"Ich bin nicht unter Zugzwang"

'Ich bin nicht unter Zugzwang'

Bühlertal (red) - Der Bühlertäler Geher Nathaniel Seiler vom TV Bühlertal ist zu einer Reise aufgebrochen, die nur wenige Menschen in ihrem Leben machen dürfen: Er ist Teil der 360 Sportler zählenden Bundeswehr-Mannschaft, die an der diesjährigen Militärweltmeisterschaft in China teilnimmt. Der 23-Jährige reiste von der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf aus ins 8 385 Kilometer entfernte Wuhan, wo er sich am 25. Oktober mit der Militär-Elite der Welt im 20-Kilometer-Gehen über die olympische Distanz messen wird.


"So weit weg war ich noch nicht für einen Wettkampf", sagt Seiler. Der in Haueneberstein geborene und aufgewachsene Geher macht sich noch nicht viele Gedanken um die "7th CISM World Summer Games", wie der Wettbewerb offiziell heißt. CISM steht dabei für Conseil International du Sport Militaire, den französischen Namen des Militär-Sportverbands. Vorfreude herrsche ganz klar, von Nervosität, beteuert Seiler, gibt es bislang keine Spur.

Seine Anmeldung für den Wettbewerb in Wuhan - in der Stadt selbst leben rund 7,5 Millionen Menschen, in der Metropolregion sind es mehr als zehn Millionen - war wegen seiner Teilnahme an den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha lange fraglich, da man nicht wusste, wie schnell er sich von den Strapazen in Katar erholen würde. "Die Bürokratie für so einen großen Wettbewerb ist sehr kompliziert. Die teilnehmenden Nationen müssen ihre Sportler Monate im Voraus melden - wegen der Visa und dergleichen". Das Training hat Seiler nach der WM stark gedrosselt, um sich schnell zu regenerieren. Deshalb wird er in China auch nur beim 20-Kilometer-Gehen starten, da ein zweiter Wettkampf über 50 Kilometer in der kurzen Zeit unmöglich wäre.

Erfreulich wird für den 23-Jährigen zu hören sein, dass in den kommenden Wochen mildes Wetter im chinesischen Wuhan vorhergesagt ist. Mit stets um die 20 Grad dürfte sich Seiler wohlfühlen gegenüber den "mörderischen" Temperaturen bei der WM in Doha. Was genau ihn am anderen Ende des Erdballs erwartet, weiß Seiler aber noch nicht. In der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf erhält er nicht nur seine neue "Dienstkleidung" für das Sportfest, es stehen auch noch einige Besprechungen an.

Sicher ist er sich dagegen, dass er nur gewinnen kann. "Ich bin nicht unter Zugzwang, weil ich eh keine Chance habe", sagt er augenzwinkernd. "Die Konkurrenz ist sehr stark, da sind schon echte Favoriten dabei." Er werde einfach sein Bestes geben und es genießen, bei einer Sportveranstaltung, die schon nah an die Ausnahme der Olympischen Spiele heranreiche, dabei zu sein. "Ganz neu ist in Wuhan, dass alle Wettbewerbe in der gleichen Region stattfinden werden. Früher war das anscheinend immer sehr verstreut, aber die Chinesen haben da wohl viel in die Infrastruktur investiert", so Seiler. Beginnen wird das Spektakel heute mit einer großen Zeremonie, am 25. Oktober findet dann das 20-Kilometer-Gehen mit Nathaniel Seiler vom TV Bühlertal statt.

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