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Ein Bein in Hessen, eins in Baden-Württemberg
03.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Stephen Wolf

Ober-Laudenbach - Ein gezackter Strich zieht sich mitten durch das Wappen von Ober-Laudenbach. Das ist kein Zufall: Das Symbol deutet darauf hin, dass es in dem Heppenheimer Stadtteil mit seinen etwa 700 Bewohnern nicht so gradlinig zugeht wie anderswo. Der Ort gehört zu der südhessischen Kreisstadt; weil aber Straßen und Grundstücke in unregelmäßigen Abständen auch auf dem Territorium Baden-Württembergs liegen, gelten Bestimmungen und Regeln zweier Bundesländer in Ober-Laudenbach.

Diese Situation hat sich nach Wirrungen und dem mehrmaligen Austausch von Gebieten im Laufe der Jahrhunderte so ergeben, wie Heinz Leib erzählt. Der 68 Jahre alte Sozialdemokrat ist Mitglied im Ortsbeirat und lebt seit der Kindheit in Ober-Laudenbach. Weitgehend unbemerkt werden Spaziergänger hier zu Grenzgängern, da sich die Trennlinie zwischen Hessen und Baden-Württemberg zumeist unbemerkt durch den Ort hindurchschlängelt.

In Ober-Laudenbach mit dem launischen Grenzverlauf gibt es nicht nur unterschiedliche Landtagswahlen und Landeslisten bei Bundestagswahlen, auch besuchen Kinder und Jugendliche unterschiedliche Schulen mit unterschiedlichen Lehrplänen. Darüber dachte Anfang des 19. Jahrhunderts noch niemand nach, als mit dem Ende der Kurpfalz die Trennung von Hessen und Baden offiziell anerkannt wurde. Die zackig verlaufende Grenze durch den Ort geriet zur Staatsgrenze, Grenzsteine wurden gesetzt. Seit 1971 schließlich gehört Ober-Laudenbach als Stadtteil zu Heppenheim.

Während die einen von Heppenheim aus verwaltet werden, ist bei den anderen das badische Laudenbach zuständig. Gehören Hausgrundstücke und Wiesen in der Regel eher zu Hessen, sind Kreisstraße und Wälder vor allem im Badischen angesiedelt, wie Leib sagt.

"Bei uns gibt es viele alltägliche Dinge in doppelter Ausführung", berichtet der 68-Jährige. Ob Winterdienst, Müllabfuhr oder Postbote: Badener und Hessen werden in Ober-Laudenbach separat bedient. Rufen Anwohner aus dem hessischen Teil die Polizei, kommt die Streife aus Heppenheim. Die Beamten aus Weinheim kümmern sich dafür um die Badener im Ort.

"Wir kennen es gar nicht anders, natürlich wissen wir, dass unser Alltag für Außenstehende skurril wirken muss", sagt Leib. Der Kommunalpolitiker zuckt mit den Schultern. Im Umgang miteinander spiele das keine große Rolle, zumal relativ viele neue Bürger in den vergangenen Jahrzehnten nach Ober-Laudenbach gezogen seien. Für sie spiele die Frage nach dem Bundesland weniger eine Rolle mit Blick auf die Identität. Da gehe es mehr um praktische Erfahrungen.

Sicher, ab und zu necke man sich gegenseitig - aber auf harmlose Weise, sagt Reinhold Bichel. Der 66 Jahre alte Rentner muss es wissen. Er hat viele Jahre in der Straße "Finstertal" gelebt. Während hier auf der einen Straßenseite die Hessen leben, wohnen auf der anderen Seite die Baden-Württemberger. Nirgends im Ort treibt der Grenzverlauf zwischen beiden Bundesländern seltsamere Blüten als hier. Wenn ein Nachbar gegenüber anrufen will, muss er entweder die Vorwahl für das hessische Heppenheim wählen - also die "06252" oder für das baden-württembergische Hemsbach die Nummer "06201". Liegt Schnee, kommt der Winterdienst erst aus dem einen Bundesland, dann aus dem anderen. "Meist sind die Badener früher dran", sagt Bichel. Was für Rufnummern gilt, gehört in Ober-Laudenbach auch bei Kennzeichen zum Alltag. Als ein Landwirt mit einem Traktor vorbeikommt, schmunzelt der frühere Monteur und sagt: "Da fährt ein Badenser". Und zeigt auf das Kennzeichen "HD" für Heidelberg (Rhein-Neckar-Kreis). Käme der Landwirt aus dem hessischen Teil des Ortes, befände sich ein "HP" für Heppenheim (Kreis Bergstraße) auf dem Nummernschild.

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