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Chaos-Tag an den Flughäfen
10.08.2018 - 00:00 Uhr
Frankfurt/Rheinmünster (dpa/vo) - Der Pilotenstreik bei Ryanair in mehreren europäischen Ländern trifft heute rund 55 000 Passagiere - davon 42000 allein in Deutschland. Die irische Gesellschaft hat jeden sechsten ihrer rund 2400 geplanten Europaflüge abgesagt, weil in Deutschland, Belgien, Schweden, Irland und den Niederlanden die jeweiligen Pilotengewerkschaften ihre Mitglieder zu 24-Stunden-Streiks aufgerufen haben. Am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) hingegen sollen alle Ryanair-Flüge wie geplant stattfinden.

Fluggäste aus Baden-Württemberg scheinen Glück zu haben: Sie seien nicht vom Streik betroffen, teilte Ryanair gestern mit, weil die Piloten der einzigen Maschine in Baden-Baden sich nicht an dem Streik beteiligen. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass es am Baden-Airport zu erheblichen Verzögerungen bei Flügen des Billiganbieters kommt. Bereits gestern Vormittag hatte eine Maschine nach Palma de Mallorca rund sechs Stunden Verspätung, auch Passagiere nach Sevilla mussten am Nachmittag auf ihren Flug nahezu zwei Stunden lang warten.

Die Auswirkungen des auf 24 Stunden begrenzten Streiks werden an den deutschen Flughäfen voraussichtlich vor allem am frühen Morgen und ab dem Nachmittag zu spüren sein. So wurde beispielsweise an der größten deutschen Ryanair-Basis in Frankfurt-Hahn das komplette Frühprogramm für gestrichen. Der Hunsrück-Flughafen Hahn hatte gestern Vormittag auf seiner Webseite fünf Flugstreichungen gezeigt, die Flüge aber später ganz vom angezeigten Plan heruntergenommen.

Gleichwohl soll es an deutschen Flughäfen Starts und Landungen von Ryanair-Maschinen geben, die dann aus nicht bestreikten Ländern kommen. Rund ein Drittel der deutschen Passagiere werde so bedient, hat das Unternehmen angekündigt. Die von den Flugabsagen betroffenen Kunden sollten individuell informiert werden. Sie können umbuchen oder den Flugpreis zurückerhalten. Darüber hinausgehende Entschädigungen will die Airline nicht bezahlen.

Ryanair habe offenbar mit massiven Ausfällen gerechnet und daher lieber gleich das gesamte Programm der deutschen Crews abgesagt, erklärte ein Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) in Frankfurt. Das sei für das Unternehmen offenbar einfacher zu behandeln. Am Samstag soll der Betrieb wieder wie gewohnt laufen, hatte Ryanair angekündigt. Der Streik endet offiziell um 2.59 Uhr. Weitere Arbeitskämpfe hat die VC nicht ausgeschlossen, will sie aber weiterhin mit einem Vorlauf von mindestens 24 Stunden vorher ankündigen.

In den Niederlanden versuchte das Ryanair-Management gestern kurzfristig, aber erfolglos, den dort geplanten Pilotenstreik mit juristischen Mitteln zu verhindern. Gegen die deutsche Gewerkschaft hatte man hingegen auf juristische Schritte verzichtet.

Die abgestimmte Aktion ist der bislang größte Pilotenstreik in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas, die erst seit Ende 2017 Gewerkschaften anerkennt. Vor zwei Wochen hatten zudem Flugbegleiter in Portugal, Spanien und Belgien über zwei Tage zusammen rund 600 Flüge mit knapp 100000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen. Unter den europäischen Piloten haben bisher einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ryanair hatte daraufhin den Abzug von sechs Jets samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen angekündigt.

Gewerkschaften und Ryanair beschuldigen sich gegenseitig, die seit rund sechs Monaten laufenden Verhandlungen zu blockieren. Die VC will bei der irischen Gesellschaft erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren und zieht dafür andere Fluggesellschaften als Muster heran. In den Vorschlägen sind zahlreiche Details etwa zu Dienstzeiten, Versetzungen oder Fixanteilen des Gehalts enthalten.

Ryanair hingegen verweist auf vergleichsweise hohe Endgehälter ihrer Kapitäne und Copiloten. Das Unternehmen will demnach keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept infrage stellen würden.

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