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Bauhaus-Idee stößt in neue Dimensionen vor
17.01.2019 - 00:00 Uhr
Von Christiane Lenhardt

Das Bauhaus-Jubiläumsjahr ist gestern Abend von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Berlin, wo die wegweisende Kunst- und Designschule 1933 abgewickelt wurde, eröffnet worden. Der spartenübergreifende Kunstgedanke stand bei den Bauhäuslern seit der Gründung durch Walter Gropius und dem letzten Direktor, Mies van der Rohe, im Mittelpunkt. In der Berliner Akademie der Künste wird aktuell aber nicht nur zurückgeblickt auf eine Zeit, als Kunst und Handwerk, Kunst und Industrie eng zusammenwirkten, sondern auch auf die Zukunft der Bauhaus-Idee und die Verbindung zur Wissenschaft.

Unter den Künstlern des Eröffnungsfestivals ist der Oppenauer Tim Otto Roth, ein international vernetzter Konzeptkünstler und Physiker. Er hat den Bauhaus-Gedanken zu seinem ganz eigenen Experimentierfeld gemacht: Für das Eröffnungsfestival hat Roth das Schattentheater "Sun on Stage" als Auftragswerk geschaffen. Das "schatten-morphotische Raumspiel", wie er es selbst beschreibt, greife Anregungen der Bauhaus-Ästhetik auf. Er entwickele aber im Spiel mit den geometrischen Formen eine neue Dimension, erklärt Tim Otto Roth.

Mit dem Schattentheater in sieben Szenen nimmt er an der bis 24. Januar laufenden Ausstellung "Licht.Schatten.Spuren" in der Akademie teil. "Sun on Stage" werfe nicht einfach Schatten zweidimensional auf eine Fläche, sondern lasse durch die Doppelprojektion mit rotem und blauem Licht den inhärent im Schatten angelangten Raum als dreidimensionale Figur greifbar werden, so der Künstler - und er treibe das Spiel der Schatten durch Computeranimation noch weiter. In der Panoramaprojektion wandern geometrische Figuren auf die über zehn Meter breite Wand zu. Das subtile räumliche Spiel ist erst mit 3D-Brille wahrnehmbar: Ganze Bewegungsabläufe komponierten sich zu Schattenfigurinen.

Dahinter stecke ein "äußerst rechenaufwendiges Schattenspiel", erläutert Roth, für das er auch elektronische Stücke komponiert hat. In dem komplexen Schattentheater spielt der Konzeptkünstler mit verschiedenen Motiven aus dem Werk zentraler Protagonisten des Bauhauses: Hans Richters Film Rhythmus 21 ist auf besondere Weise interpretiert, es gibt Anspielungen auf Ludwig Hirschfeld-Macks Farblichtspiel, Oskar Schlemmers Bühnenraumkonzept sowie Laszlo Moholy-Nagys Lichtrequisit für elektronische Bühne.

Der gebürtige Schwarzwälder Tim Otto Roth begibt sich mit seiner Kunst in höhere Sphären. Seit über 15 Jahren beschäftigt er sich mit den Schatten und wie man Licht in Form eines Bilds gebannt bekommt. Der promovierte Physiker entwickelte für seine Konzeptkunst einen ganz eigenen physikalischen Ansatz, basierend auf Lichterscheinungen in der Natur. 2015 veröffentlichte er das Standardwerk "Körper. Projektion. Bild. Eine Kulturgeschichte der Schattenbilder". Seine spektakuläre Licht-Klang-Installation "Heaven's Carousel" mit den kreisenden Leuchtkörpern war 2015 im Rahmen der Globale des ZKM in Karlsruhe vor dem Naturkundemuseum zu sehen.

2003 zeigte Tim Otto Roth sein erstes Projekt mit Astronomiebezug an einer öffentlichen Fassade in München. Für diesen Pixeltrip an Grenzen der Sichtbarkeit von Astro- und Teilchenphysik wurde er 2004 mit dem Internationalen Medienkunstpreis von ZKM und SWR ausgezeichnet. Er baut Brücken zwischen der Kunst und den Naturwissenschaften, kooperiert mit Einrichtungen wie den Max-Planck-Instituten, dem Karlsruher Institut für Technologie oder dem Cern in Genf. 2010 realisierte er in Zusammenarbeit mit den Europäischen Südsternwarten (ESO) und der ESA eine Laserprojektion in Venedig, wo er auf einer Fassade aktuellste Spektraldaten des Hubble Space Telescopes pulsieren ließ. Und trotz aller internationalen Aufmerksamkeit lebt und arbeitet Tim Otto Roth weiter in seinem Heimatort Oppenau im Renchtal.

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