https://www.top-zusteller.de/
https://www.top-zusteller.de/
Gesucht und gefunden
15.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Jürgen Volz

Rastatt - Nahezu 18 Jahre lang war Raphael Schlager auf der Suche nach einer festen Anstellung. Hie und da ein schlecht bezahlter Aushilfsjob - mehr war für ihn nicht drin. Und je länger die Arbeitslosigkeit dauerte, desto aussichtsloser wurde seine Lage - trotz eines boomenden Arbeitsmarkts. Jetzt, mit 54 Jahren, hat Raphael Schlager endlich wieder eine Perspektive. Ermöglicht hat sie das neue Teilhabechancengesetz, das Anfang des Jahres in Kraft getreten ist.

Beim Besuch im Foto-Fachgeschäft PPL in der Karlsruher Straße in Rastatt wird schnell klar: da haben sich zwei gesucht und gefunden. "Es ist zu schön, um wahr zu sein", sagt Geschäftsführer Matthias von der Ahé. Lange hatte der Foto-Experte nach einem zuverlässigen Mitarbeiter Ausschau gehalten, hielt sich vorwiegend mit Aushilfen über Wasser. Dass er nun mit Raphael Schlager offenbar den idealen Mitarbeiter an seiner Seite hat, kommt einem Glücksfall gleich. Und dem erwähnten Gesetz mit dem etwas sperrigen Namen.

Für die Jobcenter der Arbeitsagenturen war die Umsetzung des neuen Gesetzes aufgrund des Zeitdrucks extrem schwierig. Am 14. Dezember 2018 passierte es den Bundesrat, keine drei Wochen später sollte es schon losgehen. "Wir hatten Mitte 2018 vom neuen Gesetz erfahren und sofort damit begonnen, Personen, die für die Förderung infrage kamen, durch entsprechende Maßnahmen zu qualifizieren", sagt Jürgen Walke, Geschäftsführer des Jobcenters für den Landkreis Rastatt. Gleichzeitig wurden die potenziellen Arbeitgeber über die neue Möglichkeit, Mitarbeiter zu finden, informiert. PPL-Geschäftsführer von der Ahé war zum Start Anfang Januar der erste Arbeitgeber im Programm. Inzwischen hat das Jobcenter bereits 20 ehemalige Langzeitarbeitslose erfolgreich vermittelt.

"Es ist nicht einfach, Menschen, die eine so lange Zeit arbeitslos waren, wieder in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren", weiß Walke. Für die Betroffenen bedeutet dies eine enorme Umstellung. Das alte Leben wird von heute auf morgen quasi auf den Kopf gestellt. "Es ist wichtig, dass die Bewerber einen Grundstock an eigener Motivation mitbringen", sagt Walke. Raphael Schlager, der nach einer privaten Krise, dem persönlichen Absturz und der langen Arbeitslosigkeit die Hoffnung auf einen festen Job eigentlich schon aufgegeben hatte, pflichtet dem bei: "Nach so langer Zeit wieder jeden Tag zur Arbeit zu gehen, das braucht schon Überwindung."

Schlager absolvierte vor der Festanstellung ein Praktikum. "Das ist für beide Seiten, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, ganz wichtig", sagt Martin Geiser, der für das Jobcenter als Akquisiteur gezielt Arbeitgeber anspricht. Denn auch Betriebsinhaber gehen mit den Langzeitarbeitslosen ein gewisses Risiko ein. "Man weiß natürlich nicht, ob das so ohne weiteres klappt", bekennt PPL-Geschäftsführer von der Ahé. Für ihn und seinen neuen Mitarbeiter läuft bislang alles wie erhofft. Und es ist kein Einzelfall: "In der Regel sind es vor allem kleinere Betriebe, die diese Möglichkeit der Förderung mit der zeitlich begrenzten Übernahme der Lohnkosten erfolgreich nutzen", sagt Geiser.

