und Bauruinen eingeladen. Im BT-Interview vom 19. September ("Enteignung darf nicht länger ein Tabu sein") hatte Willig Handlungsbedarf auf "höchster politischer Ebene" angemahnt.

Er lässt den Ministerpräsidenten einleitend den Vereinszweck wissen: Erhalt, Gestaltung und Belebung des "kulturellen Erbes unserer Region im Nordschwarzwald und der Kleinode vergangener Epochen links und rechts der Schwarzwaldhochstraße für nachfolgende Generationen". Die Schwarzwaldhochstraße gelte als die "beliebteste Touristikstraße Deutschlands".

Und er zählt auch die bisherigen Erfolge des Vereins auf: die Wiederherstellung des Zugangs zum Burgstadel "Bärenstein" sowie den Erwerb und die Restaurierung der ehemaligen und jahrhundertealten Kirche Sankt Antonius in Herrenwies für Konzerte, Lesungen oder Vernissagen. Auch erwähnt er die enge Zusammenarbeit mit dem Nationalpark, der in Herrenwies eine Rangerstation einrichten möchte.

Der Verein, schreibt Willig weiter, verstehe sich aber auch als "Wachrüttler": Die prachtvollen ehemaligen Höhenhotels entlang der Schwarzwaldhochstraße hätten die Region jahrzehntelang geprägt. Viele dieser "wunderbaren Häuser mit großer Tradition" seien inzwischen abgerissen, darunter die Kurhäuser Ruhestein, Kniebis Lamm, Herrenwies und die Hundseck. Andere stünden leer wie das Schlosshotel Bühlerhöhe, der Plättig oder das Kurhaus Sand. Hier sei ein Handlungsbedarf "unübersehbar. Deshalb wird es Zeit zu handeln".

Nutzungsvorstellungen hat der Verein insbesondere für das ehemalige Kurhaus Sand erarbeitet. Dort könnten zumindest einige Zimmer für Touristen saniert werden. Zudem sei eine einfache Gastronomie wünschenswert.

Vorstellbar sei im Sand auch die Einrichtung eines Skimuseums, denn die Wiege des Skisports (Schneeschuhfahrens) liege nun mal auf den Höhen des Nordschwarzwaldes. Bereits 1893 gab es einen Skiclub "Badner Höhe", dessen Vorsitzender Hotelier Meier vom Kurhaus Sand war.

Der Vereinsvorstand könnte sich einen Investor oder eine Institution vorstellen, die sich dem denkmalgeschützten Haus annehmen.

Winfried Kretschmann ließ über seinen persönlichen Referenten ausrichten, dass er aus "zeitlichen und logistischen Gründen" die Einladung zu einer Rundfahrt nicht annehmen könne. Das Staatsministerium werde die Einladung aber an den zuständigen Minister für Justiz, Europa und Tourismus, Guido Wolf, weiterleiten. Abschließend wünscht Kretschmann Willig für seine "unterstützende Arbeit viel Erfolg".

Nach seinen jüngsten Veröffentlichungen, Interviews und seinem Fernsehauftritt in der SWR-Sendung "Unsere 1000er im Südwesten" ist der ehemalige Gymnasialrektor "vorsichtig optimistisch", in den nördlichen Teil der Schwarzwaldhochstraße wieder touristische Strukturen bringen zu können. Ausländische "Glücksritter und Spekulanten" hätten dem Höhengebiet jedenfalls nicht gutgetan. Nun sei endlich die Spitze der Landespolitik gefordert. Das Regierungspräsidium unter neuer Führung könnte hierbei den "Taktgeber" spielen.

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