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Gesamtkunstwerk über die Liebe und das Leben
17.04.2018 - 00:00 Uhr
Von Nike Luber

Wiedersehen macht Freude. 35 Jahre nach der Uraufführung 1983 kehrte Germinal Casados Ballett zu Carl Orffs "Carmina Burana" auf die Bühne des Badischen Staatstheaters Karlsruhe zurück. Und erwies sich als umwerfend mitreißendes Spektakel, tänzerisch wie musikalisch.

Giulio Ragnoli, der Lebenspartner des vor zwei Jahren verstorbenen Choreografen Casado, hätte die Rechte an dessen Choreografie zu "Carmina Burana" niemand Besserem schenken können als Birgit Keil. Sozusagen die Nachnachfolgerin Casados als Direktorin des Karlsruher Balletts verfügt Keil über eine hervorragende Compagnie, die sich auf Casados unverkennbaren Tanzstil einstellen konnte. Als wesentliche Zugabe kommen in der Neuauflage die Badische Staatskapelle, der Badische Staatsopernchor und Extrachor sowie der Jugendchor Cantus Juvenum dazu, was diese "Carmina Burana" zu einem Gesamtkunstwerk macht.

Das Wiedersehen zeigte, dass Casados Ideen zu Orffs Musik zeitlos sind. "O Fortuna", die Anrufung der Schicksalsgöttin, rahmt die von Orff vertonte Sammlung mittelalterlicher Lyrik ein und inspirierte Casado zu einer ebenso einfachen wie passenden Ausstattung. Ein überdimensionales Speichenrad nimmt den Hintergrund der Bühne ein, auf der Bühnenfläche symbolisiert ein Kreis die Abhängigkeit des Lebens vom unermüdlichen Lauf des Schicksals.

In leuchtendem Rot, mit verbundenen Augen, treibt die blinde Fortuna die Menschen auf der Jagd nach dem Glück voran. Bruna Andrade tanzt die Fortuna kraftvoll, mit präzisen, auf die rhythmisch prägnante Musik abgestimmten Bewegungen. Sie vermittelt eindrucksvoll die Macht des Schicksals. Stets im Kreis um sie herum tanzt das Ensemble, wie gefangen in einem Kreislauf zwischen Hoffnung und Furcht.

In "Carmina Burana" geht es oft um die Liebe in all ihren Spielarten. Ein wunderbar zartes, inniges Duett geben Moeka Katsuki und Pablo Octávio in der Beschwörung des Frühlings. An ausgelassene Tänze in den Mai lassen die Lieder unter der Überschrift "Uf dem Anger" denken. Die Solisten und Ensemblemitglieder illustrieren überzeugend das muntere Flirten und die verspielten Neckereien zwischen Männern und Frauen. Augenzwinkernd tragen die Tänzerinnen die erstaunt tuenden Tänzer - sonst liegen im Ballett die tragenden Rollen doch stets bei den Herren. Eine Prise Folklore verleiht den Ensembletänzern zu Orffs Musik einen geradezu unschuldigen Charme.

Fröhliche, ungenierte Partnersuche

Gar nicht unschuldig geht es "In Taberna", also in der Kneipe, zu. Das verrät schon die Beleuchtung, und die kuttentragenden Mönche suchen ihre Erleuchtung in weltlichen Genüssen. Zhi Le Xu besticht durch ein grandioses, ausdrucksstark getanztes Solo. Im Zentrum der umher wirbelnden Mönche steht Andrej Shatalin, der diese Szene durch Präsenz mühelos beherrscht. Gekonnt ironisch fangen Pablo Octávio und das Ensemble den Geist des gebratenen Schwans ein, der sich bitter über sein Schicksal beklagt.

In "Cour d'amours" wird die höfische Minne beschworen. Ätherisch elegant getanzte Pas de deux stehen neben fröhlich ungenierter Partnersuche im Spiel der Liebe. Die Solisten und das Ensemble des Karlsruher Balletts geben die ohne Pause durchlaufende, schillernde Welt der "Carmina Burana" mit nie nachlassender Spannung.

Dabei werden sie musikalisch getragen von dem bestens einstudierten Opernchor. Geschickt positioniert hinter dem Gazevorhang mit dem aufgemalten Rad, vermittelt der Chor durchgehend klangschön die Wucht von Orffs Musik, aber auch die durchhörbaren, zurückgenommenen Lieder. Die Badische Staatskapelle unterstreicht den Farbenreichtum und die dezidierte Rhythmik der Musik. Souverän geben Agnieska Tomaszewska, Eleazar Rodrigues und Armin Kolarczyk die anspruchsvollen Soli. Auch der gelungene Auftritt von Cantus Juvenum wird gekonnt in das Bild integriert.

Für die Frische und das sprühende Temperament, das die Neuauflage der "Carmina Burana" ausstrahlt, muss man sich auch bei einer Reihe von "Altgedienten" bedanken. Neben Pierre Tavernier, der die Choreografie überwiegend aus seinem Gedächtnis abrufen und einstudieren konnte, sind das Aina Reijerink-Lagunilla für die Kostüme, Gerd Meier für die Beleuchtung und Ralf Haslinger für das Bühnenbild. Der Jubel des Premierenpublikums galt auch ihnen.

Die Vorstellungen bis zu den Theaterferien im Sommer sind fast ausverkauft, aber vielleicht hält das Wiedersehen mit den "Carmina Burana" ja bis in die nächste Spielzeit an?

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