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Das Millionenspiel
30.06.2018 - 00:00 Uhr
Von Volker Neuwald

Baden-Baden - Nach oben gibt es offenbar kein Halten mehr: Wird das Besucher- und Informationszentrum des Nationalparks am Ruhestein am Ende 40 Millionen Euro, 45 Millionen oder sogar mehr als 50 Millionen kosten, wie kolportiert wird? Es ist griffig, schlicht von einer Verdopplung der Baukosten zu sprechen - doch zur Bewertung ist eine differenzierte Betrachtung notwendig.

Reine Baukosten: Im Haushalt 2015/16 waren die Gesamtbaukosten (Besucherzentrum inklusive Verwaltungsbau) nach Auskunft des Finanzministeriums mit 20,5 Millionen Euro brutto fixiert. 2016 wurden sie um zwei Millionen Euro erhöht. Vor wenigen Tagen räumte Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) ein, dass nochmals 13 Millionen Euro obendrauf gepackt werden müssen. Sie nannte unter anderem die "überhitzte Situation in der Baubranche" und nachträglich veränderte Anforderungen an den Bau als Hauptgründe. 35,5 Millionen Euro soll das Projekt jetzt kosten. Auf BT-Anfrage untermauerte das Ministerium die Äußerungen mit weiteren Detailzahlen. Der Rohbau hatte demnach ein Budget von 2,17 Millionen Euro. Alle Angebote lagen darüber. Vergeben wurde der Auftrag für rund 2,87 Millionen Euro. Die Schindelfassaden hatten ein Budget von 760000 Euro. Vergeben wurde der Auftrag für rund 1,3 Millionen Euro. "Hierbei hat neben der aktuellen Marktlage vor allem die Vorgabe, heimisches Holz zu verwenden, das Ergebnis beeinflusst", so die Pressestelle des Ministeriums. Der konstruktive Stahlbau hatte ein Budget von 5,02 Millionen Euro. Vergeben wurde der Auftrag zu rund 6,76 Millionen Euro. "Das hohe Ausschreibungsergebnis führen wir insbesondere auf die aktuelle Marktlage und die Vorgaben zurück, weitgehend in Holz zu bauen und heimische Weißtanne zu verwenden." Rund 70 Prozent der Bauleistungen (rund 17,7 Millionen Euro) sind vergeben. Für die restlichen 30 Prozent (Heizung/Lüftung/Sanitär, Elektro, Fensterarbeiten und Innenausbau) werden die Budgetansätze angepasst.

Öffentliche Erschließung: Dazu gehören Wasser, Abwasser, Strom und Datenleitungen. Bei den Baukosten waren sie nicht eingerechnet worden. Ob absichtlich oder aus Versehen, sei dahingestellt. Nach scharfer Kritik des Bundes der Steuerzahler 2017 verteidigte sich das Finanzministerium damit, dass die Kosten vorab nicht hätten präzise berechnet werden können. Vier Millionen Euro mussten investiert werden.

Parkplätze: Von 300 Plätzen am Besucherzentrum war 2016 erstmals öffentlich die Rede, weitere zwei Millionen Euro an Kosten nannte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) im Juli bei einem Besuch auf dem Ruhestein. Auch diese Zahl ist vorher nicht öffentlich kommuniziert worden.

Ausstellung: Auf 1000 Quadratmetern entsteht eine Dauerausstellung, die mit modernsten technischen Mitteln jeden Besuch zum Erlebnis werden lassen soll. Zusammen mit der Inneneinrichtung sind dafür drei Millionen Euro geplant. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert die Dauerausstellung mit 972000 Euro.

Herrenwies: Der alte Ross-Stall in Herrenwies soll zum Nationalparkhaus samt einem "Haus für pädagogische Zwecke" umgebaut werden. Kosten: rund zwei Millionen Euro. Die Summe wird heute in Medienberichten gern in die Gesamtkosten für das Besucherzentrum eingerechnet, hat mit dem Ruhestein-Projekt aber eigentlich nichts zu tun. Laut Ministerium befindet man sich noch in der Planung, Ausschreibungen sind nicht erfolgt. 2019 soll Baubeginn sein.

Risikopuffer: Er beläuft sich aktuell auf 3,43 Millionen Euro und musste laut Ministerium noch nicht angetastet werden.

Fazit: Rechnet man die Positionen (ohne Risikopuffer und Herrenwies) zusammen, kommt man folglich auf geschätzte Gesamtkosten von 44,5 Millionen Euro.

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