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Wertevermittlung ab der siebten Klasse
Ist Ethik für Schüler ein Abenteuer? Der Unterricht soll jedenfalls ausgebaut werden. Foto: dpa
16.05.2018 - 06:45 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart - Jahrelang haben CDU-Bildungspolitiker im Landtag ihre Zurückhaltung gegenüber dem Fach Ethik damit begründet, dass der Religionsunterricht nicht zurückgedrängt werden dürfe. Vor zwei Jahren im Koalitionsvertrag mit den Grünen stimmte die Union dennoch einem Ausbau zu.

Jetzt hat Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) ihre Pläne vorgelegt. Ab dem Schuljahr 2019/2020 wird die Wertevermittlung in allen siebenten Klassen beginnen. Im Endausbau kostet das Angebot 300 neue Deputate oder rund 21 Millionen Euro pro Jahr.

Er sei, bekennt Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), dem Thema sehr verbunden, weil er selber Ethik unterrichtet habe - "mit viel Freude" und mit einer klaren Zielsetzung. Einmal berichtete der Grüne, wie er damals am Hohenzollern-Gymnasium Sigmaringen seine Schüler fragte "Warum Demokratie statt Diktatur?". Da sei Stille eingetreten, weil "solche Fundamentalfragen viel zu wenig behandelt werden". Und über Religion, sagt Kretschmann gestern, würden Kinder und Jugendliche, die den entsprechenden Unterricht nicht besuchen, nur durch die Befassung mit literarischen Werken informiert, "die sie dann aber gar nicht verstehen". Kenntnisse darüber seien jedoch wichtig für alle, so der Regierungschef, der neben den Weltreligionen zwei weitere Eckpfeiler des Unterrichts nennt: Philosophie und gesellschaftliche Fragen der Lebensführung.

In den umstrittenen Nebenabsprachen zum Koalitionsvertrag, die eigentlich geheim bleiben sollten, war ein rascherer Ausbau geplant. Eisenmann erläutert aber, dass keine Bildungspläne vorgelegen hätten. Nach dem Einstieg in der siebten Klasse werden in den Folgejahren auch alle Klassen sechs und fünf in den Genuss des neuen Fachs kommen. Die Ausweitung auf die Grundschule muss noch warten, aus finanziellen Gründen und weil ebenfalls noch keine Bildungspläne vorliegen. Die Ministerin bekennt, sich durchaus einen schnelleren Ausbau vorstellen zu können, sollte es die notwendigen Mittel doch geben. Zurzeit lehren an weiterführenden Schulen bereits mehr als 1000 Pädagogen das Fach Ethik, vor allem im Gymnasium ab Klasse sieben.

Die Reaktionen auf die Neuerungen fallen unterschiedlich aus. Die FDP-Fraktion kritisiert die Verschleppung, weil nicht früher mit der Umsetzung des Vorhabens begonnen worden sei. "Für die demokratisch-plurale Gesellschaft ist der Ethikunterricht notwendig", äußert sich Dan Peter, Kirchenrat der Evangelischen Landeskirche Württemberg, grundsätzlich. Die SPD-Fraktion, die GEW oder der Verband Bildung und Erziehung (VBE) kritisieren, dass nicht im Primarbereich begonnen wird. "Denn dort brennt es eigentlich", so Landeschef (VBE) Gerhard Brand - allerdings weniger inhaltlich, sondern vor allem, weil die Aufsicht der Kinder, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, nicht geregelt ist.

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