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Eleganz mit klaren Kanten
18.08.2018 - 00:00 Uhr
Von Hans-Peter Schwanke

ls "Jammerstock" waren die neuen Wohnzeilen in Karlsruhe verschrienen. Auf viele Zeitgenossen wirkten sie als Teil des nahen Güterbahnhofs. Doch immerhin fanden 50 000 Besucher den Weg in die Mustersiedlung, welche im Oktober 1929 eröffnet wurde. Damit verbunden war die Ausstellung "Dammerstock-Siedlung. Die Gebrauchswohnung". Sie zeigte 30 modern eingerichtete Kleinwohnungen. Walter Gropius konzipierte die Planung nach den Prinzipien des "Neuen Bauens". Die typisierten Zeilen legte er in Nordsüdrichtung an und versah die Geschosswohnbauten mit Flachdächern, Fensterbändern und weißem Putz. Dank rationaler, mit Ziegelhohlsteinen gefüllter Stahlrahmenbauweise waren die Riegel in sieben Monaten vollendet. Heute noch ist das zentrale Viertel im Grünen eine beliebte Wohngegend.

Karlsruhe blieb der Innovation treu: An die Gedanken spartenübergreifender Gestaltung knüpft heute das ZKM bewusst an und verbindet seit 1989 Neue Medien mit bildenden Künsten. Im nächsten Jahr möchte es dem Bauhaus-Geist mit der Virtual-Reality-Installation "Bauhaus-Spirit - Das totale Tanz-Theater" auf die Spur kommen.

Ohne Zweifel empfing Baden Anregungen aus Württemberg. Bereits 1927 entstand in Stuttgart nach einem von Mies van der Rohe konzipierten Plan die Weißenhofsiedlung. Sie gilt als Vorläufer der Dammerstock-Siedlung. Doch im Weißenhofquartier ging es unter gleichen stilistischen Vorzeichen mehr ums Experimentelle. Dies kam nicht von ungefähr: In der ökonomisch blühenden, kulturell sehr aufgeweckten Stadt fassten schon früh Ideen des Bauhauses Fuß. Dies lag an einem stark auf Anwendung und Praktikabilität ausgerichteten Klima mit der Folge enger Kooperationen zwischen Kunstakademie und Kunstgewerbeschule.

So wundert es nicht, dass Stuttgarter Künstler als Lehrer an das Bauhaus wechselten. Der Stuttgarter Oskar Schlemmer verkörperte beredt den kunstpolitischen Impetus der Anstalt. Johannes Itten wandte sich während seiner Stuttgarter Studienzeit geometrischen Formen zu und leitete am Bauhaus den Vorkurs. Daher scheint es ebenso wenig überraschend, dass kurzzeitig das 1933 unter Zwang aufgelöste Bauhaus auch im württembergischen Ulm ab 1953 mit der Hochschule für Gestaltung eine Wiederbelebung erfuhr.

Neben Karlsruhe kann auch Baden-Baden mit zwei auf Bauhausprinzipien beruhenden Baudenkmälern aufwarten. Egon Eiermann plante hier zwei Wohnhäuser. Für die Privatvilla des Grafen Hardenberg entwarf er 1958 einen Bungalow aus rechtwinklig aneinander stoßenden Kuben. Um die geometrische Strenge und Präzision zu mildern, fügte er vergitterte Umgänge an, welche dem Anwesen mehr Eleganz verleihen.

Da sich Eiermann nach seinem Studium in Berlin auf zweckmäßigen modernen Industriebau spezialisierte, durfte er in den 30er Jahren unabhängig von politischen Vorgaben fortschrittlich bauen. Nach 1945 konnte er so ohne Unterbrechung die Arbeit fortsetzen und ab 1945 bis zu seinem Tod 1970 als Architekturprofessor an der Technischen Hochschule Karlsruhe lehren. Auf Reisen in die USA traf er sich mit Bauhäuslern wie Mies van der Rohe, Marcel Breuer oder Walter Gropius. Eiermanns eigenes, 1962 errichtetes Privathaus in Baden-Baden versteht sich als programmatisches Manifest seiner Vorstellungen. Es ist ein lang gestreckter, klarer, auf tragenden Querwänden ruhender Baukörper. Straßenseitig eher verschlossen, öffnet er sich gartenseitig mit großflächigen Verglasungen. Wie beim Dessauer Bauhausgebäude sind auch hier Anleihen aus dem Schiffsbau unverkennbar wie etwa weiße Sonnensegel oder relingartige Brüstungszonen. Aber auch der schematische, einfache Formen entwickelnde Grundriss zeugt von einem genau definierten Wohn- und Lebensrhythmus, bei dem es nicht nur um den Nutzen, sondern auch um das geistige Ideengebäude geht.