Raphael Schlager hat sichtlich Spaß an seinem neuen Job. Natürlich ist er nach wie vor in der Lernphase - aber mit der Sicherheit einer sozialversicherungspflichtigen Anstellung und einer gerechten Entlohnung. Gleichzeitig genießt er weiterhin die Unterstützung des Jobcenters. Zuletzt wurde ihm eine Fortbildung in digitaler Fotografie ermöglicht. Eine solche beschäftigungsbegleitende Betreuung erhalten parallel dazu auch die Arbeitgeber. Ziel ist eine Stabilisierung des Arbeitsverhältnisses und am Ende natürlich ein dauerhaftes Miteinander.

"Wir sind schon ein bisschen stolz darauf, in so kurzer Zeit schon so viele Langzeitarbeitslose vermittelt zu haben", sagt Jobcenter-Chef Walke. Er lobt wie Arbeitgeber von der Ahé das neue Teilhabechancengesetz als unkompliziert und zielgerichtet. Dass allein in Baden-Württemberg in den ersten vier Monaten nach der Einführung bereits 700 langzeitarbeitslose Menschen davon profitiert haben, unterstreicht dies eindrücklich. Und auch Raphael Schlager ist nach vielen Enttäuschungen vollauf begeistert: "Ich schimpfe endlich nicht mehr über den Staat."

BeiträgeBeitrag schreiben 



Das könnte Sie auch interessieren

Baden-Baden
Vier Fragen an: Bertold Wagner

09.06.2019
Vier Fragen an: Bertold Wagner
Baden-Baden (kie) - Sommerliche Temperaturen erreichen den Südwesten. Doch mit der Wärme steigt neben der Laune auch die Brandgefahr. Franziska Kiedaisch stellte Bertold Wagner, seit über 50 Jahren Feuerwehr-Fotograf des Stadtkreises Baden-Baden, vier Fragen (Foto: Wagner). »-Mehr
Baden-Baden
Ehemalige BKV-Mitarbeiter pflegen den Kontakt

06.06.2019
BKV-Senioren feiern Geburtstag
Baden-Baden (ar) - Den 30. Geburtstag feierten die BKV-Senioren mit Kuchen und musikalischer Unterhaltung am Dienstagnachmittag im Kurhaus-Restaurant. Musikalisch gestaltet wurde der Nachmittag von Thomas Schindler am Keyboard und Karlheinz Eisen mit seinem Alphorn (Foto: ar). »-Mehr
Rastatt
Appetithappen auf Straßentheaterfestival

05.06.2019
Vorverkauf hat begonnen
Rastatt (red) - Höhepunkt im Kulturkalender der Stadt Rastatt ist alle zwei Jahre das internationale Straßentheaterfestival tête-à-tête. Um die Wartezeit bis zum Frühjahr 2020 zu verkürzen, findet am 28. September das Rendezvous tête-à-tête 2019 in der Badner Halle in Rastatt statt (Foto: Stadt Rastatt). »-Mehr
Baden-Baden
Die Lebensart der Gammertinger

01.06.2019
Mit Witz gegen Vorurteile
Baden-Baden (red) - Bei den Baden-Württembergischen Theatertagen befassen sich mehrere Aufführungen mit dem Leben der Migranten in Deutschland. Mit Witz geht dabei das Theaterhaus Stuttgart vor, das in seinem Stück "Die deutsche Ayse" gängige Vorurteile persifliert (Foto: Brocke). »-Mehr
Rastatt
Showdown mit einigen Fragezeichen

31.05.2019
Showdown in der Landesliga
Rastatt (bor) - Normalerweise wäre in der Fußball-Landesliga nur die Abstiegsfrage noch zu klären. Da aber das Urteil gegen den Rastatter SC/DJK noch nicht rechtskräftig ist, sind vor dem letzten Spieltag am Samstag noch einige Frage offen, die nicht unerheblich sind (Foto: fuv). »-Mehr
Umfrage

Rastatt bekommt sprechende Mülleimer. Damit will die Stadt zur korrekten Müllentsorgung motivieren. Halten Sie solch ein Vorgehen für sinnvoll?

Ja.
Nein.
Das weiß ich nicht.


Wetter in Mittelbaden


BT Kinospot


© Badisches-Tagblatt.de    Impressum | AGB | Nutzungsbedingungen | Datenschutz   
1