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Ein dramatisches Leben
12.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Christiane Lenhardt

Baden-Württemberg feiert im kommenden Jahr den 250. Geburtstag Friedrich Hölderlins (1770-1843). Der gebürtige Schwabe war einer der größten Dichter und Denker des Landes. Seine dem Klassizismus und der Frühromantik zuzuordnenden Werke sind Pflichtlektüre in der Schule - sollen zum Jubiläum neue Strahlkraft weit darüber hinaus entwickeln. Mit einer Fördersumme von rund 6,2 Millionen Euro will Baden-Württemberg die Feierlichkeiten unterstützen.

Von Marbach bis Heidelberg wird Hölderlin gedacht. Die zentrale Ausstellung wird im Literaturmuseum der Moderne an seine literarische Wirkung bis hin zu dem französischen Gegenwartsdichter Paul Celan erinnern. In Lauffen am Neckar wird sein 2015 aus Privatbesitz zurückgekauftes Geburtshaus als Gedenkstätte bis dahin umgebaut; in Tübingen, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte, wird der Hölderlinturm saniert. Der größte Teil seines literarischen Nachlasses beherbergt die Württembergische Landesbibliothek Stuttgart. Hier soll die "Hölderlin-Jubiläums-Ausstellung 2020" am 11. Februar nächsten Jahres unter dem Motto "Laß uns eilen, zu feiern..." (aus Hölderlins Gedicht "Stutgard") eröffnet werden.

Neben der Lyrik zählen vor allem der frühe Briefroman "Hyperion" und das Fragment gebliebene, mythologisch erhöhte Trauerspiel "Der Tod des Empedokles" zu seinen wichtigsten Werken. In seiner komplexen Dichtkunst geht Hölderlin sprachlich bis an die äußerste Grenze von Literatur - sie rankt um sein einzigartiges schwärmerisches Verhältnis zur Natur, um die Liebe und das Schicksal des Einzelnen in der Welt. Auf schon radikale Weise, aber im historischen und mythologischen Kleid begründet Hölderlin in seiner Literatur die Notwendigkeit der frühen, eher mühseligen Revolutionsversuche in seiner Heimat Schwaben. Die Dichtkunst schien ihm das wichtigste Ziel seiner eigenen dramatischen Lebensgeschichte. Die Kunststaatssekretärin des Landes Baden-Württemberg, Petra Olschowski, nannt den krankheitshalber früh vollendeten Hölderlin einen "fast schon modernen Dichter, der konsequent der Frage nachging, wo der einzelne Mensch Orientierung in einer sich verändernden Welt finden kann".

Johann Christian Friedrich Hölderlin wurde als Kind einer religiösen Familie am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar geboren. Bald darauf übersiedelte die Familie nach Nürtingen, das in späteren Jahren immer wieder zur Zuflucht werden sollte. Auf Wunsch der Mutter, die aus einer Pfarrersfamilie stammte, wollte er Priester werden. Er studierte am Theologischen Seminar in Tübingen (1788-93), war mit Hegel und Schelling befreundet, die später zu den führenden Philosophen des 19. Jahrhunderts gehörten, begeisterte sich für die Französische Revolution und die Antike - und wollte dann doch kein Pfarrer mehr werden. Zwischenzeitlich besuchte er die Universität Jena, wo der Philosoph Fichte lehrte, traf dort Goethe und Schiller. Eine seiner Hauslehrerstellen führte ihn nach Frankfurt zur Bankiersfamilie Gontard (1796-98), wo er sich in die Bankiersfrau Susette Gontard verliebte. Sie ging als angeschwärmte Heldin Diotima in seinen "Hyperion"-Roman ein. Der Bankier kam dahinter - und Hölderlin musste gehen. Als er vier Jahre später von Susette Gontards frühem Tod erfuhr, erlitt er einen Nervenzusammenbruch. 1804 übernahm er nach mehrmonatiger Krankheit eine Bibliothekarsstelle, aber sein Zustand verschlechterte sich. 1806 wurde er in eine Tübinger Heilanstalt eingeliefert. Acht Monate später als "unheilbar" entlassen, nahm der Tübinger Schreinermeister Ernst Friedrich Zimmer den 36-jährigen Dichter zur Pflege im Turmzimmer seines Hauses auf, wo Hölderlin die letzten 36 Jahre seines Lebens zwischen Krankheitsschüben und dichterischen Phasen unter fürsorglicher Obhut der Familie Zimmer verbrachte.

Im Hölderlinturm, der zum Jubiläum fertig saniert sein soll, wird im Januar 2020 das Festjahr eröffnet. Nach Angaben der Stadt Tübingen soll sich die neue Dauerausstellung im Turm erstmals über alle drei Etagen erstrecken.

Mit Hölderlins berühmter Ode "Heidelberg" wird die zweite große Universitätsstadt am Neckar den Dichter ebenfalls feiern. Das Manuskript wird im Kurpfälzischen Museum Heidelberg aufbewahrt und dort 2020 groß inszeniert. Auftakt ist dort um den 20. März, wenn sich sein Geburtstag jährt. Dann will sich das zeitgleich startende Musikfestival "Heidelberger Frühling" den Hölderlin-Vertonungen widmen. Schließlich plant die Bayerische Akademie der Schönen Künste in München das Sonderprojekt "Hölderlin vertonen" mit vier Konzerten. In Frankfurt, Bad Homburg und Bordeaux, überall, wo Friedrich Hölderlin als Hauslehrer weilte, wird 2020 mitgefeiert.

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