Strobl: Ins Gelingen verliebt
14.06.2018 - 06:28 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart - "Wir haben die Komfortzone verlassen und wollen die beste Bildungscloud der Republik bekommen", sagt Innenminister Thomas Strobl (CDU), der auch für die Digitalisierung zuständig ist. Das am Finanzvolumen gemessen größte Projekt der ganzen Legislaturperiode hängt allerdings in massiven Schwierigkeiten fest. Jetzt prüft Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), ob "ella", die 2015 beschlossene digitale Bildungsplattform für alle Schulen, doch noch in absehbarer Zeit an den Start gehen kann.

Was muss die Bildungscloud können?

Die Latte liegt hoch, und das bereits seit Ende der vergangenen Legislaturperiode. Die damaligen SPD-Minister Nils Schmid (Finanzen) und Andreas Stoch (Kultus) hatten die Einführung einer "zentralen, sicheren und landesweit verfügbaren digitalen Bildungsplattform" für alle 4200 Schulen im Land angekündigt, "einen guten, strukturierten Speicherort für Lehr- und Lernmaterialien schaffen und eine digitale Plattform für den pädagogischen Einsatz von neuen Medien zur individuellen Förderung und Inklusion von Schülerinnen und Schülern aufbauen" wollen. Jetzt machte Strobl in einer Aktuellen Debatte im Landtag klar, dass die grün-schwarze Koalition in der Umsetzung ausdrücklich nicht Modelle aus anderen Ländern kopieren wird. "Wir sind ins Gelingen verliebt", so der Digitalisierungsminister, "und wir wollen Pionierarbeit für ganz Deutschland leisten." Damit Baden-Württemberg an der Spitze stehe.

Was ist bisher schiefgelaufen?

Nach Meinung vieler Fachleute, die im Netz auf einschlägigen Portalen über die "ella"-Verzögerungen diskutieren, haben sich die Verantwortlichen zu viel vorgenommen. Es seien zu viele unterschiedliche Subunternehmer beteiligt und, wie auch die Opposition im Landtag kritisiert, Strobl und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hätten das Thema Kontrolle vernachlässigt. "Sie haben sich wie eine private Bauherrin verhalten, die sich ein Haus bauen lässt, aber erst am Tag des Einzugs zum ersten Mal die Baustelle betritt und sich dann wundert, dass das Haus nicht steht", griff Timm Kern, der FDP-Bildungsexperte, Eisenmann auch persönlich an. Beide Minister hätten "dieses für die Bildung so wichtige und zudem teure Projekt zur Chefsache machen müssen". Jetzt aber führe "die organisierte Verantwortungslosigkeit dieser Landesregierung" dazu, dass die Schulen in Baden-Württemberg bis auf absehbare Zeit nichts anderes erwarten könnten als "digitale Hiobsbotschaften". Veranschlagt waren 28,7 Millionen Euro. 8,7 Millionen davon sind auch nach Meinung von Stefan Fulst-Blei (SPD) bereits in den Sand gesetzt. "Niemand ist trauriger als wir und ungeduldiger als wir, wenn es nicht klappt", konterte Strobl.

Wie reagieren Betroffene?

Die rund 120000 Lehrkräfte im Land hätten bereits in absehbarer Zeit und nach dem inzwischen gestoppten Probelauf an 100 Schulen mit "ella" arbeiten sollen. Die "Kreidezeit" sei aber nicht beendet worden, so der Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Matthias Schneider, in Anspielung auf einen Lieblingsspruch von Strobl - und in Reaktion auf das im Kultusministerium in Auftrag gegebene Gutachten zum Stand der Dinge. Darin wurde eine Fortführung der bisherigen Planungen vorgeschlagen - allerdings ohne Zeitplan -, oder alternativ eine Rückabwicklung und Neuausschreibung des Projekts. Massiv kritisiert wird auch die komplizierte Technik und die, wie IT-Experten sagen, "rudimentären Maßnahmen zur Qualitätssicherung".

Wie geht es weiter?

Eisenmann hat im Landtag "weitgehende Transparenz" versprochen. In vier Wochen solle es erste Entscheidungen dazu geben, ob die bisherigen Partner "ella" weiterentwickeln oder eine Neuausschreibung stattfindet. Sozialdemokraten und Liberale verlangen eine Überprüfung durch den Rechnungshof. Beide Oppositionsfraktionen drohen, gegebenenfalls einen Untersuchungsausschuss zu beantragen.

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