http://www.ausbildungsmesse-baden-baden.de/
Müll ist nicht gleich Müll
06.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Burkhard Fraune

und Anna Ringle

Berlin - Müll kann für Haushalte in Deutschland sehr teuer sein. Nach einer Studie klaffen die Gebühren weit auseinander: Am günstigsten ist es in Flensburg, Nürnberg und Magdeburg. Am teuersten in Leverkusen, Moers und Bergisch Gladbach, also in drei Städten in Nordrhein-Westfalen, wie ein Vergleich des Forschungsunternehmens IW Consult für den Eigentümerverband Haus und Grund ergab. Demnach unterscheiden sich die jährlichen Gebühren zum Teil um mehr als 600 Euro. Die Abfallwirtschaft der Städte sieht solche Vergleiche skeptisch.
Haus und Grund ließ zum zweiten Mal die Entsorgungskosten für Restmüll, Biomüll, Sperrmüll und Altpapier in den 100 größten Städten vergleichen. Schon die erste Untersuchung vor drei Jahren hatte große Unterschiede ergeben. Geändert hat sich daran wenig. Allerdings haben sich manche Städte verbessert, zum Beispiel rutschte die Stadt Bonn von Platz 27 im Jahr 2016 nun auf Rang acht. Je niedriger die Platzierung, desto höher sind die Müllgebühren. Leverkusen belegt mit Rang 100 den letzten Platz.

Grundlage für die Berechnung war ein symbolischer Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern, die in einem Einfamilienhaus leben - eine übliche Vergleichsgröße, die jedoch in Großstädten nicht immer dem durchschnittlichen Haushaltstyp entspricht. Veranschlagt werden 60 Liter Restmüll je Haushalt und Woche. In Flensburg zahlt ein solcher Haushalt demnach im Mittelwert gut 123 Euro pro Jahr für die Müllabfuhr, in Leverkusen dagegen knapp 771 Euro.

Kein realistisches Bild ergeben solche Vergleiche aus Sicht des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Er vertritt auch städtische Abfall- und Stadtreinigungsbetriebe. Zur Rechnung gehörten viele weitere Faktoren, darunter wie weit Müllwagen zu fahren haben, wie groß die Tonne ist und wie oft sie geleert wird, wie Wertstoffhöfe finanziert werden und ob Anlagen schon abgeschrieben sind.

Auch von der Stadt Leverkusen, die am abgeschlagenen Ende der Rangliste wie bereits bei der vergangenen Studie steht, kam deutliche Kritik. Eine Sprecherin der Stadt bezeichnete die in der Analyse angegebenen Zahlen als falsch. "Die heute veröffentlichte Studie kommt zu Zahlen, die nichts mit den Gebühren zu tun haben, die wir von unseren Bürgern verlangen", teilte sie mit.

IW Consult bezieht seine Daten hauptsächlich aus den Satzungen der Städte. Bei einem Großteil der Kommunen legten die Autoren zum Teil auch Schätzungen zugrunde, um einen Vergleich der unterschiedlichen Tarifgruppen zu ermöglichen. Was konkret in die Gebühren der Städte eingepreist ist, ist nicht klar.

Aus der Studie zogen der Eigentümerverband und das Institut diesen Schluss: Die Stadt Nürnberg gelte als Vorbild. Einwohner könnten dort die Größe der Restmüllbehälter frei wählen und so an den tatsächlichen Verbrauch anpassen. Das Gebührensystem sei sehr einfach gehalten.

