http://www.ausbildungsmesse-baden-baden.de/
Kulinarisches mit Hintersinn
Hinterglasmalerei, der man nicht trauen kann: Die einfach erscheinenden Stillleben von Jan Kummer im Toni-Merz-Museum lassen sich wunderbar subversiv deuten. Foto: Braxmaier
07.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Rainer Braxmaier

Um die Bilder von Jan Kummer verstehen zu können, ist es vielleicht von Nutzen, sich die Musik anzuhören, die der 1965 in Weimar geborene Künstler, mit seiner Projektgruppe "AG Geige" in den achtziger Jahren in Karl-Marx-Stadt gemacht hat: Avantgardistischer Sprechgesang mit der notwendigsten elektronischen Untermalung und Texten, die ironisch mit den Träumen und Bedürfnissen der Jugend spielte. Diese Tradition setzte sich fort, denn zwei Söhne der "AG Geige"-Gründer Jan und Ina Kummer sind heute tragende Figuren der berühmten Band Kraftklub aus Chemnitz, wie Karl-Marx-Stadt seit der Wende wieder heißt. Vater Jan Kummer hat sich bald einen neuen Schwerpunkt gesucht, und widmet sich seit 1999 der Hinterglasmalerei.

"Glas und Glitzer" heißt die Ausstellung, mit der er nun sein Debüt im Südwesten der Republik feiert, im Toni-Merz-Museum in Obersasbach, vermittelt durch Ausstellungskurator Rainer Beck aus Dresden. Und über die Zeitgrenzen und Methoden der Kunstausübung zeigt der Künstler, wie treu er seinen Prinzipien stets geblieben ist. Der großen Kunst nähert er sich durch die Hintertür mit einem naiven Pathos, das sich im Gewand der Volkskunst zeigt, aber seinen Titeln darf man nie ganz trauen, egal, ob sie "Das gute Leben" heißen oder bloß "Gummi" und "Küche". Die Sujets, die Kummer benutzt, geben sich harmlos und traditionell, es sind Stillleben, Porträts oder Figurenbilder. Das größte Bild "Post" zeigt in knappem Bildausschnitt zwei Herren, die viele Briefe lesen - aber nur leere rosa Blätter in Händen halten. Ein wunderbares Assoziationsfeld für subversive Deutungen, vielleicht auch nur zwei harmloser Zeitgenossen, die nichts zu lesen haben.

Die von Jan Kummer benutzte seltene Technik der "Eglomisierung" (Hinterglasmalerei) unterstützt seine Botschaften des Nichts: Klare, übersichtliche comicartige Zeichnung mit opaken Flächenausmalungen oder Collagen; die Zeit wirkt wie angehalten, vor allem auf den Tellern, Schüsseln oder Gläsern - manchmal verbirgt sich die kulinarische Kostbarkeit auch in geöffneten Konservendosen, die mit kyrillischen Schriftzeichen seitenverkehrt beschriftet sind. Wer sich die Mühe macht, kann vielleicht "Kartoffelpuffer" oder "Tomatensaft" entziffern und hat davon auch keinen Erkenntnisgewinn. Aber der Genuss der Kunst Jan Kummers besteht in ihrer Doppelsinnigkeit, wenn es dem Betrachter gelingt, sich unverhohlen der Schönheit seiner Bilder auszusetzen.

Zu sehen bis 15. Juli, leider nur an Sonn- und Feiertagen.

BeiträgeBeitrag schreiben 
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen bietet eine Sprechstunde für Bürger per WhatsApp an. Finden Sie so ein Angebot sinnvoll?

Ja, das sollten mehr Politiker tun.
Nein.
Ich habe die Möglichkeit schon genutzt.
Ich habe kein WhatsApp.


Wetter in Mittelbaden


Facebook


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1