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S 21: "Ausstieg ist nicht mehr möglich"
02.12.2017 - 00:00 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart - Führende Realos hätten Boris Palmer, dem grünen Tübinger Oberbürgermeister, zugetraut, in einer Jamaika-Koalition das Bundesverkehrsministerium zu übernehmen. Einem Millionenpublikum machte sich der studierte Mathematiker schon 2010 während Live-Übertragungen der S-21-Schlichtung bekannt. Die Deutsche Bahn musste - ob seiner Fahrplanrechenkünste - erstmals falsche Kapazitätsversprechungen für den Tiefbahnhof einräumen. Umso schwerer wiegt Palmers Wort, wenn er - gerade angesichts der neuen Kostensteigerungen - im BT-Gespräch einschwenkt auf die Linie der Befürworter: "Der Ausstieg ist nicht mehr möglich."

Als die DB 2013 wieder einmal neue Zahlen auf den Tisch legte, hatte Palmer noch vehement dafür plädiert, den Kopfbahnhof beizubehalten. Der biete mehr "mehr Zugfahrten, bessere Anschlüsse und niedrigere Baukosten". Argumente, denen inzwischen der Baufortschritt entgegensteht: "Wir hätten eine Operation am offenen Herzen und das größte Bergbaumuseum der Welt mitten in Stuttgart", sagt er. Ein Ausstieg "wäre eine unglaubliche Vernichtung von Arbeitsleistung und Volksvermögen, so leid mir das tut".

Dabei hat sich grundsätzlich wenig geändert für den früheren Landtagsabgeordneten, der seit bald 20 Jahren auf die Kosten- und die Baurisiken hinweist. Selbst die neuen Zahlen - 7,6 Millionen Euro und 300 Millionen Risikopuffer - hält er nicht "für das Ende der Fahnenstange", weil "niemand mit Gewissheit über sieben Jahre planen kann". Was im Übrigen auch für den jetzt verkündeten Fertigstellungstermin 2024 gelte. Und er ist sich auch "ziemlich sicher", dass die Projektbefürworter bei der alles entscheidenden Volksabstimmung vor sechs Jahren bewusst mit den "gigantisch hohen Kosten" hinter dem Berg gehalten haben. Aber der Beweis der Lüge sei nicht zu führen, "weil eine Gewissenserforschung nicht möglich ist". Er habe "einen großen Brass auf die Verantwortlichen", das ändere aber nichts daran, dass es "eine sinnvolle Umnutzung" nicht mehr gebe.

Freunde wird sich der Tübinger OB damit vor allem nicht unter jenen S-21-Gegnern machen, die in der Landeshauptstadt noch immer Montag für Montag demonstrieren und zumindest den Umstieg auf eine kombinierte Lösung mit vier statt acht Ferngleisen unter der Erde für möglich halten. Dieser Kompromiss war von Schlichter Heiner Geißler im Sommer 2011 präsentiert worden. "Er löst aber die Probleme der Bahn gerade im Tunnelbau nicht", sagt Palmer, und sei deshalb "auch nicht mehr praktikabel".

Ein Lob hat der Grüne für die Ingenieure. Er habe sich auf einer Baustellenführung mit dem inzwischen verstorbenen Heiner Geißler der Faszination der Technik nicht entziehen können. Scharfe Worte richtet er dagegen an die "vielen bekannten Befürworter. Denn auch wenn Stuttgart 21 inzwischen unumkehrbar sei, blieben die vielen falschen Zahlen. "Es hätte sich", sagt er, "doch wenigstens einer mal hinstellen und sagen können: ,Ich habe mich geirrt.'" Aber selbst dazu sei bisher niemand ernsthaft bereit gewesen.

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