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Mehr als nur anonyme Kulisse
07.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Winfried Heck

Wer beim "Tatort" genau hin schaut, der entdeckt immer wieder mal ein Stück Karlsruhe im Film. Egel, ob Lena Odenthal in Ludwigshafen, Thorsten Lannert in Stuttgart auf Mörderjagd gehen, fast immer wird auch Karlsruhe mit in Szene gesetzt. "Karlsruhe ist häufig nur das Double, aber nie der Star", bedauert nicht nur die Karlsruher Kulturamtschefin Susanne Asche, dass es keinen "Tatort Karlsruhe" gibt. Die Frage, wie es kommt, dass die Fächerstadt meist nur anonyme Kulisse in Filmen ist, war eines der Themen beim monatlichen Kulturfrühstück, zu dem das Kulturamt Filmschaffende und Kreative aus der ganzen Stadt eingeladen hatte.

Karlsruhe braucht sich in Sachen Film nicht zu verstecken. "Independent Days", das Dokumentarfilm-Festival "DokKa", ein 3-D-Festival und andere, teilweise sehr hochkarätige Festivals gibt es bereits. Was fehlt ist die überregionale Beachtung oder gar explizite Werbung für die Stadt. Wie dies geändert werden könnte, war eine der unbeantworteten Fragen beim Kulturfrühstück. Immerhin nutzten die sich im Sektor Film bewegenden Kreativen der Stadt die Chance, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Es ist nicht allein das Geld, das fehlt, es sind auch die vielen kleinen Bausteine, die Probleme bereiten. So gibt es in Karlsruhe keine Firma, die Filmgerätschaften verleiht. Kameras, Schneidetisch, Tontechnik und dergleichen mehr, kurzum, die Grundvoraussetzung für gute Filme. Gerade wenn das Geld knapp ist, sind Filmemacher auf preiswerte Lösungen angewiesen. Die ganze Infrastruktur ist im Vergleich zu anderen "Film-Städten" eher mangelhaft. Das liegt unter anderem auch am SWR mit seinem Studio in Baden-Baden. Weil der SWR sehr viel selbst produziert und nur selten und schon gar nicht regelmäßig mit freischaffenden Filmemachern arbeitet, fehlt denen "das freie Volumen", um in Karlsruhe leben und arbeiten zu können. Das sei beim NDR, MDR und anderen ARD-Sendern deutlich besser und deshalb wandern viele ab aus der Stadt. In Baden-Württemberg kommt hinzu, dass Gelder aus der Filmförderung in der Regel nur dann fließen, wenn eine Ausstrahlung des fertigen Werks in öffentlich-rechtlichen Sendern folgen soll. Die strikten Qualitäts- und Themenvorgaben des SWR verhindern dies oft. Immerhin gebe es Hinweise für einen langsamen Wandel, womöglich auch, weil der Fernsehlandschaft ein dramatischer Wechsel prophezeit wird. Netflix und sich wandelnde Sehgewohnheiten des jüngeren Publikums lassen grüßen.

"Independent Days" als Vorzeigefestival

Karlsruhe bietet aber auch Vorteile. Ob Drehgenehmigungen für Außenaufnahmen oder abgesperrte Plätze, hier geht vieles sehr unbürokratisch und vergleichsweise preiswert über die Bühne. "Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung ist sehr gut", bestätigt Oliver Langewitz vom Filmboard Karlsruhe. Er plädiert ohnehin für den Weg des langen Atems. Gelingt es den Festivals, sich mit Kontinuität einen guten Namen in ihren jeweiligen Zielgruppen zu erarbeiten, dann haben sie auch Zukunft.

Die "Independent Days", die vom 18. bis 22. April bereits ihre 18. Auflage erfahren, sind hierfür ein Paradebeispiel. Hier treffen sich unabhängige Filmschaffende aus aller Welt, selbst wenn sie nicht mit eigenen Werken vertreten sind. Das Dokumentarfilmfestival "DokKa" hat sich ebenfalls, trotz geringen Budgets, inzwischen einen sehr guten Ruf erarbeitet und mutiert zusehends zum Brachentreff für Regisseure aus ganz Deutschland. Die Preise in den unterschiedlichen Karlsruher Festivals sind zudem begehrt, weil sie andernorts Türen öffnen. Auch das Filmboard Karlsruhe ist dabei, weitere Türen zu öffnen. In der kommenden Woche wird in Straßburg das grenzüberschreitende Projekt "Film am Oberrhein" gestartet. Zunächst mit 20 Partnern aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Auch hier geht es darum, sich kennen zu lernen und die gemeinsame Arbeit an Filmprojekten einfacher zu machen.

Ganz nebenbei kommt den Festivals immer mehr die Rolle zu, in einer immer größer werdenden, weil immer preiswerter herzustellenden Flut von Filmen jene heraus zu suchen, die es Wert sind, von einem größeren Publikum gesehen zu werden. Festivalbesucher wiederum haben häufig nur hier die Chance, preisgekrönte Filme zu sehen, für die es im Fernsehen oder kommerziellen Kino keinen Platz gibt. Dies sei eine Chance, andere Wege zu gehen, sagt Nils Menrad von "DokKa". "Wir haben weniger Zwänge und dafür mehr Flexibilität. Das müssen wir nutzen." Klar ist aber, dass Karlsruhe mit Berlin, Hamburg, München und selbst Stuttgart nicht konkurrieren kann. Ohnehin bleibt die Frage, ob dies in einer "Gesellschaft des Spektakels, der Eventisierung" (Menrad) überhaupt erstrebenswert ist.

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