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Nichts fährt mehr
11.12.2018 - 00:00 Uhr
Von Dieter Klink



und Florian Krekel

Karlsruhe/Baden-Baden/Rastatt - Ein massiver Warnstreik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat gestern unzählige Pendler und Reisende in Baden-Württemberg ausgebremst. An vielen Bahnhöfen kam der Verkehr zeitweise komplett zum Erliegen, sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr. Der Karlsruher Hauptbahnhof und der Nahverkehr auf der Rheintalbahn sowie in der Fächerstadt waren besonders stark betroffen.

Das lag allerdings nicht wie in der Vergangenheit so oft am Lokpersonal, sondern vielmehr daran, dass sowohl die Karlsruher Rangierarbeiter als auch die zuständigen Stellwerker ihre Arbeit niederlegten. "Das führte letztlich dazu, dass die Züge nicht einmal am Bahnsteig bereitgestellt werden konnten", erklärte ein Bahnsprecher auf BT-Anfrage. Rund um den Karlsruher Hauptbahnhof kam deshalb nicht nur - wie im gesamten Bundesgebiet - der Fernverkehr zum Erliegen, sondern während des Streiks zwischen 5 und 9 Uhr verkehrten zeitweise auch keine Regionalbahnen mehr. "Überhaupt war Baden als Region sehr stark vom Streik betroffen, da neben Karlsruhe mit Mannheim auch ein weiteres strategisch wichtiges Stellwerk bestreikt wurde", so der Bahnsprecher. Hinzu kam, dass in mehreren kleineren Stellwerken nicht gearbeitet wurde - unter anderem in Durmersheim, Grötzingen und Wörth.

Ein Umstand, der besonders den Bahnen der Karlsruher Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) zu schaffen machte. "Wir als AVG waren massiv von dem Streik betroffen, und zwar im gesamten Streckennetz", bilanzierte Pressesprecher Michael Krauth gegenüber dem BT. Gerade die Ausstände in den kleineren Stellwerken führten zum Ausfall der meisten AVG-Bahnen, etwa auf den Linien von Karlsruhe nach Süden in Richtung Baden-Baden und ins Murgtal, aber auch nach Norden gen Pfalz. "Wir haben vereinzelt Busse als Ersatzverkehr angeboten, aber die Masse der zu kompensierenden Zugausfälle war zu groß", so Krauth.

Das bekamen auch viele Schüler in Mittelbaden zu spüren. Während etwa das Rastatter Tulla-Gymnasium oder das Wilhelm-Hausenstein Gymnasium in Durmersheim nur vereinzelt Zuspätkommer wegen des Streiks verzeichneten, stand das Telefon an der Bühler Gewerbeschule quasi nicht mehr still und es hagelte Absagen, wie die Schule resümierte. Unzählige Schüler und Lehrer steckten auf den Bahnhöfen der Region fest.

Auch Stunden nach dem Ende des Streiks litten sowohl Bahn als auch AVG weiter unter den Auswirkungen. Das Hauptproblem war die Disposition, denn viele Züge waren schlicht nicht da, wo sie sein sollten, weil sie am Morgen nicht verkehrten. "Somit stimmen die Zugumläufe nicht und das Personal ist nicht an den richtigen Stellen. Deshalb wird es noch den ganzen Tag Auswirkungen geben", prognostizierte ein Bahnsprecher. Er sollte recht behalten.

Lage entspannt sich



nur sehr langsam

12 Uhr mittags in Karlsruhe: Es kommt immer noch zu vielen Zugausfällen und -verspätungen, nur langsam kommt der Normalbetrieb wieder in Gang. Ein älteres Paar aus Paris wartet auf Gleis 6 auf den um 140 Minuten verspäteten TGV nach Paris. Die beiden haben ihre Tochter in Stuttgart besucht und wollen nun zurück in die französische Hauptstadt. Da ein Zug ausgefallen war, kommen sie von Ludwigsburg mit der S-Bahn nach Karlsruhe und warten nun auf den verspäteten TGV. Ob sie von dem Streik genervt sind? "Nein, wir sind Franzosen", winkt er ab, "wir sind das gewohnt."

In Frankreich habe die Bahn von April bis Juni drei Monate lang immer wieder gestreikt, aber sie konnten ihre Fahrten immer gut drumherum planen. "Was in Frankreich besser als in Deutschland ist: Seit der Präsidentschaft von Nicolas Sarkozy muss die Bahn spätesten 48 Stunden vor einem Streik darüber informieren", erzählt er. "Das könnte man in Deutschland auch einführen, es würde die persönliche Planung erleichtern."

Zwei Reisende aus Fulda - Mutter und Tochter - sehen sich sogar als Streikgewinner. "Wir hätten eigentlich zwei Mal umsteigen müssen. Durch den Streik haben wir einen anderen Zug erwischt und konnten auf unserem Weg nach Straßburg auf ein Mal Umsteigen verzichten", erzählen sie frohgemut.

Eine weitere Reisende hat Probleme auf dem Weg von Aschaffenburg nach Überlingen am Bodensee. "Mein Mann hat mich mit dem Auto nach Darmstadt gefahren, weil von Aschaffenburg keine Züge fahren. Nach Überlingen werde ich aber auch nicht ganz kommen. Meine Tochter wird mich wohl in Radolfzell mit dem Auto abholen." Ihr Ziel wird sie dadurch mit zwei Stunden Verspätung erreichen.

Eine Mitarbeiterin der DB Information im Karlsruher Hauptbahnhof sagt gegen Mittag: "Die meisten Leute reagieren verständnisvoll, nur die wenigsten sind sauer." Den meisten Fahrgästen konnte sie weiterhelfen. Kleines Zeichen der Normalisierung dann gegen Mittag: Um 12.06 Uhr besteht die erste Fahrmöglichkeit an diesem Tag nach Neustadt/Weinstraße. "Es war schon mal schlimmer", bilanziert die Mitarbeiterin der DB.

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