https://www.badisches-tagblatt.de/spielerwahl/index.html
Herrin über die "Roten Roben"
Herrin über die 'Roten Roben'
12.01.2019 - 07:50 Uhr
Von Volker Knopf

Karlsruhe - Kerstin Brandt ist Schneidermeisterin und hat einen ganz speziellen Auftrag. Die Badenerin ist für die "Roten Roben" des Bundesverfassungsgerichts zuständig. Regelmäßig bessert sie die markanten Satin-Gewänder aus, die an die traditionelle Richtertracht der Stadt Florenz des 15. Jahrhunderts erinnern.





Geschneidert wurde die "badische Variante" einst von einem Kostümbildner im Jahr 1950. Seit mehr als 20 Jahren legt nun Kerstin Brandt Hand an die Amtstracht an, die ganz Deutschland in den TV-Nachrichten sieht, wenn es mal wieder heißt: Karlsruhe hat entschieden.

"Für mich ist das schon eine besondere Ehre. Ich wurde damals auf Herz und Nieren geprüft, ehe ich den Auftrag bekommen habe. Aber mittlerweile, ich mache das ja schon etliche Jahre, hat sich das sehr gut eingespielt", sagt die Schneidermeisterin, die ein Atelier im Kreativpark "Alter Schlachthof" in Karlsruhe betreibt. Bevor sie vor einigen Jahren in die "Residenz des Rechts" zog, war sie in ihrem Atelier in Rastatt tätig.

In unregelmäßigen Abständen heißt es nun Kragen austauschen, Gewänder ausbessern, das Jabot oder Beffchen (die weiße Halsbinde, die man auch von evangelischen Geistlichen kennt) aufmöbeln oder das Barett dem jeweiligen Träger anpassen. Denn die ehrwürdigen mantelartigen Talare sind "Erbstücke" und werden von Richter zu Richter weitergereicht und nicht jeweils neu angefertigt.

Die Gewänder verlassen das Gerichtsgebäude in der Karlsruher Innenstadt ausschließlich, wenn sie geändert oder ausgebessert werden müssen. Vor allem das Barett sei sehr aufwendig. "Das Umnähen ist ziemlich kompliziert. Das ganze Prozedere unterliegt sehr strengen Richtlinien. Die Schritte kenn ich mittlerweile auswendig. Aber man muss auch immer ein wenig improvisieren können. Letztlich bin ich Schneiderin, Bastlerin und Hutmacherin in einer Person", gesteht die Frau und lacht.

Kerstin Brandt ist natürlich nicht nur für die roten Talare zuständig, die ihr die Gerichtsdienerin in unregelmäßigen Abständen vorbeibringt. Auch sonstige Kostüm-Maßanfertigungen, Business-Mode oder Hochzeitskleider zählen zum Metier der selbstständigen Schneidermeisterin.

Schon früh kam sie mit dem Handwerk in Berührung. "Es hat mich schon als Kind fasziniert. Ich war wohl so elf, zwölf Jahre alt, als ich eine Nähmaschine geschenkt bekommen habe. Mit Spitze arbeiten, Knöpfe annähen - das war das Größte für mich." Sie sei ohnehin ein haptischer Mensch. Hinzu käme ein gewisser Hang zum Perfektionismus. "Geduld, Kreativität und Fingerfertigkeit machen einen guten Schneider letztlich aus", sagt Brandt.

Auch wenn sie seit vielen Jahren für die Amtstrachten des Bundesverfassungsgerichts (scharlachrot) und des Bundesgerichtshofs (bordeauxrot) zuständig ist - "eine gewisse Ehrfurcht ist da immer noch im Spiel. Es sind ja schon majestätische Roben. Zumal sie ja nur dann zum Einsatz kommen, wenn das höchste Gericht der Bundesrepublik Recht spricht. "Da gucke ich im Fernsehen dann natürlich schon genauer hin, ob alles perfekt sitzt", erzählt die Herrin über die "Roten Roben".

BeiträgeBeitrag schreiben 
www.volksbank-baden-baden-rastatt.de/bt
Umfrage

Um die Zahl der Verkehrstoten zu senken, sollte nach der Meinung von Verkehrsexperten auf den meisten innerörtlichen Straßen das Tempolimit von 50 auf 30 Stundenkilometer gesenkt werden. Halten Sie das für sinnvoll?

Ja.
Nein.
Ist mir egal.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1