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Mit Hingabe und viel Temperament
16.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Sabine Rahner

Viele großartige Tänzer in deutschen Compagnien - Beispiel Badisches Staatsballett Karlsruhe - stammen aus Brasilien. Das südamerikanische Land, das man mit Lebensfreude und quirligem Temperament assoziiert, steckt aber seit langem in der Krise, die auch das Kulturleben nachhaltig behindert. Umso bedeutender ist es, dass in Sao Paulo vor gut zehn Jahren eine klassische "Companhia de Danca" neu gegründet wurde, die jetzt zweimal im Festspielhaus Baden-Baden gastierte.

Das hat sie gewiss einem Namen zu verdanken, der in der Ballettwelt heller funkelt als alle Sterne zusammen: Marcia Haydée. Die Starballerina im "Stuttgarter Ballettwunder" der 1960er und 70er Jahre stammt selbst aus Brasilien und ist auch mit 81 Jahren noch als Intendantin (in Santiago de Chile) und als Choreografin aktiv. Sie hat der Truppe in Sao Paulo einen Klassiker nach Maß angepasst, der im sehr gut besuchten Festspielhaus glänzend aufgenommen wurde.

Die Geschichte von "Don Quixote" hat Haydée in einem bunten Bühnenbild angesiedelt, das mit einer Brücke im Hintergrund auf zwei Ebenen erweitert und von Illustrationen des brasilianischen Malers Candido Portinari eingerahmt wird. Mit Gedichtrezitationen und brasilianischer Gitarrenmusik entführt sie das Publikum anfangs in die Traumwelt des Titelhelden.

"Don Quixote" ist in Baden-Baden auch schon vom Mariinsky-Ballett gezeigt worden, das ebenso wie jetzt Haydée auf die klassische Urfassung von Marius Petipa von 1869 zurückgreift. Petipa bestellte dazu eine Komposition bei dem aus Österreich stammenden Komponisten Ludwig Minkus, der in Russland damals eine Art Hofkomponistenstelle einnahm. Geliefert hat Minkus eine ziemlich schmetternde Jahrmarktsmusik, aber von so mitreißendem Feuer, dass auch im Publikum mitgewippt wird.

Marcia Haydée hat die Geschichte des Don Quixote, der von altem Rittertum, von Ehre und Gerechtigkeit träumt, wohltuend gekürzt und viele Szenen erfrischend neu in Tanz umgesetzt. In den Kernszenen behält sie die Choreografie von Petipa bei.

Dabei nutzt sie das Temperament der jungen Tänzer, um Gruppenszenen besonders abwechslungsreich zu gestalten. Überall hat sie kleine Gags eingebaut. Da ist die Dorfjugend, die leicht zur Rudelbildung neigt - weil sie der schönen Gastwirtstochter Kitri ein Stelldichein mit dem geliebten Basilio ermöglichen will, ohne dass der Vater gleich wieder zetert. Da sind die stolzen Toreros und die feurigen Gitanos, deren Anführer von Diego de Paula eindrucksvoll getanzt wird. Als Liebespaar ragen Thamiris Prata und Cicero Gomes aus dem Ensemble heraus - besonders im großen Pas de deux können sie ihr tänzerisches Können, anmutige Präzision, elegante Linie und bemerkenswerte Sprungkraft darstellen.

In Marcia Haydées Neufassung des Balletts ist auch Don Quixote noch ein junger Mann, der tanzend ins Geschehen eingreift. Joca Antunes gibt ihm eine poetisch-altmodische Eleganz. Bruno Veloso gewinnt als treuer Sancho Pansa mit teils drolligen, teils aber auch hochkarätigen Einlagen die Sympathie des Publikums.

In seiner Traumwelt begegnet Don Quixote einem virtuosen Amor, der ihn endlich auch seinem weiblichen Ideal, der ätherischen Dulcinea im Kreis ihrer Nymphen näherbringt - und dem Publikum so auch gleich einen "weißen Akt" beschert.

Die junge Compagnie aus Brasilien hat nicht die technische Brillanz der traditionsgestählten Kollegen aus St. Petersburg, aber sie verfügt über einen eigenständigen Ausdruck, große Hingabe und mitreißendes Tanztemperament.

Wichtige Unterstützung kam von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, die unter dem Dirigat von Christoph Gedschold diesen Schwung musikalisch aufnahm und mit hoher Präzision weiterdrehte.

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