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"Ein hoher Ölpreis ist noch immer Gift"
'Ein hoher Ölpreis ist noch immer Gift'
17.09.2019 - 06:23 Uhr
Berlin - Nach den Drohnenangriffen auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien rechnet Claudia Kemfert, Energieökonomin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), mit Folgen für Verbraucher und Wirtschaft. Allerdings sei Deutschland nicht direkt von Ölengpässen im arabischen Raum betroffen, sagt Kemfert im Gespräch mit unserem Berliner Korrespondenten Hagen Strauß.

Interview

BT: Frau Kemfert, droht angesichts der Lage in Saudi-Arabien ein neuer Ölpreisschock?

Claudia Kemfert: Der Krieg im Jemen ist ein Stellvertreterkrieg zwischen den verfeindeten Ölmächten Iran und Saudi-Arabien. Die Angriffe auf die saudischen Raffinerien sind eine gravierende Eskalation dieses Konflikts, die kurzfristig auf jeden Fall zu steigenden Ölpreisen führen werden. Derzeit gibt es zwar noch ausreichend Öl auf den Märkten, aber es werden mögliche Angebotsengpässe schon heute in den Ölfutures eingepreist.

BT: Worauf müssen sich die Verbraucher an der Zapfsäule einstellen?

Kemfert: Der Benzinpreis folgt wie immer dem Ölpreis. Und da dieser kurzfristig ansteigen wird, müssen wir auch mit steigenden Benzinpreisen rechnen. In welcher Höhe, hängt von vielen noch ungewissen Faktoren ab und ist schwer zu kalkulieren.

BT: Wird der Anstieg von Dauer sein?

Kemfert: Auch dies ist ungewiss, da nicht klar ist, welche militärische Eskalation noch folgen wird. Die gute Nachricht: Deutschland bezieht seine Ölimporte vornehmlich aus Russland und Norwegen und nur geringe Anteile aus dem arabischen Raum. Somit ist Deutschland nicht direkt von einem möglichen Ölversorgungsengpass im arabischen Raum betroffen. Zudem gibt es ausreichend Öl auf den internationalen Märkten, kurzfristig ist mit keinen Angebotsengpässen zu rechnen. Entscheidend ist, dass der Konflikt rasch befriedet wird, damit keine dauerhaften Engpässe auftreten. Sonst würde der Ölpreis dann richtig nach oben getrieben werden.

BT: Was bedeutet die Entwicklung für die deutsche Wirtschaft?

Kemfert: Grundsätzlich ist ein hoher Ölpreis noch immer Gift für die Wirtschaft, da sie weiterhin stark von fossilen Energieträgern abhängig ist. Wichtig ist, dass es immer mehr gelingt, den Ölverbrauch von der wirtschaftlichen Entwicklung zu trennen. Ob das Öl nun aus dem arabischen Raum oder Russland kommt, ist nebensächlich. Entscheidend ist, alles daran zu setzen, fossile Energie einzusparen und auf alternative Antriebe wie Elektromobilität und andere klimafreundliche Kraftstoffe zu setzen.

BT: Wie könnte die Bundesregierung gegensteuern?

Kemfert : Die beste Antwort auf fossile Energiekriege ist die Energiewende mit gezieltem Energiesparen im Gebäude- und dem Einsatz alternativer Kraftstoffe im Verkehrssektor. Das Klimapaket wird ja in dieser Woche auf den Weg gebracht, darin muss eine Abkehr von fossiler Energie Priorität haben. Insbesondere der stärkeren Förderung energetischer Gebäudesanierungen und der Verkehrswende mit der Förderung des Schienenverkehrs und der Elektromobilität müssen Vorrang eingeräumt werden.

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