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Ein warmer Zufluchtsort auf vier Rädern
Ein warmer Zufluchtsort auf vier Rädern
14.02.2019 - 00:00 Uhr
Von Janina Fortenbacher

Karlsruhe - Mittlerweile klettern die Temperaturen wieder ein wenig in die Höhe. Die frostige Zeit neigt sich langsam dem Ende zu. Für das Kältebus-Team des Kreisverbands Karlsruhe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Seit dem 7. Januar sind die ehrenamtlichen Helfer nun schon mit dem Kältebus in der Fächerstadt unterwegs (wir berichteten). In den eisigen Nächten der vergangenen Wochen haben sie sich auf den Weg gemacht, um Obdachlose vor dem Erfrieren zu schützen.



"Es freut mich, dass die meisten Menschen unsere Hilfe dankend annehmen", sagt Aksana Novikova, eine der Initiatoren des Projekts. Gemeinsam mit ihren Kollegen Lisa Gruber, Maximilian Scheer und Melina Franke hat sie die mobile soziale Einrichtung zur Versorgung von Obdachlosen ins Leben gerufen. In eisigen Nächten rückt das Team jeden Tag von 19 bis 23 Uhr aus und fährt die Karlsruher Straßen ab. Ausgestattet mit Schlafsäcken, warmen Decken, Handschuhen, Socken und heißen Teebehältern machen sich die Helfer auf den Weg, um Bedürftige aufzusuchen und aufzuwärmen. Finanziert wird das Projekt ausschließlich aus Spenden.

Meistens fährt der Bus eine bestimmte Route ab: "In den vergangenen Wochen haben wir darauf geachtet, an welchen Orten sich viele Wohnungslose aufhalten", merkt Novikova an. Es kann allerdings auch vorkommen, dass das Team von der Polizei oder Personen, die die Hilfe-Nummer wählen, zu einem bestimmten Platz gerufen wird.

Der Hauptbahnhof ist mittlerweile fester Bestandteil der täglichen Strecke. Der Kältebus fährt ihn meist als letzte Station an. Viele Obdachlose übernachten dort in den windgeschützten Wartehäuschen an den Gleisen. "Am Bahnhof treffen wir oft dieselben Leute an", sagt Novikova. "Einige von ihnen halten dann stolz ihre Mützen und Wolldecken im Arm, die sie in den vorherigen Tagen von uns bekommen haben." In solchen Momenten spüre sie, dass sich ihr Engagement lohnt, meint Novikova. Die Dankbarkeit sei bei den meisten kaum zu übersehen.

Das ist allerdings nicht immer so. Manche Obdachlose lehnen die Hilfe der DRK-Mitarbeiter auch ab. Einige wenige zeigen sich sogar genervt. Warum das so ist, könne keiner so genau sagen. Novikova vermutet, dass Misstrauen gegenüber anderen dahintersteckt. "Es kann sein, dass einige den Glauben an gute Menschen und an Hilfe verloren haben", fügt sie hinzu. Aus diesem Grund sei es wichtig, so vorsichtig wie möglich auf die Personen zuzugehen: "Wenn wir jemanden sehen, von dem wir denken, er könne unsere Hilfe benötigen, bieten wir demjenigen als erstes einen Tee an", schildert Novikova.

Erst danach versuche sie langsam, etwas mehr über die Person zu erfahren. "Man sollte nicht sofort mit der Tür ins Haus fallen", rät sie. Denn einigen sei ihre Lebenssituation auch unangenehm. Ist die erste Hürde überwunden, bietet das DRK-Team dem Betroffenen auch warme Kleidungsstücke, eine Decke oder einen Schlafsack an. Außerdem informieren die Helfer Wohnungslose über nahe gelegene Notunterkünfte. In diesen Unterkünften müssten sich die Obdachlosen allerdings an bestimmte Uhrzeiten halten, dürften keinen Alkohol trinken und keine Tiere mitbringen, erklärt Novikova. "Bevor sie sich diesen Regeln unterziehen, bleiben sie lieber auf der Straße", weiß sie aus ihren Erfahrungen.

Das Spannende an ihrer Arbeit sei, dass man nie wisse, was einen während einer Schicht erwartet, sagt Novicova. Kürzlich habe das Team am Hauptbahnhof eine schwangere Frau angetroffen, die kurz davor war, ihr Kind zu bekommen. "Die Dame kam wahrscheinlich gerade von einer mehrtägigen Reise zurück - jedenfalls hatte sie einige Koffer dabei, als sie plötzlich von den Wehen überrascht wurde", schildert Novicova die Situation.

Sofort habe man den Rettungswagen alarmiert und die Frau beruhigt. "Glücklicherweise wurde die Schwangere innerhalb weniger Minuten ins Krankenhaus gebracht, sodass alles gut ging", sagt Novicova und lächelt zufrieden.

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