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Eine Revue mit Sogkraft
Rock'n'Roller der Klassik: Pianist Horst Maria Merz ist idealbesetzt als leicht verrückter Beethoven. Foto: Jürgen Schurr
13.10.2018 - 00:00 Uhr
Von Thomas Weiss

Die Notenblätter hängen an Wäscheleinen entlang der Wand, ein schrecklich-gelber Flügel dominiert die Bühne des Karlsruher Sandkorn-Theaters: Die Perücke sitzt schräg auf Ludwigs Kopf, der Frack hat auch schon bessere Tage gesehen. Horst Maria Merz entspricht zu Beginn der Uraufführung von Michael Postweilers musikalischer Komödie "Ludwig fun!" ganz den überlieferten Klischees des Wiener-Klassiker-Genies.

Und weitgehend taub muss er wirklich sein, sonst könnte er das Geigengekratze seines unsichtbar bleibenden Nachbars nicht ertragen. In die Welt des Ludwig (van Beethoven) dringt die überdrehte Sängerin Elli ein. Während Merz, der als klassisch ausgebildeter Pianist dafür das nötige Rüstzeug hat, zumeist knappen Passagen aus den populären Klaviersonaten des Komponisten oder dessen Liederzyklus "An die ferne Geliebte" anstimmt, will die von Beginn an überdreht gezeichnete Elli der Dorothée Kahler die Musik des Genies auf Heutiges, genauer auf auch inzwischen schon "historische" Rock-Hörgewohnheiten ummodeln.

Schon die Ausgangssituation zeigt, dass man mit Logik nicht an die "Verrückt-verrockte musikalische Komödie" von Michael Postweiler herangehen darf. Der in Karlsruhe geborene und aufgewachsene, inzwischen in Wien lebende Autor ist dem Sandkorn-Theater als Darsteller seit 1988 verbunden. In der eher unauffälligen Inszenierung von David Merz, der auch für die Ausstattung verantwortlich zeichnet - worin besonders Dorothée Kahler, die bei den Ettlinger Schlossfestspiele als Velma Kelly in "Chicago" überzeugte, ihr Bühnentemperament etwas zu ungebremst ausleben darf -, mehren sich allerdings bald die Hinweise, dass nichts so ist, wie es zu sein scheint. Denn das musikalische Genie nimmt immer wieder seine eigene Biografie zur Hand, um sich an bedeutsame Details seines Lebens zu erinnern. Später wird klar, Ludwig lebt nicht in einer Komponistenklause, sondern in einer psychiatrischen Anstalt, wo er von seinem "Genie-Wahn" geheilt werden soll. Elli ist keine in einem grauenhaften Pseudo-Jugendjargon schwafelnde Sängerin, sondern Ärztin, die Ludwig kurieren will.

Was lange Zeit wie auch bei dem von Elli arrangierten Treffen mit der geheimnisvollen "unsterblichen Geliebten" Ludwigs - Generationen von Musikwissenschaftlern forschten nach deren Identität -, einem durchaus witzigen Einfall, einer Kutschfahrt zur hämmernden Motorik der "Waldstein"-Sonate, kräftig danebengeht. Die musikalische Gemeinschaft von Ludwig und Elli hingegen nimmt Formen an. Der Klassiker beginnt zu rocken, "Roll over Beethoven" darf hier natürlich nicht fehlen, was beim enthusiasmierten Premieren-Publik entsprechend gut ankommt.

Horst Maria Merz, der als Pianist 20 Jahre mit den Berlin Comedian Harmonists auf Konzerttourneen ging und in dem Comedian-Harmonists-Stück "Veronika der Lenz ist da" über 900-mal die Rolle des Erwin Bootz spielte, gibt ebenso gekonnt den "klassischen" Pianisten wie er beim Boogie-Woogie hinlangen kann. Dorothée Kahler ist mit ihrer Ausstrahlung und ihrem Elan ihm eine Partnerin, mit der er sich im Laufe der Uraufführung die Bälle immer besser zuwirft. Irgendwie gelingt es Elli dann doch, ihren Ludwig als "geheilt" aus der Anstalt herauszubekommen, dem zumindest musikalischen Happy End steht nichts mehr im Wege.

Die etwas weitschweifig beginnende Komödie "Ludwig fun!" überzeugt immer da, wo sie sich zur musikalischen Revue mit entsprechender Sogkraft der bekannten "Hits" bekennt. Am meisten Vergnügen wird sicher der an "Ludwig fun!" haben, der nicht nach irgendeiner Stimmigkeit der Handlung forscht, sondern sich auf die Dynamik der mit vielen Klischees spielenden Komödie einlässt. Zu sehen auch heute und morgen.

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