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St. Georg in altdeutscher Tracht
16.12.2017 - 00:00 Uhr
Von Hans-Dieter Fronz

In früheren Epochen, mancherorts bis in die Neuzeit hinein hatten Künstler lediglich den Status besserer Handwerker. In zunftartigen Gilden organisiert, blieben sie häufig anonym, besaß die persönliche Autorschaft an einem Kunstwerk doch bei weitem nicht denselben Stellenwert wie heute. Selbst bei Künstlern, die spätere Zeiten als bedeutend einstuften, wurde häufig nicht einmal der Name für die Nachwelt überliefert.

So im Falle des Meisters von Meßkirch. Bis heute ist seine Identität ungeklärt; unter dem Notnamen firmiert er seit seiner Wiederentdeckung im 19. Jahrhundert. Viel ist über ihn spekuliert worden. Zeitweilig wurde er mit Hans Schäufelein in eins gesetzt. Weil in seiner Vorbildersammlung Dürer offenbar reich vertreten war, galt er manchen als dessen Schüler oder Mitarbeiter - eine heute verworfene Hypothese.

Die jüngste, allerdings nicht allgemein akzeptierte Zuschreibung bringt ihn stattdessen mit der Balinger Malerfamilie Weiß in Verbindung. Als weitgehend gesichert gilt, dass er in der Zeit zwischen 1520 und 1540 in Sigmaringen oder Umgebung eine Werkstatt mit zahlreichen Mitarbeitern betrieben und seine Auftraggeber in Adelshäusern und Klöstern im oberschwäbischen Raum gefunden hat. Hans Baldung Griens Werke hatten sichtlich prägenden Eindruck auf ihn; vielleicht sogar war er ein Schüler des oberrheinischen Meisters. In der visionären Landschaftsauffassung gibt es Berührungspunkte auch mit der Donauschule. Seine frühesten bekannten Werke stammen aus der Zeit um 1520.

Die Staatsgalerie Stuttgart, die im Besitz eines bedeutendes Konvoluts von Werken des Meisters von Meßkirch ist, widmet dem Künstler jetzt in einer Großen Landesausstellung Baden-Württemberg die erste monografische Schau überhaupt: eine expositorische Glanz- und Großtat und überfällige Würdigung dieser bedeutenden Gestalt. Die fulminante, von Elsbeth Wiemann kuratierte Ausstellung versammelt die Mehrzahl sämtlicher in zahlreichen Museen und Privatsammlungen in Europa und den USA verstreuten gut 90 erhaltenen Tafelbilder sowie zwei Zeichnungen des Meisters. Neben der Staatsgalerie steuerten nicht weniger als 57 Leihgeber aus elf Ländern insgesamt 189 Exponate bei - darunter Werke von Zeitgenossen wie Dürer und Hans Baldung Grien, Lucas Cranach d.Ä. oder Albrecht Altdorfer; aber auch Goldschmiedearbeiten und Urkunden, Chroniken und Stundenbücher neben weiteren Dokumenten frühneuzeitlicher Frömmigkeit.

Tafelbilder für Klöster und Adelshäuser

Fast ausnahmslos sind die Tafelbilder des Meisters religiösen Inhalts. Dabei war die Mehrzahl nicht für den öffentlichen Raum von Kirchen bestimmt, sondern für die private Frömmigkeit in Adelshäusern und Klöstern in Gestalt von Hausaltären. Motivisch dominieren Madonnendarstellungen; auch zahlreiche Passionsszenen finden sich, dafür lediglich zwei Porträtbildnisse.

In betont prachtvoller Weise führt der Meßkircher Meister die Tradition des sakralen Bildes fort. Mit seiner dekorativ-ornamentalen Stilisierung und dem hohen Goldanteil seiner farbkräftigen Bilder steht er quer zum neugläubigen Bildprogramm, das in der Ausstellung Hauptwerke Lucas Cranachs d. Ä., aber auch der vielteilige Gothaer Altar illustriert, ein Schlüsselwerk der reformatorischen Kunst. Zweifellos waren die rückwärtsgewandte Bildsprache und Darstellungskunst des Meßkircher Meisters ganz im Sinne seiner Auftraggeber - zumal des Adelsgeschlechts derer von Zimmern mit ihrer lutherfeindlichen, prokatholischen Gesinnung.

Dank ihres herausragenden Bestands an Werken des Meisters glänzt die Staatsgalerie nicht nur in dem Gemälde "Der Heilige Benedikt als Einsiedler im Gebet", einem Schlüsselwerk der Spätzeit. So zeigt auch der "Wildensteiner Altar" mit seiner feinmalerischen Ausführung und stofflichen Charakterisierungskunst den Meister auf der Höhe seiner Kunst. Nicht minder glänzend, in der kernig-charakteristischen Figurenzeichnung, der "Falkensteiner Altar": mit einem heiligen Georg gleichsam als Edelmann in altdeutscher Tracht oder einer herzerfrischenden Darstellung des heiligen Christophorus mit dem Jesusknaben. Auch einige Tafeln von früheren Nebenaltären der Stiftskirche von St. Martin in Meßkirch sind im Besitz der Staatsgalerie. Die Versammlung der zahlreichen Bestandteile des ehemaligen Altarzyklus dieser Kirche an einem Ort ist eines der Highlights der Schau. Bis 2. April.

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