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Tunnelbau von oben
Tunnelbau von oben
08.08.2019 - 00:00 Uhr
Von Florian Krekel

Rastatt - Warum 2017 Sand, Kies und Wasser in den Rastatter Bahntunnel drängten, ist immer noch unklar. Welche Kosten die Havarie letztlich verursachen wird, auch. Dafür ist nun laut Bahn sicher, wie es weitergehen soll. Die ersten Züge sollen demnach 2025 rollen.

Dass das noch so lange dauert, liegt vor allem daran, dass für die jetzt präferierten Bauweisen der noch fehlenden Meter in den beiden Röhren Genehmigungsverfahren notwendig sind. Die laufen zwar schon, ziehen sich aber im Falle der Weströhre noch bis Anfang 2020 und für die havarierte Oströhre bis Frühjahr 2021 hin.

In der Weströhre steht die Tunnelvortriebsmaschine aktuell noch einige Meter vor der Unterquerung der Bestandsstrecke, bei der die Oströhre 2017 einbrach. Sie soll deshalb zuerst fertiggebaut werden - allerdings mit einem anderen Verfahren, als ursprünglich angedacht. Da durch die Havarie und das Absacken der Bestandsstrecke zur Absicherung der oberirdischen Gleise 275 Meter lange und ein Meter dicke Betonplatten eingebaut wurden, ist die sogenannte Gegendruckbauweise, die schon für mehrere Überführungsbauwerke auf der Strecke verwendet wurde, jetzt opportun. Denn das Gewicht der Betonplatte in Kombination mit der Aufschüttung von Erde neben der Bestandsstrecke erzeugt eine so große "Auflast", dass keine Gefahr bestehe, dass die Stützflüssigkeit der vier bis fünf Meter tiefer arbeitenden Tunnelbohrmaschine austrete und es so zu erneuten Problemen komme, wie die Verantwortlichen von Bahn und der mit dem Bau beauftragten Arbeitsgemeinschaft Rastatter Tunnel gestern auf einer Pressekonferenz untermauerten. Die Vorbereitungen dafür sollen bald beginnen, unterirdisch gebohrt wird dann ab 2020.

"Havarieröhre Ost" wird ab 2021 weitergebaut

Komplizierter wird es bei der havarierten Oströhre, in der die Tunnelbohrmaschine einbetoniert wurde. Sie soll von oben auf- und ausgegraben und fertiggebaut werden. Für die Bahn bedeutet das wie berichtet, dass die bestehende Bahnstrecke auf einer Länge von 700 Metern verlegt werden muss. Für die Niederbühler Anwohner bringt das vor allem wohl eines: Lärm. Den will die Bahn zwar durch mobile, knapp vier Meter hohe Schallschutzwände "auf ein verträgliches Niveau" reduzieren, ganz aussperren lässt er sich aber nicht.

Beginnen werden die Arbeiten Anfang 2021 mit der Verlegung der Rheintalbahn. Die beiden Gleise werden dabei leicht in Richtung Mehrzweckhalle Niederbühl auf die dann fertige Weströhre verlegt (siehe Grafik). Ist das erfolgt, wird ab Mitte 2021 die Oströhre erneut angegangen. Dafür wird das Baufeld in Beton eingefasst, aufgegraben und der verfüllte Beton samt der Tunnelbohrmaschine aus der Röhre herausgearbeitet. Da dafür große Maschinen nötig sind - vom Tunnelbohrer bleibt nur Schrott übrig - sei die offene Bauweise alternativlos. Zumal es keine Erfahrung damit gebe, so ein Vorhaben unterirdisch und somit "bergbautechnisch" durchzuführen, waren sich die Verantwortlichen gestern einig.

Ist das Rahmenbauwerk fertig, wird die Röhre von oben wieder zugeschüttet und die Rheintalbahn zurückverlegt. Parallel wird mit der Infrastrukturtechnik begonnen. Fertig ist die Oströhre wie bereits im Mai berichtet 2024. Ehe dann der Lückenschluss zur Neubaustrecke im Süden erfolgt und alle weiteren nötigen Infrastrukturmaßnahmen für beide Röhren abgeschlossen sind und somit Züge fahren können, dauert es bis 2025.

Dass weitergebaut wird, obwohl es noch keine Ergebnisse für die Havarieursache gibt, sei, wie Bahnsprecher Michael Baufeld gegenüber dem BT erklärte, kein Problem. Es gebe "keine Indikatoren, die gegen die jetzige Vorgehensweise sprechen". Der Schlichterspruch des anhängigen Verfahrens und Ergebnisse werden bis 2020 erwartet und dann könnte gegebenenfalls nachjustiert werden, so die Bahn.

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