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G9: Eltern wollen Druck machen
23.05.2018 - 00:00 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart - Seit zwei Monaten steht eine Petition online, mit deren Hilfe eine flächendeckende Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums in Baden-Württemberg durchgesetzt werden soll. Knapp 24000 Unterstützer haben unterzeichnet, und das Anliegen wurde an alle Abgeordneten des Landtags überstellt. Nach den Pfingstferien starten die Initiatoren eine neue Öffentlichkeitsoffensive.

Wie reagieren die Landtagsfraktionen?

Zahlreiche FDP-Abgeordnete haben den Petenten bereits geantwortet, außerdem mehrere AfD-Parlamentarier und der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Gernot Gruber. "Folgendes Argument ist nicht von der Hand zu weisen: Mit Realschulen, Gemeinschaftsschulen oder sechs Jahre Gymnasium existiert auch die Möglichkeit, auf den beruflichen Gymnasien eine individuelle G9-Variante zu wählen", schreibt der Sozialdemokrat, um zu begründen, warum er weder für noch gegen die Petition ist. Und er argumentiert auch mit dem "Rückenwind der Wählerinnen und Wähler", der gefehlt habe. Die SPD hatte in der vergangenen Legislaturperiode im Kompromiss mit den Grünen G9 an 44 Standorten vereinbart und im Wahlkampf 2016 eine Ausweitung versprochen, stürzte aber auf 12,7 Prozent der Stimmen ab. Die FDP-Abgeordneten, darunter auch Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke, sind gegen eine Rückkehr. "Die FDP war an der Einführung des achtjährigen Gymnasiums in Baden-Württemberg maßgeblich beteiligt, und wir stehen nach wie vor zu G8", heißt es in der Begründung. Die AfD-Abgeordneten befürworten das Anliegen und wollen auch einem entsprechenden Antrag zustimmen, allerdings mit dem etwas kryptischen Zusatz "wenn sich genügend andere Vertreter finden".

Wie stehen die Chancen für die Rückkehr zu G9?

Grüne und CDU haben sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, den in der vergangenen Legislaturperiode gestarteten Versuch an eben jenen 44 Standorten weiterzuführen und im Übrigen "G8 so weiterzuentwickeln, dass Schülerinnen und Schüler besser und intensiver individuell gefördert werden können". Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hat erst bei der jüngsten Regierungspressekonferenz einer Ausweitung des G9-Angebots eine Absage erteilt und ebenfalls mit jenen Schulformen argumentiert, die das achtjährige Gymnasium ergänzen und den neunjährigen Weg zum Abitur ermöglichen.

Warum erkennen die am G9 interessierten Eltern die Alternative nicht an?

"Wir akzeptieren den neunjährigen Weg über die Realschule und das berufliche Gymnasium nicht als Alternative zum G9 am allgemeinbildenden Gymnasium", schreibt Corinna Fellner, eine der Initiatorinnen, in ihrem Offenen Brief an die Ministerin. Es sei nicht "einzusehen, dass Kinder mit klarer Gymnasialempfehlung diesen Umweg wählen sollten, um einer Woche mit bis zu 40 Schulstunden und den anderen Nachteilen des G8 zu entfliehen". Fellner führt aber auch die "Wertigkeit der beiden Abschlüsse" ins Feld, die lediglich "auf dem Papier" stehe. Diese Kritik hat die Debatte um die schnellere oder langsamere Variante zum Abitur von Anfang an begleitet. Marianne Schultz-Hector (CDU), die einstige Kultusministerin, die den damals von Arbeitgeberverbänden und Unternehmen beklatschten Einstieg in die Schulzeitverkürzung verantwortet, wollte G8 und G9 parallel anbieten. Viele Eltern kritisierten allerdings, das Abitur nach neun Jahren werde auf dem Arbeitsmarkt und an den Unis als zweitklassig angesehen, und sprachen sich deshalb vehement für G8 aus.

Wie geht es weiter?

In der ersten Woche nach den Pfingstferien wollen die Initiatoren in Stuttgart den ersten Schwung Unterschriften überreichen. Unterzeichnet werden kann noch gut 120 Tage. Die Latte liegt hoch. "Ein Lehrer = 25 Kinder = 50 Elternteile, es gibt circa 370 allgemeinbildende Gymnasien, und dort werden circa 300000 Schüler unterrichtet", heißt es auf der Homepage der Petenten. Und: "Wie viele Elternteile können wir hiervon mobilisieren?"

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