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Damoklesschwert K-Frage
Damoklesschwert K-Frage
12.06.2019 - 07:07 Uhr
Von Hagen Strauß

Berlin - Der Zeitpunkt für eine K-Debatte ist nicht gerade günstig: In einigen Umfragen liegen die Grünen nun vor der Union, die Partei steckt inhaltlich in der Krise und der Koalitionspartner SPD liebäugelt offen mit künftigen Linksbündnissen. Dennoch diskutiert die CDU bereits nervös über den nächsten Kanzlerkandidaten, der eigentlich erst auf dem Parteitag Ende 2020 bestimmt werden soll. Wer sind die Schlüsselfiguren - und wer hat Chancen?


Angela Merkel: Weil Merkel nicht mehr antritt und viel über einen vorzeitigen Bruch der großen Koalition spekuliert wird, befeuert dies die Debatte über die Kanzlerkandidatur. Merkel ist zwar keine CDU-Chefin mehr, aber sie wird erpicht darauf sein, dass ihr Erbe nicht unter die Räder kommt. Sie hat die Partei modernisiert, ihre Kritiker sagen, entkernt. Zwar werden am Ende die Vorsitzenden von CDU und CSU die K-Frage entscheiden, doch mit ein paar geschickten Sätzen kann die Noch-Kanzlerin potenziellen Anwärtern schaden - oder nutzen.

Annegret Kramp-Karrenbauer: Die CDU-Vorsitzende hat als Parteichefin das erste Zugriffsrecht. Fraktionschef Ralph Brinkhaus sagt, AKK sei die nächste Kandidatin. Doch gemach. Die Saarländerin hat Fehler gemacht. Aufgrund dessen stellt mancher ihre Eignung infrage - und andere wittern ihre eigene Chance. In der Union heißt es, weitere Patzer dürfe sich die Chefin nicht erlauben. Auf Merkel kann sich die 56-Jährige nicht verlassen, das Verhältnis beider hat sich abgekühlt. Kramp-Karrenbauer muss es alleine richten. Gelingt ihr das nicht, wird sie einem anderen den Vortritt überlassen müssen. Wie übrigens Merkel im Jahr 2002: Damals fuhr sie zu Edmund Stoiber nach Wolfratshausen, um dem CSU-Mann bei einem Frühstück die Kanzlerkandidatur anzubieten.

Armin Laschet: Der Name des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten fällt hinter den Kulissen immer öfter: "Der läuft sich warm." Parteichef wollte der Vize-Vorsitzende nicht werden. Kanzler vielleicht schon - auch wenn Laschet von der Frage inzwischen genervt ist. Doch er ist bedacht darauf, die Entscheidung über die Kandidatur möglichst offen zu halten. Das nährt Spekulationen über eigene Ambitionen. Und seit die Union bei der Europawahl so stark verloren hat und die Grünen ihr im Nacken sitzen, gilt Laschet als Alternative zu AKK. Auch inhaltlich grenzt sich der 58-Jährige mitunter ab - so wollte er eine CO -Steuer nicht ausschließen. Laschet ist übrigens Chef des stärksten Landesverbandes. Das darf man nicht unterschätzen. Vielleicht fährt AKK irgendwann zu ihm nach Düsseldorf zum Frühstück.

Jens Spahn: Der Gesundheitsminister und Gegenkandidat Kramp-Karrenbauers bei der Wahl zum Parteivorsitz verhält sich am geschicktesten von allen. Zu Migrationsfragen äußert sich der Konservative inzwischen kaum noch. Stattdessen legt er einen Gesetzentwurf nach dem anderen vor. Da will jemand durch solide Ministerarbeit überzeugen. Wer Spahn kennt, der weiß, dass er auf seine nächste Gelegenheit wartet. In der Union ist zu hören, Spahns große Stunde könne noch kommen. Bei einer Bundestagswahl hätte der 39-Jährige gegen Grünen-Chef Robert Habeck möglicherweise bessere Chancen als AKK. Selbst bei einer Urwahl, die die Werte-Union nun ins Spiel gebracht hat, könnte dies der Fall sein.

Friedrich Merz: Seine Anhänger haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der 63-Jährige nicht nur irgendwann Minister, sondern vielleicht sogar nächster Kanzlerkandidat wird. Wann immer jedoch in der Union Kritik an dem einen oder anderen kolportiert wird, ist oft davon die Rede, dass das Merz-Lager dahinter stecke. Wirtschaftsminister Peter Altmaier soll zuletzt Leidtragender gewesen sei. Das sind keine guten Voraussetzungen für den bei der Wahl zum Parteivorsitz knapp Unterlegenen. Merzens größtes Problem ist Angela Merkel. Sie wird alles daran setzen, ihren Intimfeind zu verhindern. Der Kanzlerin soll schon die Harmonie zwischen Merz und AKK sauer aufgestoßen sein.

Markus Söder: In der ganzen Debatte darf nicht vergessen werden, dass die CSU in der K-Frage ein gewichtiges Wort mitzureden hat. Schließlich wird es sich um einen Kandidaten beider Parteien handeln. AKK hat bei den Bayern im Moment die besten Karten. Sie kann gut mit Parteichef und Ministerpräsident Söder. Und sie hat die CSU nach ihrer Wahl zur Vorsitzenden geschickt umgarnt und wieder mit der CDU versöhnt. Am Ende werden sich die Christsozialen jedoch die Frage stellen, mit wem sie in Bayern die besten Chancen haben werden.

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