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Eine echte Kämpfernatur
11.09.2019 - 00:00 Uhr
Von Jürgen Volz

Baden-Baden - Safaris Geschichte ist in einem Land wie Tansania nicht selten. Aber sie ist trotzdem eine besondere. Der Zwölfjährige geht in der Hafenstadt Tanga, 350 Kilometer nördlich der Hauptstadt Darresalam, über die Straße und greift neugierig nach einem Starkstromkabel, das offen und ohne Sicherung auf dem Boden liegt. Die Folgen sind dramatisch: Durch den Stromschlag und die heftigen Verbrennungen verliert Safari seinen rechten Arm und einen Unterschenkel.



In einer 13stündigen Notoperation können die Ärzte sein Leben retten. Aber Safari ist nicht mehr der fröhliche Junge, der er mal war. Schlimmer noch: Die Eltern verstoßen Safari. Denn im Verständnis der Massai, die von Vieh- und Landwirtschaft leben, hat der Zwölfjährige keinen Nutzen mehr.

"Das ist leider kein Einzelfall", sagt der Baden-Badener Chirurg Rüdiger Herr im BT-Gespräch. Die bei uns als stolze Krieger geltenden Massai leben nach ihren eigenen Regeln und "das kann bisweilen sehr brutal sein", so Herr. Der Arzt engagiert sich seit mehr als zehn Jahren gemeinsam mit Kollegen der Organisation Interplast in Afrika und leitet die Sektion Baden-Baden/Rastatt. Er opfert seinen Urlaub, um dort zu helfen, wo die Ärzte vor Ort an ihre Grenzen stoßen. Das Krankenhaus in Tanga ist zuständig für ein Gebiet, in dem eine Viertel Million Menschen lebt. Die medizinische Ausstattung ist nicht vergleichbar mit Europa, teilweise unzureichend. Die Kapazitäten, etwa für Operationen, sind begrenzt. Das bedeutet: Nicht jeder Kranke oder Verletzte kann behandelt werden. Auch Rüdiger Herr und seine Kollegen stoßen vor Ort an Grenzen und müssen von Fall zu Fall entscheiden, wer Hilfe am dringlichsten benötigt. "Für die Kollegen und mich ist es der schlimmste Moment, wenn wir nein sagen müssen", bekennt der Mediziner.

Der kleine Safari hatte Glück. Ihm wurde geholfen. Mehr noch: Er ist der erste Verletzte überhaupt, den die Ärzte nach Deutschland holen. Seine Verletzungen sind so schwerwiegend, dass er im jetzigen Zustand in seiner Heimat keine Zukunft hätte. Die Verhältnisse in vielen afrikanischen Ländern sind gnadenlos. "Wenn jemand mit seinen Händen nicht mehr arbeiten kann, ist er wertlos. Er wäre gestorben oder jämmerlich zugrunde gegangen", sagt Herr. Deshalb sei der Moment, als die Entscheidung fiel, Safari nach Deutschland zu bringen, ein sehr emotionaler gewesen, sagt der Chirurg.

Nachdem das Ärzteteam dem kleinen Jungen in Tansania das Überleben ermöglicht hat, stehen nun weitere umfassende Behandlungen in Deutschland an. Es sind nochmal 20 bis 30 Eingriffe nötig. Drei Monate lang gilt das Visa für Safari und seinen Bruder, der ihn begleitet. Dann muss er wieder soweit hergestellt sein, um in Tansania in einem Waisenhaus aufgenommen zu werden. "Safari ist ein Kämpfer" sagt Mediziner Herr. "Er wird das schaffen".

Parallel dazu versucht Interplast, die medizinische Versorgung im Gebiet um Tanga zu verbessern. Unter anderem mit einer neuen Klinik. Nahe der Hafenstadt steht "Cliff Rock", ein mächtiger Bau aus der Kolonialzeit, seit fast 20 Jahren leer. Zuvor war das Gebäude in der Hafenstadt Tanga als Krankenhaus genutzt worden. Dort wurde Tausenden von Menschen geholfen, unter anderem dem an Malaria erkrankten bekannten deutschen Mediziner Robert Koch. Zwei Jahre verbrachte er in "Cliff Rock". Später starb er in Baden-Baden. Jetzt gibt es berechtigte Hoffnung, "Cliff Rock", das im Meer auf einer Klippe steht, neu zu beleben. Etwa 650 000 Euro seinen notwendig, damit das Gebäude wieder betriebsbereit wird, hat der Karlsruher Ingenieur Ralph Egermann für die Organisation Interplast errechnet. Dann könnten auch, so der Plan, in "Cliff Rock" auch wieder Chirurgen ausgebildet werden, die Menschen wie dem kleinen Safari helfen.

Seit vergangenen Donnerstag ist Safari in Deutschland. Seither wird er in einem Krankenhaus in Bayreuth behandelt. Die Kosten dafür übernimmt die Klinik. Allerdings muss dazu noch der dreimonatige Aufenthalt des Jungen mit seinem Bruder in Deutschland finanziert beziehungsweise Kosten, die schon entstanden sind (Reisekosten inkl. der Betreuung einer tansanischen Ärztin sowie Lebenshaltungskosten usw.) gedeckt werden. Hierfür ist die Organisation Interplast auf Spenden angewiesen.

Spendenkonto: Rotes-Kreuz Kreisverband Bayreuth, IBAN DE28 7735 0110 0009 0194 07, Verwendungszweck: "Hilfe für Tansania".

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