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Wo sich die roten Roben mühen
12.10.2017 - 00:00 Uhr
Karlsruhe (kli) - Zehn BT-Leser haben gestern Nachmittag bei der Veranstaltung "BT öffnet Türen" einen Einblick in die Arbeit des Bundesverfassungsgerichts erhalten.

Peter Maier, Referent in der Justizverwaltung des Gerichts, führte die Leser charmant durch die Räumlichkeiten und erklärte, wie das Gericht funktioniert. So erfuhren die Teilnehmer, dass seit 1951, dem Gründungsjahr des Gerichts, etwa 200000 Entscheidungen getroffen wurden. Dabei seien bisher in der gesamten Historie des Gerichts erst circa 100 Gesetze für verfassungswidrig erklärt worden. Zuletzt war das vor elf Jahren beim Luftsicherheitsgesetz zur Terrorabwehr der Fall, als das Gericht entschied, dass Menschenleben nicht gegeneinander aufgerechnet werden dürfen.

Jährlich würden etwa 6500 Verfassungsbeschwerden in den beiden Senaten bearbeitet. Etwa 50 Prozent der eingereichten Beschwerden bekommen die Richter aber gar nicht zu sehen. Die werden bereits vorher von Mitarbeitern als "offensichtlich unzulässig" aussortiert. Nur wer eine richterliche Entscheidung verlange, werde überhaupt mit seiner Klage zu den Richtern vorgelassen. Die BT-Leser erfuhren auf Nachfrage viele Informationen aus dem Gerichtsalltag. Etwa dass die Mitarbeiter ihre Hunde mit zur Arbeit bringen dürfen. Dass im nahen Botanischen Garten öfters Eichhörnchen kreuzen, die man aber nicht füttern dürfe. Dass die Richter meinen, sie hätten den schönsten Arbeitsplatz Deutschlands - wegen des Blicks aus den Büros auf das Karlsruher Schloss.

Und schließlich hatte ein Leser noch die Frage nach den berühmten roten Roben der Richter. Maier erzählte von der "Roben-Kommission". Drei Richter hätten nach Gründung des Gerichts 1951 nach einer passenden Kleidung gesucht. Im Karlsruher Stadtarchiv seien sie auf ein rotes Karnevalskostüm gestoßen, das ihnen gefallen habe. Nachdem alle Richter zugestimmt hatten, gaben sie die Anfertigung roter Roben bei einem Schneider in Auftrag. "Heute sind sie leichter und luftiger und haben einen praktischen Klettverschluss", berichtete Maier. Aber rot sind sie noch immer.

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