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Liebestragödie in funkelnden Arien
13.02.2018 - 07:31 Uhr
Von Nike Luber

Das Badische Staatstheater Karlsruhe muss sparen. Jedenfalls ist das der erste Gedanke, der einem kommt, wenn Gounods Oper "Roméo et Juliette" konzertant auf dem Spielplan steht, und das auch nur bis zur letzten Aufführung als Operngala am 23. Juni. Schade eigentlich, denn musikalisch lässt diese Opernversion über Shakespeares berühmtestes Liebespaar keine Langeweile aufkommen.

Am Premierenabend boten Kapellmeister Daniele Squeo und die Badische Staatskapelle eine mitreißende, atmosphärisch dichte Interpretation von Gounods farbenreicher Musik. Da wurde von rauschender Walzerseligkeit für den Maskenball der Capulets bis zum klangschön musizierten romantischen Motiv der Celli für das Liebespaar eine breitgefächerte Klangpalette entfaltet. Der Badische Staatsopernchor vermittelte die Ausgelassenheit der Ballgäste, die Wut verfeindeter Parteien und die Trauer über den tödlichen Ausgang der Streitigkeiten. Die Solisten konnten sich ganz und gar auf ihren Gesang konzentrieren.

Uliana Alexyuk und Eleazar Rodriguez erwiesen sich als Idealbesetzung der Hauptrollen. Die Sopranistin verlieh mit ihrer strahlenden Stimme und müheloser Geläufigkeit der Juliette eine bezaubernde Jugendlichkeit. Dabei gelang es der Sängerin, Juliettes Wandlung im Lauf der Handlung von ausgelassener Lebensfreude in ihrer virtuos funkelnden Arie "Je veux vivre" zum Mut der Verzweiflung, mit dem sie auf die Idee vom Scheintod eingeht, in nuancierter Stimmführung nachzuzeichnen. Ebenso differenziert gestalteten Uliana Alexyuk und Eleazar Rodriguez ihre vier Liebesduette. Von routiniertem Flirten und Kokettieren beim ersten Kennenlernen steigerte sich die Intensität des Ausdrucks, symbolisch für das Wachsen der Liebe von Roméo und Juliette. Eleazar Rodriguez meisterte die hohen Töne seiner Partie mit gleichbleibend samtigem Timbre, und er gab den Roméo auch in Mimik und Gestik erfrischend lebhaft.

Bekanntlich haben die Liebenden aus zwei verfeindeten Familien es schwer, zueinander zu kommen. Auf der Seite der Capulets finden sich Juliettes Vater, von Nicholas Brownlee souverän als gesellschaftlich versierter, im Grunde aber unerbittlicher Clanchef gezeichnet. James Edgar Knight verkörperte Juliettes Cousin Tybalt überzeugend als einen vor kaum unterdrückter Wut bebenden jungen Mann. Roméos Freunde wirkten verspielter. Armin Kolarczyk brillierte mit der leichtfüßig vorgetragenen Arie über Mab, die Königin der Träume. Frisch und frech servierte Alexandra Kadurina in der Hosenrolle des Stéphano dessen provozierende Arie über Juliette als Täubchen, das dem Nest der Geier, also der Capulets, entfliehen möge. In getragenen Basstönen sang Avtandil Kaspeli den Bruder Laurent als hilfreichen Ersatzvater für das Liebespaar.

Das spielfreudige Ensemble machte stellenweise das Fehlen einer Inszenierung vergessen. Aber die Todesfälle konzertant darzustellen blieb schwierig. Knight und Kolarczyk markierten ihren jeweiligen Tod als Tybalt und Mercutio dadurch, dass sie sich mit dem Rücken zum Publikum stellten und dann in Zeitlupe abgingen. Eine Notlösung, mehr nicht.

Keine Gruft für Roméo und Juliette. Eleazar Rodriguez und Uliana Alexyuk schafften es, allein durch ihren ausdrucksstarken Gesang und ihre leidenschaftliche Darstellung, das tragische Ende der Liebe von Roméo und Juliette in einem gemeinsamen Selbstmord packend zu vermitteln. Gounod gönnt den Beiden ein letztes Liebesduett, das von den Solisten fein nuanciert ausgeleuchtet wurde.

Musikalisch ist die konzertante Interpretation von "Roméo et Juliette" rundum gelungen. An der Optik hätte man mit wenig Aufwand einiges machen können. Statt den Hintergrund mal in Rosé und mal in Blau auszuleuchten, hätte es doch spannend sein können, zum Beispiel über eine Kooperation mit der Hochschule für Gestaltung zu sehen, was den Studierenden zu Gounods Musik eingefallen wäre. Und dann gibt es in Karlsruhe noch die Kunstakademie und das ZKM - falls man bei einer weiteren konzertanten Oper den Hintergrund etwas einfallsreicher gestalten möchte.

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