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"Das Kino braucht unsere Unterstützung"
'Das Kino braucht unsere Unterstützung'
09.04.2019 - 00:00 Uhr
Von Christiane Lenhardt

Die deutsche Kinobranche steckt in einer Krise, die Zahl der Besucher ist im vergangenen Jahr drastisch zurückgegangen: 13,9 Prozent weniger Tickets wurden verkauft. Nur noch 105,4 Millionen Kinobesuche wurden gezählt, 2017 waren es noch 122,3 Millionen. Beim Kino-Kongress, der heute in Baden-Baden eröffnet wird, wollen die Betreiber von Lichtspielhäusern aus ganz Deutschland nicht nur Wunden lecken, sondern gemeinsam über neue Geschäftsmodelle für das Kino der Zukunft sprechen. Denn es gibt auch viel Grund für Zuversicht.

"Das Kino ist überlebensfähig, aber es braucht unsere Unterstützung", sagt Carl Bergengruen, der Geschäftsführer der Medien- und Filmgesellschaft (MFG) Baden-Württemberg mit Sitz in Stuttgart. Die Filmförderung unterstützt nicht nur Filmproduktionen im Land finanziell, sondern auch die Kinos in Baden-Württemberg. An der guten Förderung liegt es nicht. "Das deutsche System ist gut austariert", sagt er.

Die MFG fördert insbesondere die kleineren Kinos im ländlichen Raum und in Übergangsgebieten mit Darlehen für die Ausstattung, aber auch mit Marketing-Seminaren - und alle mit Kinopreisen. Die Förderung soll dazu beitragen, dass das Kino als ein sozialer Ort erhalten bleibt und außerhalb der großen Städte seine Funktion als zentraler Treffpunkt erfüllen kann. Im BT-Interview stellt der MFG-Chef "die Funktion des Kinos als Erlebnis- und Gemeinschaftsort" heraus. Die MFG Filmförderung unterstützt die Kinos in Baden-Württemberg jährlich mit zirka 1,5 Millionen Euro. Das Land stehe, was die Kinodichte angehe, gegenüber anderen Bundesländern an der Spitze.

Aber Fördergelder sind das eine, die Betreiber müssen auch selbst einiges tun, um ihre Besucher anzulocken. Insbesondere die Jugend, denn sie geht kaum mehr ins Kino. "Streamingdienste mit ihren hochqualifizierten Angeboten sind mittlerweile eine ernsthafte Konkurrenz für das Kino und gerade die ganz Jungen, die unter 20-Jährigen, kehren nicht nur dem klassischen Fernsehen, sondern auch dem Kino den Rücken, wie keine Generation zuvor", erklärt Bergengruen. "Wir müssen uns der Streamingkultur stellen. Da werden zum einen innovative Formate produziert und gezeigt, zum anderen ist die zeitunabhängige Nutzung etwas, was den Sehgewohnheiten junger Menschen so entgegenkommt, dass wir daran nicht mehr vorbeikommen", sagt er.

Jetzt gilt es Boden wieder gut zu machen. Wie das gehen kann, das will die Fachmesse der Kinobetreiber und Verleiher bis Donnerstag im Kongresshaus verhandeln. Auch Technik-Ausstatter sind dabei, aber die ist längst nicht mehr ein Problem. "Der große Umbruch, die Digitalisierung ist ja schon geschafft", erklärt der gebürtige Baden-Badener Bergengruen. Seiner Ansicht nach sollten die Kinos vermehrt auf Events setzen, dafür will er heute in seinem Eröffnungsvortrag plädieren. "Es reicht nicht mehr, nur Filme zu zeigen, die Kinos müssen mehr anbieten. Premieren zum Beispiel sind sehr beliebt, wenn die Macher des Films und die Crew persönlich anwesend sind."

Ein "Paradebeispiel" dafür, dass auch ein kleineres Kino gut durch die Krise kommen könne, sei das Baden-Badener Moviac-Filmtheater mit seinen individuellen, kreativen Angeboten und hervorragenden Programmen. Es hat 2018 den Hauptpreis der MFG für ein herausragendes Jahresfilmprogramm erhalten. Auch die Publikumsfestivals im Land wie Biberach, Mannheim-Heidelberg oder Ludwigshafen beweisen, dass die Menschen das Kino schätzen: "Sie haben immer größeren Zulauf." Am Filmangebot liege es nicht.

Deutscher Film



behauptet Marktanteil

"Ich kann keine Krise des Spielfilms erkennen, sondern wir erleben eine Krise des Kinos - und es ist bestimmt keine Krise des deutschen Films, denn der hält sich stabil", so Bergengruen. Selbst im desaströsen Kinojahr habe der deutsche Film seinen Marktanteil von 25 Prozent ohne Einbußen behauptet. Gerade der Kinderfilm sei stark und international erfolgreich, wie etwa der von der MFG geförderte "Jim Knopf", genauso die deutsche Komödie. Der Schul-Hit "Fack ju Göhte 3" lag 2018 laut Deutschem Filmförderfonds mit 6,8 Millionen Besuchern an der Spitze der Kinocharts, gefolgt von Simon Verhoevens Familienkomödie "Willkommen bei den Hartmanns".

Manche Kinoketten versuchten mit Preissenkungen, dem Publikumsschwund entgegenzuwirken - eine zeigte gar Filme für weniger als 6 Euro. Dass sich viele Jugendliche häufige Kinobesuche nicht leisten können, sieht auch Carl Bergengruen: "Ich könnte mir vorstellen, dass es in Zukunft Kino-Flatrates geben könnte."

Vor allem aber befinden sich die Kinos in einem ungleichen Wettbewerb mit Netflix und Co.: Die Streaminganbieter nutzten die große Aufmerksamkeit, die ihnen die Oscar-Verleihung oder Filmfestivals für ihre Produktionen bieten, lassen sie aber nicht im Kino laufen und unterlaufen so das System. Ein Film wie die Netflix-Produktion "Roma", die Ende Februar drei Oscars abgeräumt hat, ist nie im Kino gelaufen. "Nach meiner festen Überzeugung, gehören solche Filme nicht auf die Oscar-Verleihung", sagt Bergengruen, auch auf Filmfestivals hätten Filme von Streamingdiensten, die nicht fürs Kino ausgewählt werden, nichts zu suchen. "Im Grunde ist das eine Art Etikettenschwindel", sagt er.

Es sei begrüßenswert, dass die Streamingdienste in so großem Maße für die eigenen Kanäle produzieren würden. Aber dann sollten sie ihre Filme auch nur dort auswerten. Für die MFG gelte: "Ich verteidige das sogenannte Kinofenster. Damit wird sichergestellt, dass Kinofilme, die von uns gefördert werden, eine Phase von bis zu zwei Jahren exklusiv im Kino laufen und in dieser Zeit nirgendwo anders gezeigt werden können." Es gebe viele Bestrebungen, die exklusive Sperrfrist immer mehr zu verkürzen. "Wir machen da aus Überzeugung nicht mit. Denn ohne eine solche Sperrfrist hat das Kino keine Überlebenschance", so Bergengruen.

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