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Ausnahme oder Anfang einer Neuordnung?
12.07.2018 - 06:47 Uhr
Karlsruhe/Rastatt/Baden-Baden (fk/lsw) - Streng genommen handelt es sich nur um ein Stück Stoff im Wind - und trotzdem steht das Hissen von Flaggen für einige der bedeutendsten Momente der Geschichte: Die Rote Fahne auf dem Reichstag etwa oder die US-Flagge auf Iwo Jima. Eine Flagge verkörpert unzweifelhaft Identität und Historie. Das findet auch der Vorsitzende der Landesvereinigung Baden in Europa, Robert Mürb. Mit entsprechend viel Freude verfolgte er deshalb, wie gestern auf dem Karlsruher Landesmuseum wieder die badische statt der Landesflagge gehisst wurde.

Der nächste Schritt in einem kuriosen - und für Unbeteiligte sicher auch absurden - Streit über das korrekte Banner auf der Landeseinrichtung in Karlsruhe. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) selbst hatte für die Dauer der im Landesmuseum gezeigten Revolutionsausstellung eine Ausnahmeregelung von der Flaggenverordnung genehmigt. Denn die sieht eigentlich vor, dass auf Landesgebäuden nur die Fahnen Baden-Württembergs, Deutschlands und Europas wehen dürfen.

Der Streit hatte sich an einer roten Fahne entzündet, die das Museum im Frühjahr anlässlich der Revolutionsausstellung gehisst hatte. Nachdem sich ein Bürger am revolutionären Symbol auf der ehemaligen Residenz der badischen Markgrafen gestört hatte, veranlasste das Staatsministerium das Abhängen der Fahne. Auch die badische Flagge, die zuvor über Jahre unbehelligt im Wind geflattert hatte, durfte nicht mehr auf den Turm.

Das hatte einen Proteststurm entfacht und Museumschef Eckart Köhne gezeigt, "wie viel revolutionäres Potenzial noch immer in den Badenern steckt". Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) nannte die Einmischung aus Stuttgart einen "kleinlichen Akt mangelnder Souveränität", eine Online-Petition hatte innerhalb einer Woche 11666 Unterstützer. Initiator Torsten Furrer sieht nun seine Mission erfüllt und hat die Petition beendet. Er hofft auf eine dauerhafte Lösung, genau wie Mürb.

Letzterer verdeutlichte im BT-Gespräch: "Auf badischen Residenzen und Schlössern muss auch die badische Flagge wehen dürfen - und zwar als Hauptflagge. Wir werden in den nächsten Tagen an die Landesregierung herantreten und genau das für die bevorstehende Überarbeitung der Flaggenverordnung fordern." Die Bauten in Karlsruhe, aber auch das Rastatter Schloss sowie das Alte Schloss in Baden-Baden hätten historische Bedeutung als Orte der badischen Geschichte, und das müsse auch deutlich werden.

Am Rastatter Schloss ändert sich aber nichts. Dort gibt es seit vielen Jahren vier gleichgestellte Fahnenmasten, an denen jeweils zwei badische und zwei Landesflaggen wehen. "Das bleibt auch so", machte der Geschäftsführer der staatlichen Schlösser und Gärten, Michael Hörrmann, deutlich. Zugleich unterstrich er aber: "Auf ein Landesgebäude gehört in jedem Fall die Landesflagge." Die badische Flagge könne als Zusatz wehen. Um weitere Streitpunkte zu unterbinden, installiert die Schlösserverwaltung auf dem Alten Schloss in Baden-Baden gerade einen zweiten Mast, so dass dort in Zukunft beide Flaggen gehisst werden können - bisher wehte dort nur die Badische, da es sich um eine Ruine und keinen Behördensitz handele, so Hörrmann.

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