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Biegsame Athletik des modernen Balletts
24.06.2019 - 00:00 Uhr
Von Christiane Lenhardt

Dynamik, Klarheit und klassische Bewegung mit modernem Ausdruck: Die Vielfalt zeitgenössischen Balletts im dreiteiligen Tanzabend des Het Nationale Ballet aus Amsterdam im Festspielhaus Baden-Baden ist von atemberaubender Spannungsintensität gewesen. Ein Höhepunkt war das "Kleine Requiem" mit den vielen, sich kreuzenden Duetten von Hans van Manen. Der bald 87-jährige Altmeister, einst langjähriger Chefchoreograf des renommierten niederländischen Balletts, kam am Samstagabend höchstpersönlich schnellen Schrittes auf die Festspielhausbühne, um den Jubel für seine halbstündige Tanzpreziose von 1996 entgegenzunehmen. Die wirkte so frisch wie die beiden neuen Ballettkreationen des Abends, von denen eine, die eines Schülers van Manens war.

Hans van Manen



beehrt Ballettabend

Als musikalische Begleitung zum "Kleinen Requiem" wählte Hans van Manen drei von vier Sätzen der gleichnamigen Komposition Henryk Goreckis - in dessen ruhig klagendem Klangfluss sich harmonisch über die Bühne gleitende Paare abwechselten. Paare und ein einsamer Passant schienen sich in allmählicher Spannungssteigerung zu begegnen. Bei van Manens Balletten in klassisch geschulter zeitgenössischer Tanzsprache geht es um Beziehungen und um den Umgang miteinander: nicht in allzu heftigen Konfrontationen, zuweilen ruckartig, mit nach vorne hängenden Oberkörpern zwar, aber eher in unverbindlichen Episoden, die in ein inniges Männerduett mündeten.

Ein besinnlicher Mittelteil für einen Ballettabend, der mit einem Aufreger unter glühend rotem Licht und dicken grauen Nebelschwaden begonnen hat. Das Het Nationale Ballet hat im Feuersturm des jungen spanischen Choreografen Juanjo Arques mit eindringlichen, fließenden Bewegungen, eruptiven Zuckungen und hochfahrenden Verrenkungen gestisch eine Feuersbrunst entwickelt, die den Zerstörungsakt faszinierend vor Augen führte.

Arques, ein ehemaliger Tänzer, hat sich nach eigenen Angaben von William Turners berühmtem Gemälde "Der Brand des Ober- und Unterhauses in London" nach einer wahren Begebenheit von 1834 inspirieren lassen - ihm gelang eine tänzerische Übertragung der Katastrophe, die zudem ziemlich sinnbildlich auf aktuelle politische Verhältnisse in London passt, wo im dortigen Parlament auch ohne Flammenmeer reichlich Feuer unterm Dach ist.

Leuchtendes Licht in Rot, Orange, Gelb, dazu wild sich windende Tänzerinnen und Tänzer in flatternden roten, orangen und gelben Seidenhemden bewegten sich wie lodernde Flammen über die Bühne - und glitten dahin, als rutschten sie geradewegs auf dem Löschwasserfilm aus. Zwischen der Aufregung durchstreiften weiße Menschen fast geisterhaft das aschfahle Gebälk, das in der Licht- und Spiegelprojektion von Joop Caboort erschien.

Das halbstündige "Ignite"-Ballett zur treibenden, sinfonischen Musik der jungen Komponistin Kate Whitley war mit dem raffiniert schräg über die Szenerie gehängten Spiegeln, in dem eine Art dunkel verbrannter Dachsparren zu sehen war, optisch spektakulär. Choreografisch war "Ignite" von dem von Hans van Manen beeinflussten Arques mit seinen fließenden, rasanten Bewegungswiederholungen eher konventionell, doch insgesamt war das Tanzstück, das erst jüngst für den renommierten Tanzpreis Benois de la Danse, nominiert war, äußerst reizvoll.

Schließlich Wayne McGregors "Chroma" im fast schon klinischweißen Raum mit großem Fenster im Hintergrund mit seinem extremen Tempo: Das wilde Tanzstück des englischen Choreografen aus minimalistisch genutzten Versatzstücken klassischer Ballettsprache entwickelte zu mitreißendem, harten Sound eine urbane, reduzierte Körpersprache. Zu den Songs des amerikanischen Rockmusikers Jack White fuhren die Beine an den extrem gebogenen Tänzerkörpern wie aggressive Stacheln heraus. Alle trugen knappe, fleischfarbene Hemdchen bei den Pas de deux - Frauen und Männer, Männer und Männer - auf halber Spitze. In diesem kontrollierten Chaos der Körper gab es nichts Graziöses, alles war athletisch, schnell und energetisch. Die Körper schienen in "Chroma" vor diffuser Lichtkulisse zu bersten.

Gestern war der zweite der beeindruckenden Ballettabende der Amsterdamer in Baden-Baden.

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