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"Bauhaus ist viel mehr"
28.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Magdalena Hechtel

uf den ersten Blick hat das argentinische Nationalmuseum für Dekorative Kunst (MNAD) so gar nichts mit dem Bauhausstil gemeinsam. Mit seinen Säulen, den Balkonen und den riesigen Fenstern wirkt das Anfang des 20. Jahrhunderts gebaute Gebäude fast schon pompös. Ungeachtet der gewaltigen Unterschiede beherbergt es nun eine Wanderausstellung über den eher minimalistisch geprägten Bauhaus-Stil. "Mit der Ausstellung verlassen wir schon etwas unsere Komfortzone", sagte Museums-Direktor Martín Marcos. Nach Buenos Aires zieht die Ausstellung nach Mexiko-Stadt und Karlsruhe.

Die Bauhaus-Schule wurde 1919 als "Das staatliche Bauhaus von Weimar" von dem Architekten Walter Gropius gegründet. Dessen Grundidee war es, Kunst und Handwerk miteinander zu verbinden. Das Bauhaus sollte Prototypen für die industrielle Serienproduktion liefern, neues Design für die breite Masse, war die Devise.

Sinnbildlich dafür steht in der Ausstellung der silberglänzende Aschenbecher, dessen Loch die Form eines mit der Spitze nach unten zeigenden Dreiecks hat. Oder die Kaffeemaschine, die wie eine riesige Sanduhr aussieht. Doch Kurator Boris Friedewald will weg von den Designobjekten und das Bauhaus ganzheitlich betrachten. "Mir war wichtig, die Vielfalt, die Vielschichtigkeit des Phänomens Bauhaus zu zeigen", sagte er. "In Deutschland gibt es klare Vorstellungen vom Bauhaus, von puristischem Design und minimalistischer Architektur. Doch das Bauhaus war so viel mehr."

Deshalb rückt die Ausstellung den Gemeinschaftsaspekt in den Mittelpunkt. Friedewald spricht von einer "Lebensgemeinschaft". Davon zeugen Fotos von Vorträgen und Diskussionen nach Schulschluss ebenso wie die von Partys oder vom Nacktbaden. Solche für die damalige Zeit ungeheuerlichen Vorgänge sorgten für Kritik. Weil ihr von der Politik die finanzielle Unterstützung gestrichen worden war, musste die Schule 1925 nach Dessau umziehen. 1932 verließ sie Dessau, aus politischen Gründen, in Richtung Berlin. Ein Jahr später wurde das Bauhaus auf Druck der Nationalsozialisten endgültig geschlossen.

Dass es dennoch bis heute weltweit bekannt ist, verdankt das Bauhaus seiner Internationalität, die von Beginn an eine zentrale Säule des Konzeptes war. In New York und Amsterdam gab es Verkaufsstände für die Produkte der "Bauhäusler" und die erste Ausstellung der Schule fand im indischen Kalkutta statt. Nach ihrer Schließung 1933 verließen viele der Schüler Deutschland und ließen sich im Ausland nieder. Ihre Spuren finden sich deshalb auf der ganzen Welt. In Tel Aviv befindet sich eine der größten Bauhaus-Siedlungen der Welt, aber auch in der argentinischen Stadt Mar del Plata gibt es ein von dem jüdisch-ungarischen Bauhaus-Architekten Marcel Breuer entworfenes Gebäude. Kurator Friedewald will Künstler und Kuratoren animieren, von ihrer landesspezifischen Art von Modernität zu erzählen. Die Ergebnisse der im Rahmen der Ausstellung stattfindenden Workshops und Diskussionen sollen an den zukünftigen Stationen gezeigt werden. Die Schau läuft bis Mitte August in Buenos Aires; von Oktober bis Dezember ist sie in Mexiko-Stadt zu Gast und ab 26. Oktober 2019 im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe.

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