Zum Thema:

Mittelbadischer Müll ist günstiger

Baden-Baden (marv) - Nimmt man die in der Studie angewandten Parameter - also einen Musterhaushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern, der die vier Müllsorten Restmüll, Biomüll, Sperrmüll und Altpapier produziert, dann erhält man für Mittelbaden deutlich geringere Kosten als beispielsweise in Karlsruhe (belegt Platz vier im Müllgebührenranking 2019). Wenn die Beispielfamilie bei jeder Leerung 60 Liter Restmüll (14-tägig), 20 Liter Biomüll (14-tägig; im Sommer wöchentlich), und eine Tonne Altpapier sowie jährlich zwei Kubikmeter Sperrmüll an die Straße stellt, kommen in den Baden-Badener Stadtteilen 171,48 Euro, in Bühl 290,90 Euro und im Landkreis Rastatt 163,30 Euro jährliche Kosten auf die Familie zu. In der Baden-Badener Kernstadt wird (zumindest für den Restmüll) ein sogenannter Vollservice angeboten. Das bedeutet, die Tonne muss nicht an die Straße gestellt werden. Das kostet in diesem Beispiel jährlich insgesamt 218,86 Euro. Zum Vergleich: In Karlsruhe kommen beim 14-tägigen Teilservice, bei dem der Müll an die Straße gestellt werden muss, 320,52 Euro auf die Musterfamilie zu. Beim Vollservice, vergleichbar mit dem in der Baden-Badener Kernstadt, würde die in Karlsruhe lebende Musterfamilie 360,12 Euro berappen müssen.

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Berlin / Stuttgart
Weiter landet viel Essen im Müll

30.05.2019
Viel Essen landet im Müll
Berlin/Stuttgart (lsw) - Fast 13 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jährlich im Müll. Das zeigen neue Berechnungen der Universität Stuttgart bezogen auf das Jahr 2015. Mehr als die Hälfte davon werfen die Verbraucher in den privaten Haushalten weg (Foto: dpa). »-Mehr
Berlin
In nur 15 Minuten zum Umweltsünder

22.05.2019
Umweltsünder in 15 Minuten
Berlin (red) - Kaufen, trinken, wegschmeißen - das ist das Prinzip des "Coffee to go". Das alles geschieht statistisch gesehen in nur 15 Minuten, so das Umweltbundesamt (UBA) in einer gestern in Berlin vorgestellten Studie. Die Einwegbecher werden zum Umweltproblem (Foto: dpa). »-Mehr
Baden-Baden
Applaus, Gelächter und Buh-Rufe

17.05.2019
Acht Kandidaten auf dem Podium
Baden-Baden (cri) - Auf den Prüfstand gestellt haben am Mittwochabend zwei Mitglieder des Baden-Badener Presseclubs die Vertreter der acht zur Kommunalwahl am 26. Mai in Baden-Baden antretenden Parteien und Wählervereinigungen bei einer Podiumsdiskussion (Foto: cri). »-Mehr
Rastatt
Schulessen: Ruf nach Regio-Lösung

08.05.2019
Schulessen: Ruf nach Regio-Lösung
Rastatt (ema) - Im Rastatter Gemeinderat wird der Ruf laut nach einer lokal-regionalen Lösung für die Zubereitung der Mittagessen in der Gustav-Heinemann- und Karlschule. Auslöser ist die städtische Entscheidung, dass eine westfälische Firma dies künftig übernehmen soll (Foto: Archiv). »-Mehr
Baden-Baden
Mehr Sauberkeit in der Kurstadt

07.05.2019
Mehr Sauberkeit in der Kurstadt
Baden-Baden (lsw) - Wer in Baden-Baden seine volle Mülltonne zu früh auf die Straße stellt, zahlt in Zukunft eine saftige Geldbuße: 100 Euro Strafe drohen. Das beschloss am Montagabend der Baden-Badener Gemeinderat im Rahmen eines neuen Abfallkonzeptes (Symbolfoto: dpa). »-Mehr
Ort des Geschehens
Größere Google Karte
Umfrage

Kultusministerin Susanne Eisenmann hat Eltern kritisiert, die ihre Kinder vor den Ferien aus der Schule nehmen. Würden Sie Ihr Kind schwänzen lassen, um früher in den Urlaub zu fahren?

Ja.
Nein.
Nur im Notfall.
Das weiß ich nicht.


https://www.eyesandmore.de
Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1