Originelle Beispiele der Bauhaus-Architektur finden sich speziell am Bodensee. Zu den herausragenden Beispielen zählt der 1933 eröffnete Hafenbahnhof in Friedrichshafen. Demonstrativ stellte der Entwurfsverfasser Baurat Karl Hagenmayer der helvetischen Seite eine Geste der modernen Industriestadt entgegen: Ein breit gelagerter Kubus mit leicht vorkragendem Dach, Fensterbändern und langgestreckter Restaurantterrasse. Hinter weißem Putz verbirgt sich die moderne, leichte Stahlskelettkonstruktion mit Hohlsteinfüllung. Der Uhren- und Aussichtsturm betont zusätzlich die Fernwirkung des markanten Entrees. Seit 1996 beherbergt es das Zeppelin Museum. Kongenial ist im alten Bahnhofsgebäude die Umsetzung der Bauhaus-Ideale in der Verbindung von Kunst und Technik verwirklicht. In der einstigen Bahnhofshalle hat das Luftschiff LZ 129 Hindenburg angedockt. In originalgetreu rekonstruierten Gesellschafts-, Schreib- und Lesezimmern des Luftschiffs stehen die ultraleichten, von Fritz August Breuhaus de Groot entworfenen Aluminiummöbel. An den Wänden faszinieren auf hauchzarten Bespannungen aus Ballonseide gespritzte Motive der Designerin Maria May im abstrahierten Stil der Neuen Sachlichkeit.

Dem Schiffsreisenden strecken sich in Meersburg sowie am Konstanzer Fährhafen verglaste Wartepavillons wie Schiffsbrücken entgegen. Geradezu schwerelos wirken die querelliptischen Caféhäuser mit ihren überstehenden Flachdächern, Aussichtsterrassen und dünnen Stützen. Innen setzen Pilzsäulen, runde Geländer, gebogene Treppenläufe die schwungvolle Eleganz fort. Von graublauen Stahl- und Aluminiumprofilen gerahmte Fensteröffnungen lassen den Übergang zwischen Wasser und Land nahtlos erscheinen.

Ab 1951 realisiert, gehören die Bauten zu den frühesten der Moderne im Nachkriegsdeutschland. Hier zeigt sich, wie technoide, multifunktionale Kleinbauten auf sinnfällige Weise zu einer erquicklichen Ausdrucksarchitektur aufgewertet werden können. Die Nähe zum Bauhaus kommt nicht von ungefähr: Der Architekt Hermann Blomeier hatte von 1930 bis 1932 am Dessauer Bauhaus bei Mies van der Rohe studiert. Seit 1933 in Konstanz ansässig, prägen seine Gebäude in der Bauhaus-Nachfolge bis heute das Stadtbild.

Direkt gegenüber der Altstadt am Seerhein steht sein gitterhaftes wie scharfkantiges Vereinsheim des Ruderclubs Neptun von 1955/56. Mit den ausgreifenden Streben des ursprünglich noch weiter geöffneten graublauen Stahlskeletts gelang Blomeier ein graziles Spiel offener und geschlossener Volumina, das er demonstrativ der mittelalterlichen geschlossenen Bauweise gegenüberstellt hat.

Ein Jahr später entstand nach seinen Plänen mit der Kreuzkirche ein weiteres Meisterwerk. Nach italienischen Vorbildern reduzierte er den Duktus der Saalkirche mit freistehendem Kampanile auf das Wesentliche. Das tragende Betonrahmengerüst fachte er teils mit wässrig-gelben Ziegeln, teils mit Dickglasscheiben so effizient aus, dass das Innere durch "Lichttore" festlich inszeniert wird. Schon stark vom Geist des Minimalismus zehrt Blomeiers 1965 vollendete Wessenbergschule. Offene Verbindungsgänge, raumhohe Glasscheiben, hinausgeschobene Kastenerker brechen die kompakte Geschlossenheit auf und verknüpfen Innen und Außen.

Ästhetik abseits von Schnörkel, Schmuck und Schnickschnack muss also nicht immer unangenehm aufbegehren.

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