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Gegen alle Ausgrenzungen
11.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Brigitte J. Henkel-Waidhofer

Stuttgart - Die "Alternative für Deutschland" stellt in Landtagsdebatten gern Fragen, um mit ihnen bestimmte Botschaften zu transportieren. Etwa ob es ein Einzelfall sei, dass ein Jugendlicher in Niedersachsen verprügelt wurde, weil er auf Deutsch kommunizieren wollte. "Haben wir es möglicherweise mit einem eklatanten Versäumnis der Schulbehörden zu tun?", fragte der bildungspolitische Sprecher Rainer Balzer. Antworten konnte und wollte er nicht geben. Stattdessen verlangt die AfD eine Deutschpflicht auf Schulhöfen.

Der Streit darüber ist mehr als zehn Jahre alt. Auch Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) oder der damalige Integrationsminister und heutige Regierungschef in NRW, Armin Laschet (CDU), dachten darüber nach. Dementsprechend liegen seit Jahren Untersuchungen zum Thema vor. "Mehrsprachigkeit ist ein kostbares Gut und jeder Förderung würdig", heißt es in einer Studie der Uni Dortmund (2006). Sie sei ein wichtiger Beitrag zur Integration und wirke gegen Parallelgesellschaften. Deutsch auf Schulhöfen durchzusetzen, ergebe ebenso wenig Sinn, "wie einen Sprachwechsel auf dem Schulweg, in der Straßenbahn oder der Freizeit sanktionieren zu wollen".

Wie so oft in den aufgeheizten, auch von Häme und Unterstellungen getragenen Debatten, die die AfD in den Landtag getragen hat, ist nicht klar, ob ihrem Redner die Fakten bekannt sind und absichtlich daran vorbei argumentiert wird, oder ob Unwissenheit herrscht. Jedenfalls stützt sich Balzer auf Erkenntnisse allein aus zwei Berliner Schulen, die seit Jahren Erfahrungen mit verbindlichem Deutsch gemacht haben. "Es wurde aber aus der Schulgemeinschaft heraus eingeführt", so der Staatssekretär im Kultusministerium Volker Schebesta (CDU), der sich ebenfalls seit langem mit dem Thema Mehrsprachigkeit befasst. Unter seiner Führung hatte der Schulausschuss vor zehn Jahren in London Schulen besucht, die Mehrsprachigkeit in den Pausen fördern und in der Folge bessere Englisch-Ergebnisse vorweisen konnten.

Für die FDP versuchte Timm Kern, früher selber Gymnasiallehrer, die "Methode der AfD" am Beispiel Schulhofdeutsch zu entzaubern. Mit Übertreibungen werde eine Stimmung des "Was, sind wir wirklich schon so weit?" befördert. Um "die Angstmacher für Deutschland" dann als Abhilfe zu präsentieren. Daniel Born (SPD) schlug den Bogen zur geplanten Meldeplattform missliebiger Lehrkräfte: "Sie kämpfen für eine schreckliche Schule in einem schlimmen Land, und da machen wir nicht mit." Sandra Boser (Grüne) erinnerte Balzer daran, dass sogar seine Partei auf Zweisprachigkeit setze und Werbeflyer auch auf Russisch drucke.

Eine seltene Ehre wurde Sylvia Felder zuteil. Die Rastatter Abgeordnete hatte sich gegen "Scheinheiligkeit und Scharlatanerie" gewandt und Ludwig Wittgenstein zitiert: "Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt." Während sich die AfD ereiferte, gab es von allen anderen Fraktionen viel Applaus und - sehr unüblich im Parlament - Bravorufe.

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