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Vielansichtig und doppelbödig
02.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Hans-Dieter Fronz

Was haben Franz Kafka und Martin Kippenberger gemeinsam? Einen Vergleich mit Nicole Eisenman. Wären der Schriftsteller oder der Künstler eine Frau gewesen, meinten Kritiker, hätten sie so oder so ähnlich gemalt und gezeichnet wie sie. Es mag bessere Vergleiche für die Bilder und Zeichnungen der Amerikanerin aus New York geben. Doch der eine trifft immerhin etwas von der "kafkaesken" Stimmung mancher Werke Eisenmans, der andere die Schnoddrigkeit, ja Rotzigkeit ihres Malstils, die tatsächlich an Kippenberger denken lassen könnten.

Ihren Durchbruch schaffte Eisenman, Jahrgang 1965, mit 30 Jahren mit einem riesigen Wandgemälde bei der New Yorker Whitney Biennale. Es zeigte ein zerstörtes Whitney Museum - und mitten in den Trümmern sie selbst, unbeirrbar, mit erhobenem Pinsel. Neben Malerei und Zeichnung hat sie auch Videos und Skulpturen geschaffen. Ihr Brunnen mit fünf Figuren war im Vorjahr eine der Attraktionen der Skulptur Projekte Münster.

Eben die Skulpturen rückt jetzt erstmals die aktuelle Ausstellung der Kunsthalle Baden-Baden ins Zentrum. Kurator und - durch eine unliebsame Begegnung mit einer der schwergewichtigen Metallplastiken - leicht an den Zehen lädiert ist Hendrik Bündge. Die Schau, die heute Abend eröffnet wird, ist die erste institutionelle Einzelausstellung Eisenmans in Deutschland.

Neben den plastischen Werken bietet sie vier Gemälde, fünf Holzreliefs sowie ein Materialbild. Die überwiegende Zahl der mehr als 20 Skulpturen ist eigens für die Baden-Badener Präsentation entstanden. Im Titel der Schau ("Baden Baden Baden") kommt Eisenmans Sinn für Humor zum Tragen: Die Künstlerin fand die Doppelung im Namen der Stadt witzig.

Wasser plätschert in einer bizarr anmutenden Plastik auf farbigem Sockel im großen Oberlichtsaal am Beginn des Parcours. Für Johan Holten, den Direktor der Kunsthalle, enthält das Werk einen Rückbezug auf den Münsteraner Brunnen und gewiss auch eine Anspielung auf die Bäderstadt an der Oos. Dass die Skulptur "Head with Demon" einen Kopf darstellt, würde man ohne das Schild an der Wand nicht unbedingt vermuten. Bei den anderen Skulpturen verhält es sich nicht anders: ausgenommen vielleicht "The General" oder auch ein Adlerkopf sowie die Skulptur "American Goth", wenngleich das menschliche Paar dieser eigenwilligen Schöpfung eher an Uhus denken lässt.

Ein Adler mit Kuckucksuhr

Die Köpfe der Schau sind zerklüftet und vielansichtig, wobei sich unterschiedliche Ansichten gleichsam wechselseitig dementieren. Einzig die Tierköpfe, die "Uhus" eingeschlossen, haben eine eindeutige Vorderseite. Wohingegen man bei "King Head" das horribel deformierte Antlitz unter der Krone beim Gang um die Skulptur erst suchen muss. Wie bei "Kopf mit Dämon" wechseln sich glatt polierte mit rohen, ungeformt wirkenden Stellen ab. Manche Partien sind mit Ölfarbe bemalt.

Deutlich wird darin Eisenmans Interesse an der Textur von Oberflächen. Die Verschiedenartigkeit der häufig in Kombination verwendeten Materialien wie Bronze, Aluminium und Stahl, Textilien, Papiermasse und Farbe setzt demgegenüber ein experimentelles Spiel mit den Werkstoffen frei. Mindestens in "Eagle" und "The General" hat die den Skulpturen innewohnende Antiästhetik dabei eine beißend politische Komponente.

So pflanzte Eisenman dem Adler eine Kuckucksuhr ein; dazu muss man wissen, dass in der amerikanischen Wendung "einen Kuckuck haben" der Brutschmarotzer dem deutschen "Vogel" entspricht. In der raumgreifenden Installation "Flag, Pole + Eagle in a Box" mit zerbrochenem Fahnenmast geht das Wappentier gleichsam in einem Pappkarton baden. Der Militär in "The General" wiederum, ein vermutlich nach Flugkörpern Ausschau haltender Hans-guck-in-die-Luft, wird in seinem ebenso schrillen wie abgerissen wirkenden Äußeren der Lächerlichkeit preisgegeben.

Politische Assoziationen weckt auch das monumentale Gemälde "Huddle". In einer surreal verfremdeten Hügellandschaft über New York stecken Männer in Anzügen die Köpfe zusammen. Was hecken sie aus? In einer der Figuren meint man Donald Trump zu erkennen. Doch angesichts der (in diesem Falle buchstäblichen) Doppelbödigkeit von Eisenmans Kompositionen spricht Holten auch von "Irritationsmomenten", der "Mehrdeutigkeit der Signale", und warnt vor einer vorschnell eindimensionalen Interpretation.

Viele Werke haben eine narrative Komponente. "Fleisch und Knochen meiner Praxis sind irgendwo zwischen Struktur und Geschichtenerzählen angesiedelt", sagt Eisenman. Zahlreich sind die historischen und kunstgeschichtlichen Bezüge. Mit Blick auf "Hook'em Horns", einer veritablen Peepshow, spricht Kurator Hendrik Bündge vom "Spiel mit der Kunstgeschichte" und erwähnt dabei Gustave Courbet und Marcel Duchamp. Auch Geschichte, und wäre es die eigene, spielt bei Eisenman hinein. So im Gemälde "Invisible Woman", das von ihrer Midlife-Crisis erzählt. Bis 17. Februar.

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