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"Ich bin menschlich ruiniert"
08.11.2018 - 00:00 Uhr
Von Ulrich Willenberg Heidelberg - Erneut ist eine Frau Opfer von vermeintlichen Polizisten geworden. Die 64-Jährige aus Sinsheim soll dadurch um mindestens 300 000 Euro gebracht worden sein. Seit gestern muss sich einer der mutmaßlichen Täter vor dem Heidelberger Landgericht verantworten.

Der 30-jährige Türke bestreitet die Tat. Die geschädigte Frau erkannte ihn vor Gericht jedoch als den Mann wieder, den sie damals für einen Polizisten hielt. Und dem sie Schmuck, Goldmünzen, teure Uhren und Bargeld übergab in dem irrigen Glauben, er werde ihr Hab und Gut vor Kriminellen schützen. Dass sie auf die Ganoven hereingefallen ist, erklärt sie sich so: "Die haben den Schalter gefunden."

Die psychischen Folgen für das Opfer sind gravierend. Seit jener Nacht ist nichts mehr wie früher. "Ich bin menschlich ruiniert." Wenn auch nicht finanziell. Seither lebe sie in Angst und habe ihr Haus verriegelt.

Was an jenem 19. Februar dieses Jahres geschah, schilderte sie so: Am Abend habe sie Anrufe vom Polizeipräsidium Mannheim bekommen, wie sie glaubte. Man habe bei einer Verhaftung eine Liste gefunden mit Namen von Personen, die überfallen werden sollen, hieß es. Darunter sei auch die Sinsheimerin. Drei Verbrecher seien noch nicht gefasst. Eine Lüge, wie alles andere auch. Immer wieder riefen zwei vermeintliche Oberkommissare an und bauten Druck auf. Sie behaupteten, die Täter seien bewaffnet und hätten Betäubungsgas dabei. Die Angst der Frau wurde immer größer. Im Hintergrund hörte sie in der Telefonleitung Funkverkehr. "Ich dachte, das muss die Polizei sein."

Schließlich sei sie aufgefordert worden, den Inhalt ihres Tresors in eine Tüte zu geben. Ein "Kollege Schmitt" werde vorbeikommen und die Frau mitsamt ihren Wertsachen zum Präsidium fahren. "Ich habe alles in die Tüte reingestopft, was im Tresor war", erinnerte sich die 64-Jährige. Gegen 23 Uhr verließ sie ihr Haus und wartete zitternd auf der Straße. Ein Mann ging auf sie zu, gab ihr die Hand und stellte sich als "Schmitt" vor. "Ich habe ihm vertraut. Er war sehr nett." Dann habe der vermeintliche Polizist die Tüte "beschlagnahmt" und gesagt, sie brauche doch nicht mitzukommen. Dass es der Angeklagte war, dem sie die Tüte übergab, da sei sie sich "wirklich sicher". Früher hatte sie den korpulenten Mann bereits auf einem Lichtbild wiedererkannt. Vor allem wegen der "Schweinsäuglein", wie sie sagte.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Drahtzieher in der Türkei sitzen. Von dort rufen die sogenannten "Keiler" vor allem ältere Menschen an und geben sich als Polizisten aus. Ihnen fließt ein Großteil der Beute zu. Wenn überhaupt, werden nur die "Läufer" geschnappt, die Geld und Wertsachen abholen.

Der Angeklagte ist wegen einer ähnlichen Tat verurteilt worden. Die geschah zwei Tage nach dem Sinsheimer Fall. Bei Böblingen wurde er auf frischer Tat verhaftet, als er fast 50 000 Euro bei einem Mann abholen wollte. Der Prozess wird am 22. November fortgesetzt. Dann soll das Urteil verkündet werden.

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