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"Wir werden geräuchert"
11.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Julia Giertz

Mannheim - Gertrud Neff ist genervt: Die Mannheimer Marktfrau kann nicht verstehen, warum "so ein Theater" wegen der Diesel-Abgase gemacht werde, aber sich niemand um den Qualm kümmere, dem sie zeitweise an ihrem Gemüsestand ausgeliefert ist. "Wir werden hier geräuchert", klagt Neff und zeigt auf die Schlote mehrerer Grillrestaurants, die den Marktplatz säumen.

Vor allem im Sommer zögen Nebelschwaden herüber. In der warmen Jahreszeit setzt der Qualm auch den Gästen der türkischen und arabischen Restaurants in deren Außenbereichen zu. Das Dauerärgernis ist mittlerweile zum Politikum geworden.

Ein Initiativkreis "Grillrauch" aus Betroffenen und Besorgten hat den Petitionsausschuss des Landtags angerufen, um den Stunk zu beenden. Heute kommen die Ausschuss-Chefin Beate Böhlen (Grüne) und der Mannheimer Landtagsabgeordnete Boris Weirauch (SPD) als Berichterstatter für das Gremium in die Quadratestadt. Sie wollen sich vor Ort ein Bild machen. Alle Seiten sollen gehört werden. Über Werbung für den Termin auf Facebook will Weirauch auch die Restaurantbetreiber für das Treffen gewinnen.

Fritz Lipphardt wohnt nahe dem Marktplatz und kann im Sommer seine Fenster nicht öffnen und seinen Balkon nicht nutzen. Seine private Feinstaubmessanlage habe erhöhte Werte bei bestimmten Wetterlagen gezeigt, erzählt der Hochschullehrer. "Das kann ja nicht gesund sein." Offizielle Messungen zeigten allerdings keine Überschreitungen der gesetzlichen Emissionswerte. Als einer der Beschwerdeführer erwartet der Familienvater vom Landtag gesetzliche Schritte.

So könne über eine Bundesratsinitiative die Ausnahmeregelung für solche Grillanlagen im Bundesimmissionsschutzgesetz gekippt werden.

Eigene Verantwortung trage das Land beim Gaststättenrecht. Die meisten der insgesamt 22 Restaurants am Mannheimer Marktplatz und den angrenzenden vier bis fünf Häuserblocks fallen nicht darunter, weil sie keinen Alkoholausschank haben - und unterliegen anderen Regeln als die, die Wein und Bier servieren.

Auch Dehoga für



strengeres Verfahren

Lipphardt erinnert daran, dass das Wirtschaftsministerium die Shisha-Bars kürzlich zum Einbau von Abluftanlagen verdonnert habe. So etwas müsse doch auch für Gaststätten möglich sein. Auf die Stadt mag er nicht hoffen. Die habe bisher nichts getan. Auch der Kontakt zu den Gastronomen sei schwierig. Den Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hat Lipp-hardt auf seiner Seite. Der kann den tieferen Sinn einer Unterscheidung zwischen Gaststätten ohne und mit Alkoholausschank nicht erkennen. Für alle müssten die gleichen Konditionen gelten. Eine Rückkehr zum strengen Konzessionsverfahren für alle Betriebe wäre im Sinne des Verbandes.

Grünen-Stadtrat Gerhard Fontagnier sieht auch die Interessen der Gastronomen. "Wir wollen keine Schließungen und das Flair am Marktplatz erhalten." Eine Lösung wären Wasserfilteranlagen, die laut dem Grünen 25 000 bis 50 000 Euro kosten - ohne Montage. Der Grünen-Stadtrat regt an, die Stadt könne den Restaurantbesitzern doch finanziell entgegenkommen.

Die Stadt arbeitet nach Angaben eines Sprechers an einem Bebauungsplan, um die Ansiedlung weiterer Grillrestaurants zu verhindern. Zudem wird geprüft, ob die bestehenden Schornsteine den jüngsten Anforderungen der Richtlinie des Vereins Deutscher Ingenieure zur Mindesthöhe von Einrichtungen entsprechen, die unter anderem Emissionen aus Kohlegrillanlagen ableiten.

Der SPD-Abgeordnete Weirauch möchte eine rasche Lösung. Gesetzliche Änderungen wirkten erst für künftige Gaststätten. Sein Ziel: "Ich möchte das Ganze in einem Konsens hinbekommen. Es muss gelingen, dass wir in einer Großstadt wie Mannheim Rücksicht aufeinander nehmen."

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