https://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
http://www.badisches-tagblatt.de/UnternehmenKarriereZusteller/index.html
Kaum gelebte Inklusion in der Landesverwaltung
Kaum gelebte Inklusion in der Landesverwaltung
23.02.2019 - 00:00 Uhr
Stuttgart (bjhw) - Sozialminister Manfred Lucha will sich für mehr barrierefreie Arbeitsplätze einsetzen. "Barrierefrei in den Köpfen, in den Gebäuden, in der IT barrierefrei", erklärte der Grüne zum Bericht über die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen in der Landesverwaltung. Denn alle ehrgeizigen Ziele sind bisher unerfüllt geblieben. Statt zu steigen, sinkt die Quote. Auch eine Selbstverpflichtung der damaligen grün-roten Landesregierung aus dem Jahr 2014 konnte daran nichts ändern. Für Lucha ist die Entwicklung auch deshalb schmerzlich, "weil die öffentlichen Arbeitgeber Vorbild sein müssten".

Warum werden nicht mehr Menschen mit Behinderung eingestellt?

Die aktuelle Entwicklung und der Trend nach unten hängen damit zusammen, dass viele Beschäftigte mit Behinderung in Pension gehen, ihr Arbeitsplatz aber nicht einschlägig nachbesetzt wird. "Wir haben mit dem allgemeinen Gleichstellungsgesetz ein im Prinzip sinnvolles Instrument", so der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Poreski, "das hilft in der Praxis aber wenig." Denn der Versuch, gegen den Willen von Personalverantwortlichen eine Beschäftigung zu erzwingen, funktioniere in der Regel nicht. Diese Personalverantwortlichen wiederum haben in der Regel in ihrer Biografie aber keine Erfahrungen mit Behinderten gemacht.

"Sie können sich oft nicht vorstellen, wie eine gelebte inklusive Normalität im Arbeitsleben gestaltet werden kann", weiß Poreski, der auch Mitglied im Sozialausschuss des Landtags ist. Dabei gebe es sehr viele "kompromissfähige, konstruktive und praxistaugliche Lösungsvorschläge", etwa von Seiten der Schwerbehindertenvertreter in der Landesverwaltung. Dieser Schatz an Erfahrung und Kreativität müsse künftig genutzt werden.

Wo funktioniert die Inklusion am Arbeitsplatz?

Ein Beispiel ist Hessen. Die damalige rot-grüne Landesregierung unter Ministerpräsident Holger Börner hatte schon in den 1980er Jahren eine freiwillige Landesquote von sechs Prozent eingeführt, der sich seither alle Koalitionen verpflichtet sahen. Außerdem ist ein Programm für jüngere schwerbehinderte Menschen aufgelegt, und die Verantwortlichen in den Verwaltungen wurden für das Thema sensibilisiert. Derzeit liegt der Anteil der schwerbehinderten Landesbeschäftigten bei 7,5 Prozent.

Das baden-württembergische Sozialministerium kommt auf eine Quote knapp über zehn Prozent, während etwa das Wissenschaftsministerium nicht einmal vier Prozent erreicht. "Wir schauen uns ganz genau an, wie wir zum Beispiel an Hochschulen Menschen mit spastischen Behinderungen, Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderungen, die nicht kognitiv eingeschränkt sind, blinde Menschen stärker auch in akademische Ausbildungen oder in inklusive Schulen, integrieren können", kündigte Lucha an. Eine interministerielle Arbeitsgruppe muss bereits bis Ende März einen Bericht vorlegen.

Welche Sanktionen gibt es?

Eigentlich ist Ziel der Landesverwaltung, die Zahlung sogenannter Ausgleichsabgaben zu vermeiden. Eine Kompensation ist durch die Vergabe von Aufträgen an anerkannte Werkstätten für Menschen mit Behinderungen und Blindenwerkstätten möglich. Diese Vergaben gehen aber ebenfalls zurück. 2016 musste das Land 500 000 Euro entrichten, im Jahr 2017 waren es 1,2 Millionen.

Die Opposition beklagt, wie Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen. "Ich frage mich schon", so der FDP-Abgeordnete Jürgen Keck, "mit welcher Rechtfertigung zu allen möglichen Anlässen an die Privatwirtschaft und die Gesellschaft insgesamt appelliert wird, für Beschäftigung zu sorgen und Inklusion zu leben, wenn die Landesregierung selbst das Ziel deutlich verfehlt."

Wo könnten neue Jobs geschaffen werden?

Lucha sieht einen eindeutigen Zusammenhang zu den Privatisierungen in der öffentlichen Hand. Den Verwaltungen seien Möglichkeiten aus der Hand genommen worden, passende Angebote zu machen. Gerade als die FDP im Land mitregiert habe, "sind Kantinen-, Pforten, Haus- und Reinigungsdienste mit dem Ruf nach einem schlanken Staat ausgesourct worden". Eine Umkehr ist kaum vorstellbar: "Wenn wir jetzt Privatisierungen wieder rückgängig machen, bekämen wir sofort großen Ärger", so Lucha.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Gaggenau
Mülltonne auf Gleise geworfen

22.02.2019
Mülltonne auf Gleise geworfen
Gaggenau (red) - Ein 20-Jähriger sowie ein noch unbekannter Begleiter haben am frühen Freitagmorgen in Hörden eine Mülltonne auf die Gleise der Murgtalbahn geworfen. Der junge Mann wurde festgenommen. Er war mit rund 1,4 Promille alkoholisiert (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Rastatt
PFC-Flächen weiten sich aus

22.02.2019
PFC-Flächen weiten sich aus
Rastatt (red) - Die Fläche der mit PFC belasteten Böden ist nach der Untersuchung neuer Verdachtsfälle in den Kreisen Rastatt und Baden-Baden um 130 auf nunmehr 775 Hektar angestiegen. Das geht aus der Bewertung des Vorerntemonitorings 2018 hervor (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Stuttgart
FSME-Risikozonen verschieben sich

22.02.2019
FSME-Risikozonen verschieben sich
Stuttgart (lsw) - Forscher warnen vor einer Verschiebung der Risikozonen der durch Zecken übertragenen FSME und raten zur Impfung. Die Zahl der Betroffenen war 2018 deutschlandweit im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegen; die meisten Fälle gab es in Baden-Württemberg (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Baden-Baden
Azubis machen Motto lebendig

22.02.2019
Kunterbunte Palette an Ideen
Baden-Baden (for) - Unter dem Motto "draußen" finden vom 24. März bis zum 26. Juni die Baden-Württembergischen Theatertage in Baden-Baden statt. Bühnenmaler- und plastiker der Louis-Lepoix-Schule begleiten das Festival mit einer Ausstellung. Die Kreativität ist grenzenlos (Foto: for). »-Mehr
Gaggenau
70 weitere Kindergartenplätze

22.02.2019
Weiterer Kindergarten
Gaggenau (uj) - Kindergartenplätze werden knapp in Gaggenau. Deshalb soll in einem nicht mehr genutzten Klassentrakt der Hebelschule ein neuer Kindergarten eingerichtet werden. Vorgesehen sind 70 Plätze. Die Kosten belaufen sich auf fast 1,9 Millionen Euro (Foto: Jahn). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
Umfrage

Rund 71 Prozent der Bundesbürger sind laut einer aktuellen Umfrage mit der Amtsführung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zufrieden. Sie auch?

Ja, sehr.
Ja.
Eher nicht.
Nein.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1