http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Mühlacker: Eine Grenze, zwei Bahnhöfe, drei Uhrzeiten
11.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Stefan Jehle

Mühlacker - 1863 wurde der Ort Mühlacker zum Grenzbahnhof zwischen Württemberg und Baden: 155 Jahre liegt das nun zurück, als die damals neue Strecke - die heute "Residenzbahn" genannt wird - über Pforzheim und Durlach beide Bahnnetze verband. Matthias Lieb befasst sich schon seit Jahren mit der Geschichte des Bahnverkehrs in seiner Heimatstadt. Besonders kurios: Einst durchfuhr die Bahn zwischen Stuttgart, Pforzheim und Karlsruhe drei Zeitzonen.

Alles gab es mit dem Gleisbau nach Baden doppelt: Am württembergischen Durchgangsbahnhof wurde ein badischer Kopfbahnhof angebaut. Das heutige Gleis 50 sei "der letzte Rest des badischen Bahnhofs", erzählt Lieb. Am Grenzbahnhof wurden alle Anlagen zweifach gebaut, auch Bahnsteige und Lokschuppen. Das in Mühlacker notwendig werdende Umsteigen von der Württembergischen Staatsbahn in die Badische Staatsbahn und umgekehrt war damals noch inbegriffen.

In Zeiten, in denen viel über Pünktlichkeit im Bahnverkehr diskutiert wird, ist die Episode mit den drei Zeitzonen besonders kurios: Während noch vor dem Bau der ersten Eisenbahnen ab den 1840er Jahren jede Gemeinde ihre jeweilige Ortszeit hatte, ausgerichtet nach Sonnenstand, musste mit der Einführung minutengenauer Fahrpläne eine einheitliche Zeit eingeführt werden.

Der Sitz der Bahnverwaltung gab die Uhrzeit vor: In Württemberg fuhren die Züge nach der Stuttgarter Uhr, in Baden nach der Karlsruher Uhr. Der Zeitunterschied betrug drei Minuten. Kam ein württembergischer Zug aus Stuttgart um 12 Uhr an, zeigte die Uhr am badischen Bahnsteig erst 11.57 Uhr. Die Ortszeit an dem 1853 eröffneten Bahnhof in Dürrmenz-Mühlacker, der ab 1863 Anschluss erhielt an das badische Pforzheim und Durlach, lag dabei exakt in der Mitte des Streckenverlaufs.

Heute wäre eine solche Zeitzonen-Einteilung undenkbar, sagt Lieb. Erst 1892 gab es eine einheitliche "Eisenbahnzeit" für Süddeutschland, und 1893 die Einführung der "Mitteleuropäischen Zeit" (MEZ; englisch Central European Time, CET) durch ein Gesetz auf Reichsebene.

Über diese Besonderheiten der Eisenbahngeschichte Mühlackers hatte Matthias Lieb, der seit 2004 Landesvorsitzender des alternativen Verkehrsclubs VCD ist, bei Führungen vor Ort mit Startpunkt Bahnhof berichtet. Das Interesse war riesengroß.

Die heutige Stadt Mühlacker dürfte auch die einzige Stadt sein, die den Namen ihres Bahnhofs angenommen hat. Das Dorf Dürrmenz, das 1853 einen eigenen Bahnhof namens Mühlacker erhielt, erlebte durch den Anschluss an die württembergischen und badischen Bahnnetze einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung: 1930 wurde Dürrmenz-Mühlacker zur Stadt erhoben - fortan unter dem Namen Mühlacker. Die bereits 1853 in Betrieb genommene Württembergische Westbahn, die in Bietigheim-Bissingen startete und ebenfalls über Mühlacker verlief, wurde gemäß einem Staatsvertrag zwischen beiden Ländern von 1850 auf voller Länge bis Bretten und zur Endstation in Bruchsal, also auch auf badischem Gebiet, von den Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen betrieben.

BeiträgeBeitrag schreiben 
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen bietet eine Sprechstunde für Bürger per WhatsApp an. Finden Sie so ein Angebot sinnvoll?

Ja, das sollten mehr Politiker tun.
Nein.
Ich habe die Möglichkeit schon genutzt.
Ich habe kein WhatsApp.


http://www.karlsruhe.ihk.de/handelsregister
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1